Zollikon

«Tue und sprich darüber»

Sascha Ullmann (GLP) ist seit gut sechs Monaten Gemeindepräsident von Zolli­kon. Mit der «Zürichsee-Zeitung» zieht er zum Jahresende eine erste Bilanz seiner Arbeit und wagt einen Ausblick auf 2019.

Er geniesst den direkten Austausch mit seinen Mitmenschen: Sascha Ullmann.

Er geniesst den direkten Austausch mit seinen Mitmenschen: Sascha Ullmann. Bild: Manuela Matt

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Sie wollten ein Gemeinde­präsident sein, mit dem man sich auch mal auf einen Kaffee treffen kann. Wie viele Ein­la­dun­gen zu einem Heissgetränk haben Sie in Ihrem ersten halben Amtsjahr erhalten?
Sascha Ullmann: Es waren einige, aber nicht immer gab es Kaffee. (lacht) Zudem bin ich auch sonst viel im Dorf oder im Gemeindehaus unterwegs. Ich finde es wich­tig, mitzubekommen, was meine Mitmenschen beschäftigt. Der direkte Austausch ist etwas, das ich sehr geniesse und der mir in meinem Amt auch die nötige Befriedigung verschafft.

Als Gemeinderat und ehe­ma­liger Feuerwehrkommandant verfügen Sie per se über ein grosses soziales Netzwerk in der Gemeinde. Seit Ihrer Wahl dürfte es wohl aber kaum mehr einen Zolli­ker geben, der Sie nicht kennt?
Vermutlich. Vor allem die Gruppe jener Leute, die ich selber nicht kenne aber sie mich, die ist unwahrscheinlich viel grösser geworden. Das spüre ich jeweils, wenn ich beispielsweise beim Einkaufen bin und die Blicke der Leute an mir hängen bleiben.

Stört Sie das?
Nein. Es zeigt, dass mein inten­siver Wahlkampf Spuren hinterlassen hat. Zudem finde ich es wich­tig, dass man als Gemeindepräsident präsent ist.

In Ihrem Wahlkampf sprachen Sie immer wieder davon, dass sich die Kommunikation der Gemein­de Zolli­kon verbessern müsse. Was haben Sie bisher dahin­gehend unternommen?
Eine konkrete Massnahme ist der Newsletter, den jede Bürgerin und jeder Bürger auf unserer Gemeinde-Website abonnieren kann. Via Mail werden so seit ­Ende Oktober die Verhandlungs­be­richte bis spätestens eine Woche nach der Gemeinderatssitzung publiziert.

Wo kann man weiter ansetzen?
Die grösste Herausforderung für die Gemeinde sind heute die vielen unterschiedlichen Informationskanäle, auf denen die Men­schen sich bewegen. Es wird unsere Aufgabe sein, herauszufinden, wie wir die Menschen am besten erreichen können.

Welche Möglichkeiten stehen denn gegenwärtig zur Debatte?
Konkret steht die Gemeinde etwa vor der Frage, ob sie auf den sozialen Medien mittun will und soll. Des Weiteren versuchen wir, von den Erfahrungen anderer Gemeinden zu lernen. Mancherorts lädt der Gemeinderat etwa zu einer Fragestunde ein vor der Gemeindeversammlung oder orga­nisiert einen politischen Themenabend. Solche Szenarien wären aus meiner Sicht für Zolli­kon ebenfalls denkbar.

«Ich fühle mich in der Runde der Gemeindepräsidenten wohl. Schliesslich vertreten wir alle gleiche Grundwerte.»

Ein Thema, das in Zolli­kon immer­ wieder zu reden gibt, sind die Gemeindefinanzen. Zuletzt­ an der Budgetversammlung von Anfang Dezember, wo dem Gemeinderat gleich mehrfach vorgeworfen wurde, er verfolge eine zu defensive Strategie. Wie stehen Sie dazu?
Zunächst einmal muss ich sagen, dass sich der neue Gemeinderat erst im Sommer konstituiert hat, und da war der Budgetprozess bereits weit fortgeschritten. Der neue Gemeinderat wird also seine Massnahmen erst mit dem Budget 2020 vorschlagen können. Für mich ist aber klar, dass es immer Bereiche gibt, wo man ansetzen kann.

Welche Handlungsoptionen gibt es denn?
Im Moment ist es noch zu früh, um konkrete Massnahmen zu nen­nen. Aber ich bin selber Steuer­zahler, und als solcher schaue ich durchaus mit einem flauen Gefühl im Magen auf die effektive Verschuldung der Gemeinde von aktuell über 100 Millionen Franken. Im Moment profitie­ren wir zwar von sehr tiefen Zinsen. Diese können aber sehr schnell ändern. Es ist daher wichtig, dass der Gemeinderat in den kommenden Jahren die Investitionen fest im Griff hält und einen positiven Cash­flow für den Schuldenabbau generiert.

Sie sind der erste grünliberale Gemeindepräsident im Bezirk Meilen, da haben Sie bestimmt keinen einfachen Stand?
Ich fühle mich in der Runde der Gemeindepräsidenten wohl. Schliesslich vertreten wir alle gleiche Grundwerte. Man spricht immer von dieser «bürgerlichen Dominanz» am rechten See­ufer, als sei das negativ. Aber was heisst denn bürgerlich überhaupt?

Sagen Sie es mir.
Der Fokus liegt auf der Fami­lie. Sie ist ein wichtiges Übungsfeld für Werte wie Vertrauen, Zu­ver­lässigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Kompromissbereitschaft. Hier werden die Grund­lagen geschaffen, dass jeder­ für sich selber sorgen kann und will. Weil für mich dieser Familien­zusammenhalt ebenfalls im Fokus steht, bezeichne ich mich selber auch als «bürgerlich».

Das dürfte auch damit zu tun haben, dass Sie vor Ihrem Eintritt in die GLP jahrelang Mitglied der FDP waren. Wie grün sind Sie tatsächlich?
Freisinnig-liberales Denken und grünes Handeln schliessen sich nicht aus. Ich bin Mitbegründer einer Firma, die Solarstrom pro­du­ziert und verkauft. Hier sehe­ ich ein riesiges Potenzial. Denn der Strom vom eigenen Dach ist heute der güns­tigste. Entsprechend will ich mich als Gemeindepräsident dafür einsetzen, dass ökologisch sinn­volle Kostenoptimierungen ausgeschöpft werden.

Gibt es weitere grüne Anliegen, für die Sie sich in Ihrem Amt starkmachen wollen?
Ein wichtiges Dossier, in dem ich mich engagieren möchte, ist die Grünraumentwicklung. Es ist wichtig, dass uns Natur- und Erho­lungsräume erhalten bleiben und aufgewertet werden. Gerade­ in dichten Siedlungs­räumen ist eine intakte Natur ein Mehrwert für alle.

Welcher Slogan fasst ihre Vorsätze für das kommende Jahr am besten zusammen?
Tue und sprich dar­über! Das «Gute» habe ich dabei bewusst weggelassen. Denn es wird 2019 mit Sicherheit auch Unange­nehmes für den Gemeinderat zu tun geben.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.12.2018, 17:30 Uhr

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