Stäfa/Hombrechtikon

Stäfner Reformierte befürworten Fusionspläne

Die Kirchen von Stäfa und Hombrechtikon sollen über einen Zusammenschluss verhandeln. Dies sagen zumindest die Stäfner nach intensiver Debatte.

In der Stäfner Kirchenpolitik ist nicht alles eitel Sonnenschein: Die Fusionspläne mit Hombrechtikon stossen auch auf Widerstand.

In der Stäfner Kirchenpolitik ist nicht alles eitel Sonnenschein: Die Fusionspläne mit Hombrechtikon stossen auch auf Widerstand. Bild: David Baer

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Ziemlich voll war die reformierte Kirche Stäfa am Sonntagvormittag. Das lag vielleicht nicht nur an der Predigt, sondern auch daran, dass im Anschluss an den Gottesdienst ein wichtiges Geschäft zur Abstimmung kam. Die Kirchenpflege beantragte nämlich den Stimmberechtigten, Fusionsverhandlungen mit Hombrechtikon zuzustimmen.

Das Traktandum lockte 114 Personen an die Kirchgemeindeversammlung. «Die Fusion ist der passende Weg», sagte Kirchenpräsident Arnold Egli. Er betonte aber auch, dass der endgültige Entscheid über einen allfälligen Zusammenschluss erst Ende 2020 an der Urne gefällt würde.

«Die Fusion ist der passende Weg.»Arnold Egli, Kirchenpräsident

Hintergrund für die geplante Fusion ist das Reformprojekt «Kirchgemeinde plus» der Landeskirche. Es sieht vor, dass Kirchgemeinden mit weniger als 5000 Mitgliedern fusionieren oder stärker kooperieren sollen. In Stäfa leben heute 5200 Reformierte, in Hombrechtikon sind es 3060 – Tendenz sinkend. «Wir haben heute in Stäfa eine gute Grösse, aber wir können schnell eine kritische Grösse erreichen», sagte Egli. «In Hombrechtikon ist dies bereits geschehen.»

Kritischer Blick in die Kasse

Finanzvorsteherin Cornelia Bizzarri erläuterte, was eine Fusion finanziell bedeuten würde. Verheiratet würden zwei ungleiche Partner. Auf den Punkt gebracht lässt sich sagen: Stäfa generiert mehr Steuereinnahmen und hat das deutlich grössere Finanzvermögen als Hombrechtikon, gleichzeitig aber auch mehr Schulden. Das erste gemeinsame Budget per 2022 wäre mit einem voraussichtlichen Minus von 128000 Franken leicht negativ.

Hier hakte Peter Meier, Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), ein. Die RPK empfahl, die Vorlage abzulehnen. «Wir haben eine äusserst gesunde Finanzsituation in Stäfa», sagte Meier. Ohne Fusion sei sogar eine Steuersenkung denkbar. Bei einem Zusammenschluss hingegen würde nur Hombrechtikon von einer solchen profitieren: Die Gemeinde käme in den Genuss des heutigen Stäfner Satzes von 11 Prozent. Heute beträgt der Steuerfuss in Hombrechtikon 14 Prozent.

«Wir haben eine äusserst gesunde Finanzsituation in Stäfa.»Peter Meier, Präsident Rechnungsprüfungskommission Stäfa

Für Meier wäre dies gewissermassen eine verkehrte Welt. Denn: «Hombrechtikon hat in den letzten Jahren negative Ergebnisse erwirtschaftet.» Die Konsequenzen seien einschneidend. Stäfa müsste sparen. «Es müssten Angebote eingeschränkt werden, die über Jahre aufgebaut wurden.» Die RPK stellte deshalb den Antrag, die Kirchenpflege solle auch andere Formen der Zusammenarbeit prüfen und den Stimmberechtigten entscheidungsreif vorlegen.

Die Sorgen der Pfarrer

Ablehnend äusserten sich auch die Pfarrer. «Wir stehen Fusionsgesprächen skeptisch gegenüber», sagte Martin Scheidegger. «Wir glauben nicht, dass eine Gebietsvergrösserung unsere Probleme löst.» Allerdings würden die Pfarrer den Entscheid der Versammlung loyal mittragen. Noch schlimmer als eine Fusion fänden sie eine vertiefte Kooperation wie von der RPK gefordert. Michael Stollwerk bezeichnete dieses Szenario als «Horror» und sagte, was es bedeuten würde: «Sitzung, Sitzung, Sitzung».

Ansonsten waren die Meinungen geteilt. Die Kirchenpflege würde vieles schön reden, sagte ein Redner. Ein anderer fand: «Heute schreien alle nach Vernetzung. Was wir brauchen, ist aber Verwurzelung. Deshalb sage ich Nein.» Aus demselben Grund machten sich auch andere für die Eigenständigkeit stark.

«Christliche Nächstenliebe»

Diese hatte aber auch Kritiker. So bemängelte ein Votant die heutige «kleinräumige Parallelstruktur, die ineffizient ist». In der Privatwirtschaft seien Fusionen Gang und gäbe, sagte eine weitere Rednerin und fügte an: «Vielleicht hätte Hombrechtikon etwas mehr davon als wir. Aber dann wäre dies ein gutes Beispiel christlicher Nächstenliebe.»

In der Abstimmung sprachen sich 85 Anwesende gegen den Antrag der RPK für andere Kooperationsmodelle aus, 16 waren dafür. Abgelehnt worden war auch der Antrag auf schriftliche, das heisst geheime Abstimmung, damit sich alle getrauten, ihre Meinung kundzutun. Die Vorlage der Behörde fand hingegen mit 68 zu 42 Stimmen eine Mehrheit. Zu Fusionsgesprächen kommt es aber nur, wenn am Montagabend auch die Hombrechtiker Reformierten Ja sagen.

Kirchgemeindeversammlung Hombrechtikon: Montag, 9. September, 20 Uhr Kirchgemeindehaus Blatten.

Erstellt: 08.09.2019, 20:45 Uhr

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