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Sulzer erwartet 10 Millionen Sanktionskosten

Die US-Sanktionen gegen den russischen Hauptaktionär von Sulzer werden die Firma rund 10 Millionen Franken kosten. Langfristigen Schaden erwartet Sulzer keinen.

«Wir waren ein Kollateralschaden von Trumps Sanktionen». Die USA hätten Sulzer nie Schaden wollen, ist der Konzernchef überzeugt.
«Wir waren ein Kollateralschaden von Trumps Sanktionen». Die USA hätten Sulzer nie Schaden wollen, ist der Konzernchef überzeugt.
Keystone

Der Industriekonzern Sulzer rechnet damit, dass wegen US-Sanktionen dieses Jahr Kosten von rund 10 Millionen Franken anfallen. Ansonsten werden keine weiteren negativen Auswirkungen erwartet. Der Auftragseingang stieg im ersten Quartal deutlich.

«Wir waren ein kollateraler Schaden der US-Sanktionen, aber die USA wollten Sulzer gar nie schaden», sagte Sulzer-Konzernchef Greg Poux-Guillaume am Donnerstag. Die erwarteten Kosten resultieren aus den Auslagen für die Rechtshilfe sowie der kurzzeitigen Unterauslastung und anschliessenden Nachproduktion in den US-Fabriken. Der genaue Betrag müsse noch ermittelt werden.

«Die USA wollten Sulzer gar nie schaden»

Greg Poux-Guillaume

Obwohl das Geschäft im Zusammenhang mit den von der US-Behörde OFAC verhängten Sanktionen kurzfristig erheblich beeinträchtigt worden sei, rechnet Sulzer nicht mit längerfristigen Auswirkungen. «Die Kunden sind Sulzer gegenüber loyal geblieben», so Poux-Guillaume.

Um Russland zu bestrafen, belegten die USA russische Oligarchen am 6. April mit Sanktionen, darunter auch Sulzers Hauptaktionär Viktor Vekselberg. Weil Renova mehr als 50 Prozent der Sulzer-Aktien hielt, wurde auch Sulzer als sanktioniertes Unternehmen eingestuft. In der Folge durfte der Zulieferer der Öl und Gasindustrie in den USA keine neuen Verträge abschliessen, auch die US-Konti des Unternehmens waren blockiert.

Einbussen bei den Aktien abgesichert

Um Sulzer von den Strafmassnahmen zu befreien, senkte Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova ihren Anteil in einer Notfallübung. Sulzer übernahm dabei von Renova rund fünf Millionen eigene Aktien zu einem Preis von je 109,13 Franken.

Damit sank die Beteiligung von Vekselbergs Holding von rund 63,4 auf neu knapp 48,33 Prozent. Das Transaktionsvolumen belief sich auf 546 Millionen Franken. Seit letzter Woche seien auch die Vermögenswerte von Sulzer in den USA wieder vollständig deblockiert, so der Konzernchef.

Sulzer habe keinen Zwang die fünf Millionen Aktien zu verkaufen. Zudem müssten erst nach 180 Tagen 80 Prozent des Kaufpreises bezahlt werden - nicht direkt an Renova, sondern auf ein Sperrkonto, ein sogenanntes Escrow Account in den USA. Die restlichen 20 Prozent behalte Sulzer, um einen allfälligen tieferen Aktienpreis auszugleichen.

Damit würden die Minderheitsaktionäre nach unten abgesichert, so Poux-Guillaume. Auch Dividenden müssten an Renova keine ausbezahlt werden, solange Renova unter Sanktionen stehe. Die Dividenden Renovas für letztes Jahr beliefen sich auf 80 Millionen Franken und für den tieferen Renova-Anteil würden die nächsten Jahre je 60 Millionen Franken fällig.

Keine Bedenken bei neuen Sanktionen

«Diese Gelder sind eine gute Quelle für billige Finanzierung, solange Renova unter Sanktionen steht», führte Poux-Guillaume aus. Er erwartet zudem, dass allfällige weitere Sanktionen keine Auswirkungen auf Sulzer hätten. Mit Renova sei eine automatische Anpassung vereinbart worden, falls neue Sanktionen einen Einfluss auf die Stimmrechte haben sollten.

Die Schweizer Holding von Vekselberg, Renova Management, und die russische Renova Group bleiben den Sanktionen unterstellt. Ein weiteres mit Vekselberg verbandeltes Unternehmen, Schmolz Bickenbach (S B), reagierte auf den US-Sanktionsdruck mit Änderungen im Verwaltungsrat, obwohl die Beteiligung bloss 26 Prozent beträgt. Der Industriekonzern Oerlikon, an dem Renova ebenfalls beteiligt ist, ist von den Sanktionen nicht betroffen.

Im Verwaltungsrat von Sulzer gibt es nach wie vor Mitglieder, die Renova nahe stehen. Poux-Guillaume sagte dazu, dass die Amerikaner bezüglich Verwaltungsrat keine Bedingungen gestellt hätten.

Deutlich mehr Aufträge

Im ersten Quartal - vor den US-Sanktionen - konnte Sulzer den Auftragseingang um 18,8 Prozent auf 900 Millionen Franken steigern, wie Sulzer weiter mitteilte. In allen Bereichen hätten mehr Aufträge hereingeholt werden können.

Übernahmen steuerten 44 Millionen bei, darunter durch die Firma JWC, die Siebe, Schredder oder Trennsysteme zur Entfernung von Gegenständen aus dem Abwasser herstellt.

Sulzer zeigte sich überzeugt, die Ziele für 2018 zu erreichen und bestätigt seine Prognose. Der Bestellungseingang dürfte um 5 bis 7 Prozent und der Umsatz um 4 bis 6 Prozent steigen. Erwartet wird eine Betriebsgewinn (Ebita)-Marge von 9,5 Prozent. In der ersten Handelsstunde am Donnerstag legten die Sulzer-Aktien in einem leicht negativen Handel 3,56 Prozent auf 116,40 Franken zu.

(SDA)

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