Samstagern

Unkraut, das kein Unkraut ist

Am Plateaux Festival auf dem Bauernhof Blum haben sich am Samstag Künstler und Besucher mit Unkraut und dessen Wert beschäftigt.

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Als die kleine Teeschale ins kalte Wasser getränkt wird, bilden sich feine Risse in der Glasur und es steigt Dampf empor. Kein Wunder, denn das Tongefäss wurde soeben in einem kleinen Holzofen bei 1000 Grad gebrannt. Die Besucher auf dem Bio-Bauernhof Blum in der Froh Ussicht in Samstagern konnten am vergangenen Samstag nicht nur diese alte japanische Brennkunst – genannt Raku – kennenlernen, sondern auch aktiv an zwei anderen Kunstaktionen teilnehmen.

Der Anlass war teil des Plateaux Festivals, einer Veranstaltungsreihe, die an mehreren Wochenenden von April bis September stattfindet. Unter dem Motto «Werte schaffen» geht das Festival Fragen und Lösungen zum Thema Nachhaltigkeit nach (diese Zeitung berichtete). Bei der Gastveranstaltung von Pfingstsamstag waren die eingeladenen Künstler nun völlig frei in ihrer Interpretation der Thematik.

Unkraut neu bewertet

So konnten die Besucher beispielsweise schrittweise verfolgen, wie die japanischen Teeschalen entstehen. «Raku ist eine sehr zeitintensive Prozedur, die Gefässe entstehen aus Ton und Quarz. Sie sind geschaffen von Mutter Erde», sagte Lucia Munuera, die Keramikkünstlerin von der Richterswiler Kunstgruppe «Kunst Du?». Sie erzählte, wie diese Brennkunst insbesondere in Japan noch immer einen hohen Stellenwert hat.

Andere Künstlerinnen und Künstler des Kunsthauses Aussersihl waren in blauen Overalls unterwegs. Diese blau Uniformierten verkauften den Besuchern das Unkraut, das sie zuvor auf dem Hof gejätet hatten. Hübsch eingepflanzt in Tontöpfen, inklusive Namen der Pflanzen und deren möglichen Heilwirkung.

«Raku ist eine sehr zeitintensive Prozedur, die Gefässe entstehen aus Ton und Quarz. Sie sind geschaffen von Mutter Erde»Lucia Munuera, Kunstgruppe «Kunst Du?»

Es stellte sich die Frage, in welcher Beziehung diese Aktion zur Thematik vom Plateaux Festival steht. «Wir schaffen neue Werte, indem wir das Unkraut neu bewerten. Also eine Umbewertung schaffen», erklärte Künstlerin Regula Spörri.

Heute sei für die Leute ganz klar, dass Unkraut etwas Schlechtes sei, obwohl viele der gejäteten Pflanzen auch Heilwirkung besitzen würden. Und so ergänzte Spörri, dass das Jäten und die Umbewertung des Beikrautes auch gesellschaftliche Fragen eröffnen könne und definierte Werte in Frage stellen solle.

Wer lieber selbst etwas pflanzen wollte, der konnte sich auf dem Hof Blum auch an der Entstehung vom «unendlichen Kreislauf» beteiligen. In Form einer liegenden Acht pflanzte die Gruppe «Kunst Du?» Ringelblumen und Kräuter. Die Acht sollte den immer wiederkehrenden Kreislauf der Natur darstellen.

Kunst und Landwirtschaft

«Wir hatten sehr viele Ideen, als wir vom Plateaux Festival eingeladen wurden. Doch die Natur ist die grösste Künstlerin. Und hier können auch die Besucher aktiv etwas entstehen lassen», sagte Margit Schmitz von der Kunstgruppe.

Die Natur als Künstlerin, so oder ähnlich sieht es auch Martin Blum, Bauer des Hof Blum und Mitorganisatoren des Plateaux Festivals. «Kunst und Landwirtschaft weisen grosse Parallelen auf. Man schafft etwas mit seinen Händen und weiss schlussendlich nicht, was der Ertrag sein wird», sagte Blum, dessen Hof schon oft Schauplatz für Kunstprojekte war. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.06.2019, 18:22 Uhr

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