Jona

Studenten verwandeln den Bächlihof in eine Grossküche

Studenten der Hochschule Luzern (HSLU) haben auf dem Bächlihof Jona rund 50 mobile Küchen aufgestellt und frische Menüs zubereitet. Die einzigen Bedingungen: Kein Strom, kein Gas – und ein kurzer Fussmarsch mit der selber kreierten Kochstube.

Viele der Studenten haben ihre Menüs bereits einmal zur Probe gekocht.

Viele der Studenten haben ihre Menüs bereits einmal zur Probe gekocht. Bild: Manuela Matt

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Sie ziehen bereits bei der Sportanlage Grünfeld neugierige Blicke auf sich. In kleinen Grüppchen, zu viert oder zu fünft, stossen junge Menschen eigenartige Schubkarren und zusammengezimmerte Tische mit Rollen vor sich her oder buckeln gemeinsam hölzerne, rucksackähn­liche Gestelle. Tontöpfe, grosse Blechdosen, Stahlgitter oder alte Weinfässer sind darin eingebaut.

Wer der illustren Schar folgt, findet sich auf dem Bächlihof Jona ­wieder, wo das bunte Treiben am Donnerstagnachmittag bereits in vollem Gange ist. Man könnte meinen, hier werde ­gerade ein Weihnachtsdorf der besonderen Art aufgebaut. Und vielleicht ist es das sogar.

Die jungen Menschen sind Studierende der Hochschule Luzern mit Fachrich­tung Bau: Architekten, Innenarchitekten, Bauingenieure und Gebäudetechniker. Sie ab­sol­vieren heute ihren Härtetest im Projektmodul Kontext 1. So nennt die Schule diesen Arbeitsschritt für ihre Erstsemestler, die jeweils gleichzeitig den Jahres­abschluss bildet, auch gerne.

Der perfekte Standort

Wieso aber kommen Luzerner Studenten für diesen Anlass ­extra nach Rapperswil-Jona? Stefan von Arb, Dozent für Umsetzung und Baurealisation, ist einer von vielen Dozenten, welche die Studenten betreuen. Er steht etwas abseits der Menge und beobachtet das Treiben: «Für ein Projekt mit 250 Studenten braucht es einen Ort, der genug Platz und Übersicht bietet», erklärt er. In der Innerschweiz habe man aber schlicht keinen Ort gefunden, der alle Anforderungen – inklusive Feuererlaubnis – erfüllen konnte, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen. So fiel die Wahl auf den Bächlihof Jona.

Die Hochschule Luzern – sie ist die schweizweit einzige, die sämtliche Baustudiengänge abdeckt – stellte ihre jüngsten Studenten dieses Jahr erneut vor eine knifflige Aufgabe. Jede der rund 50 interdisziplinären Gruppen musste eine mobile Küche kreieren. Die Voraussetzung: Sie muss transportabel sein und ohne Strom und Gas funktionieren. Als einzige Wärmequelle wurde Kohlenglut zur Verfügung gestellt. «Die innovative Eigenleistung steht im Vordergrund», erklärt von Arb. So sollten zuerst das Konzept der Küche ausgedacht und erst dann – aus der jewei­ligen Funktion der Küche – die Gerichte kreiert werden. «Und auch diese sollen nicht pfannenfertig gekauft, sondern kreativ und selbst produziert sein.» 50 Franken steuerte die Schule dafür jeder Gruppe bei.

Interdisziplinäres Schaffen

Die Teams bestehen aus je einem Vertreter oder einer Vertreterin einer der Studiengänge. Drei Gruppen kochen, jede in ihrer eigenen mobilen Küche, jeweils ein ganzes Menü für etwa 15 Personen. Zusammengesetzt wurden die Teams von den Dozenten. Viele der Studenten kannten sich vorher noch gar nicht. «So soll vor allem­ das interdisziplinäre Zusammenarbeiten gefördert werden», erklärt von Arb. Auf die Gruppendynamik, den Team­prozess sowie die gemeinsame Umsetzung der Aufgabe werde bei der Bewertung besonders viel Wert gelegt.

Ein Semester lang hatten die Studenten Zeit, das Konzept für die Küche auszuarbeiten, sie zu bauen und die Menüs zu kreieren. Ihre Aufgabe nahmen sie sich offensichtlich zu Herzen. Kaum sind die wild zusammen­gewürfelten Kochstuben aufgebaut, rüsten, schnetzeln und marinie­ren sie fleissig Fleisch, Gemüse oder Obst, rösten Kartoffelchips, garen Fleischbällchen oder waschen sich die vom Teigkneten klebrig gewordenen Hände sauber. Während die ­Menüs entstehen, bringen einige zu ihrem Thema passende Dekorationen an ihren Ständen an. Bei einem hängt ein kleines Glücksrad; andere ziehen bunte Lichterketten über die Blachen ihrer temporären Essstände.

Dass es inzwischen leicht zu regnen begonnen hatte, scheint niemanden zu stören. Zu gross ist der Spass am kreativen Schaffen. Kurz in die Pelerine geschlüpft, widmen die jungen Menschen sich wieder ihrem Tun, der eine oder die andere genüsslich an einem Bier nippend. «Der Plausch soll natürlich auch seinen Platz haben», schmunzelt von Arb. Es riecht nach Regen, Feuer und Rauch. Langsam füllt sich die Luft auch mit dem Duft verschiedenster, frisch zubereiteter Esswaren.

Sherpas, Tretmixer und Bambus

Nun wird klar, was aus den zwei hölzernen, rucksackähn­lichen Gestellen geworden ist. Sie bilden jetzt einen der Stände am Rand des temporären Street-Food-Festivals. «Luzerpas» steht darauf. «Das ist unser Gruppenname – ein Wortspiel aus Luzern und Sherpas», erklärt ein Mitglied der Gruppe. Das Bergvolk als Vorbild, folgte das Team dem Konzept, möglichst viel Material mit möglichst wenig Gewicht zu transportieren. Eine grosse, alte Coladose, in der später Wasser zum Sieden gebracht wird, steht daneben bereit. Gekocht werden Momos und Burfis – nepalesische Teigtaschen und Dessert-Spezialitäten. «Die Sherpas leben mit einfachen Mitteln. Wir verwenden nur regionale, saisonale Zutaten», erklärt der Erstsemestler.

Plötzlich ist, zwischen den dicht aneinander gedrängten Küchen-Kons­truktionen hindurch, das Geräusch eines Mixers zu hören. Verursacht wird es von einem jungen Mann, der in einer Lehne aus Bambus sitzt und – wie bei einem Liegefahrrad – ein Rad mit Pedalen antreibt, das mit einem Mixer verbunden ist. Am Stand daneben steigt Dampf aus einem metallenen Rohr. Das End­produkt einer ganzen Anlage, die, ähnlich wie bei einer Dampflok, mit Feuer das Wasser erhitzt. Sogar ein Lavabo mit fliessend, wahlweise kaltem oder heissem, Wasser ist eingebaut. Das Konzept der Gruppe: Wiederverwertbarkeit.

So wird das Menü – Frühlingsrollen, Curry mit Reis, ein Ananas-Smoothie sowie Crème brulée als Dessert – in halben Bambusstängeln und ausgehöhlten Ananasschalen serviert. «Wir konnten uns erst nicht über die kulinarische Ausrichtung der Küche einigen», verrät ein Mitglied. Asiatisch oder Französisch? «So haben wir eben fusioniert.»

Ein gelungener Abend

«Die Innovation der Ergebnisse dieser Gruppe hat mich besonders überzeugt», freut sich von Arb später. Der Dozent zieht eine positive Bilanz aus dem Abend. «Das Essen war vorzüglich, die Resultate durchwegs überzeugend.» Trotz des Regens sei auch die Stimmung den ganzen Abend über hervorragend gewesen. «Zum Kochen lassen sich eben alle­ begeistern.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.12.2017, 09:12 Uhr

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