Wädenswil

Schlingel im Visier – Stadtrat soll Busse für nachlässige Eltern prüfen

Zwei rechtsbürgerliche Parteien Wädens­wils wagen einen Vorstoss mit dem Ziel, dass Kindern im Elternhaus mehr Anstand beigebracht werden soll. Ein Bussgeld für Eltern soll geprüft werden. Andere Parteien schütteln die Köpfe.

«Wir erziehen unseren Sohn bewusst nicht, damit er später bessere Chancen in der Politik hat.»

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Die Wädenswiler SVP und das BFPW haben ein Postulat an den Stadtrat mit dem Namen «Vermittlung von Grundwerten durch die Eltern» eingereicht. Sie fordern, dass Eltern stärker in die Pflicht genommen werden, ihren Kindern Grund­werte wie Anstand, Höflichkeit und Respekt beizubringen.

In Gesprächen mit Lehrper­sonen von Primar­schule und Kinder­gärten habe sich herausgestellt, dass diese immer mehr Zeit für Erziehungsaufgaben inves­tieren müssen, ist im Postulat der SVP und des BFPW zu lesen. «Die Kinder sind gewalt­bereit, stören den Unterricht oder erscheinen gar nicht erst in der Schule und müssen zu Hause abge­holt werden.» Wer die Kinder zu Hause abholen geht, wird nicht beantwortet. Die Eltern von solchen Störenfrieden und Schwänzern wie­der­um würden weder zu Infover­anstaltungen noch zu Eltern­abenden oder -gesprächen erscheinen. Die Postulanten be­fürch­ten, dass solches Verhalten die Bildungskosten in die Höhe treibe, zudem würden an­stän­dige Kinder dar­unter leiden.

Der Stadtrat soll prüfen, ob Eltern­ gebüsst werden können, wenn sie trotz mehrfacher Ermah­nung ihre Pflicht vernachlässigen, und welche anderen Massnahmen getroffen werden können, wenn die Busse nicht ­bezahlt würde.

«Es besteht keine Rechtsgrundlage zur Erziehung der Eltern­», wendet Johannes Zollinger (EVP) ein. Der Stadtrat für Schule und Jugend und Prä­sident der Schulpflege hat jedoch ein gewisses Verständnis für das Anliegen. Einzelne schwarze Schafe der Elternschaft können zu grossem Aufwand führen. Summasummarum, hält der Schul­präsident fest, funktio­niere ein erfolgreiches Mitein­ander von Eltern, Schülern und Lehrpersonen sehr gut.

«Doppelmoral» der Rechten

Die übrigen Parteien des ­Wädenswiler Parlaments aner­ken­nen zwar, dass vereinzelte Eltern­ Erziehungsaufgaben an Lehr­personen delegieren. Doch insgesamt stehen sie dem Pos­tulat kritisch gegenüber.

Sauer stösst den Sozial­demokraten die Doppelmoral des rechtsbürgerlichen Vorstosses auf. Dies geht aus dem ­Votum von Gemeinderätin Edith Brunner (SP) hervor: «Bei der Schule wurden in den letzten Jahren massiv Gelder gestrichen – unter anderem für die Aufgabenhilfe und die Sozialarbeit. Genau diese Gefässe dienen dazu, Problemschüler auf die Spur zu bringen.» Die Verhältnisse in den Schulen und Kindergärten seien nicht so dramatisch, wie das Postulat den Anschein macht, führt Brunner weiter aus. Auch den Grünen ist keine Zunahme von Gewalt­taten, insbesondere von Primarschülern bekannt, hält Ulrich ­Reiter von den Grünen fest.

Die GLP und die FDP stellen die Behauptungen, die von SVP und BFPW aufgeworfen werden, infrage und möchten sie untersucht sehen. «Insbesondere ­interessiert uns die Expertise der Lehrer­schaft und Schule», schreibt Pierre Rappazzo (GLP). Ähnlich klingt es bei der FDP. Die Grünliberalen stellen sich auf den Standpunkt, dass die Schule selbst über Massnahmen zur Förderung der unterschiedlichen ­Bedürfnisse der Schüler entscheiden muss – bei der Begabtenför­derung wie auch bei Sonder­massnahmen für Störenfriede.

Bussen sind äusserst selten

Sowohl die Grünen wie auch die SP verweisen des Weiteren auf bereits bestehende Möglichkeiten, verhaltensauffällige ­Schü­ler und nachlässige Eltern zu sanktionieren. Gemäss dem Volks­schulgesetz haben Schulen bereits die Möglichkeit, Eltern für das Versäumen von Pflichten zu büssen. Doch in Wädens­wil wurde davon kaum Gebrauch gemacht, sagt Eva Soland, Leiterin Schule und Jugend, auf Anfrage: «Wir verhängen solche Bussen bewusst äusserst selten. Erst dann, wenn die Zusammenarbeit überhaupt nicht mehr funktioniert und die Eltern ihren Informations- und Schulpflichten nicht nachkommen. In rund zwei Jahren kommt das höchstens ­einmal vor.» Einer Busse würden jeweils lange Konflikte voraus­gehen, man verhänge sie nicht bloss wegen des Versäumens eines Elternabends, sagt ­Soland. Wie die Schule Wädens­wil zum Postulat für mehr Anstand steht, wird sie erst bekannt geben, wenn der Vorstoss vom Wädens­wiler Gemeinderat überwiesen worden ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.02.2018, 18:31 Uhr

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