Sozialamt

Sozialämter im Gasterland sollen fusionieren

Schänis, Benken und Kaltbrunn wollen ihre Sozialämter vereinigen. Damit wollen die drei Gemeinden am Obersee das Sozialwesen professionalisieren. Sparen steht nicht im Fokus.

Im Schänner Gemeindehaus soll ab Oktober das Sozialamt Schänis-Benken-Kaltbrunn geführt werden.

Im Schänner Gemeindehaus soll ab Oktober das Sozialamt Schänis-Benken-Kaltbrunn geführt werden. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Zusammenlegung der Sozialämter ist ein Zukunftsmodell», ist Heidi Romer (CVP), Gemeindepräsidentin von Benken, überzeugt. Noch in diesem Jahr will die Gemeinde Benken ihr Sozial­amt mit denen der Kommunen Kaltbrunn und Schänis zusammenführen.

Für das neue Sozialamt sei mit einem Stellenbedarf von 400 Stellenprozenten zu rechnen, schrei­ben die Gemeinden in einer Mitteilung. «Die Stellen in allen Kommunen waren unter­besetzt. Die Aufgabe war kaum mehr zu bewältigen», sagt Romer. Es sei darum ein Gutachten über die Situation aller Gemeinden erstellt worden, das diese Zahl als fundiert ausweise. Das sind mehr Stellenprozente als vorher, erklärt Romer. Fokus des Projekts sei jedoch die Professionalisierung. Trotz des Zusammenschlusses bleiben die Zuständigkeiten für die eigenen Fälle bei den Gemeinden. Die Kosten werden demnach auch auf diese gemäss Fallzahlen und Einwohnern aufgeteilt. Mit mehr Stellenprozenten müssen die Gemeinden zwangsläufig mit mehr Kosten rechnen. Nachdem die Bevöl­kerung eine Fusion der Gemeinden Benken und Kaltbrunn vor fünf Jahren abgelehnt hatte, werden nun die Ämter zusammen­gelegt. Widerspricht sich das? Nein, findet Heidi Romer: «Wir respektieren den Volkswillen.» Synergien, Effizienz und Kom­petenzen sollen aber trotzdem genutzt und gefördert werden.

Gemeinsames Amt ist legitim

In Schmerikon und Uznach ist die Fusion der Gemeinden ebenfalls gescheitert. Diesem Umstand zum Trotz haben die beiden Kommunen sondiert, ob Ämter zusammengelegt werden können. «Auch wenn die Stimmbürger eine Vereinigung abgelehnt haben, halte ich es für legitim, dass Gemeinden ihre Ämter gemein­sam führen», sagt Félix Brunsch­wiler (parteilos), Gemeindepräsident in Schmerikon. Allerdings sei es bei den Sondierungen im Seedorf und in Uznach nicht um das Sozialamt gegangen: «Dieses wird in der Regel sehr effizient geführt. Kosten kann man da mit einer Zusammenlegung kaum einsparen, weil ein gemeinsam geführtes Amt nicht weniger Personal braucht», sagt Brunsch­wiler.

Weil es weniger Amtsleiter brauche, könnten höchstens die Gehaltskosten sinken. Zudem könnten dank einer Zusammenlegung die Ämter flexibler und professioneller werden. Dass die Klienten ins nächste Dorf reisen müssen, um ihren Sozialarbeiter zu treffen, erachtet Brunsch­wiler derweil nicht als Problem. Zu beobachten sei, dass der Kanton St. Gallen vermehrt den Anstoss gebe, Ämter zu fusionieren, etwa bei den Betreibungsämtern.

Erfolgreiche Vereinigungen

Von guten Erfahrungen bei der Zusammenlegung von Sozial­ämtern, die parallel zur Fusion von Jona und der Rosenstadt über die Bühne ging, spricht Kurt Felder, Ressortleiter Gesellschaft und Alter in Rapperswil-Jona: «Hilfreich war bei der Verei­nigung der beiden Ämter, dass beide Kommunen mit demselben System gearbeitet haben.» Felder verweist auf andere Gemeinden im Kanton wie Thal und Rhein­eck beziehungsweise Jonsch­wil und Oberuzwil, wo die Sozial­ämter mit Erfolg vereinigt worden seien.

«Gerade für kleine Gemeinden, die das Sozialwesen by the way im Nebenamt führen, bringt eine Zusammenlegung der Ämter eine Professionalisierung mit sich», betont Felder: «Einer Fusion der Sozialämter steht jedoch meist im Weg, dass die Gemeindeautonomie tief im Blut liegt und Kommunen selber bestimmen wollen, wie sie ihr Geld ausgeben.» Zudem würden diese annehmen, dass sie ihre Sozialfälle schliesslich am besten kennen. Natur­gemäss könne man dank einer Zusammenlegung auch Geld sparen, indem etwa die Kosten für die Infrastruktur sinken würden.

Qualität der Betreuung steigt

«Ein gewichtiger Vorteil liegt darin­, dass dank eines Ausbaus eines Sozialamtes die Fallzahlen pro Sozialarbeiter sinken und dieser dementsprechend seine Klienten intensiver betreuen kann», konstatiert Felder: Eine Zusammenlegung der Sozial­ämter stosse allerdings dann an seine Grenzen, wenn das zu verwaltende Gebiet zu gross sei. So hält Felder ein gemeinsames Sozialamt für die ganze Region Zürichsee-Linth für keine gute Idee. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.02.2018, 10:30 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben