Meilen

Rundgang durch Meilens Wiesenlandschaft

60 Unentwegte trotzten am Samstag dem strömenden Regen und liessen sich auf einem Landschaftsumgang zu diversen Blumenwiesen führen.

Ausgerütstet mit Regenjacken und -schrimen liessen sich die gut 60 Teilnehmer des Landschaftsumgangs die Kniffs und Tricks der Bewirtschaftung von Blumenwiesen erklären

Ausgerütstet mit Regenjacken und -schrimen liessen sich die gut 60 Teilnehmer des Landschaftsumgangs die Kniffs und Tricks der Bewirtschaftung von Blumenwiesen erklären Bild: Michael Trost

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Gemeinderat und Präsident der Landschaftskommission, Alain Chervet (FDP), zeigt sich am Samstagmorgen hoch erfreut: «Bei Schönwetter hätte ich mit 80 Teilnehmern gerechnet, nun stehen bei diesem Wetter rund 60 Personen vor mir», begrüsst er gut gelaunt am Bahnhof Meilen die interessierte Schar, die sich zum von Fachleuten begleiteten Landschaftsumgang der Gemeinde eingefunden hat.

Alle stecken in robusten Schuhen, tragen Regenjacken, einige sogar wasserdichte Hosen oder sind mit Regenschirmen und –hüten ausgerüstet.

Diese Ausrüstung wird ihnen nützen, denn in den nächsten drei Stunden werden sie unter meist strömendem Regen und auf erdigen Wegen am Fuss des Pfannenstiels diverse Wiesenflächen aufsuchen. Darunter jene, die an der letztjährigen Zürcher Wiesenmeisterschaft in der Kategorie Ansaatwiesen prämiert wurden.

Wilde Rüebli und Thymian

Nach einer kurzen Fahrt mit dem öffentlichen Bus ist Bundi hoch über dem Bezirkshauptort erreicht, wo Landwirt Jakob Schmid im Bezibüel seine erstplatzierte und vor 25 Jahren angelegte Magerwiese präsentiert. Er beschreibt den Angereisten die Arbeitsvorgänge, bis aus der einst intensiv bewirtschafteten Fettwiese eine Blumenwiese wurde.

«Bei Schönwetter hätte ich mit 80 Teilnehmern gerechnet, nun stehen bei diesem Wetter rund 60 Personen vor mir,»Alain Chervet, Gemeinderat und Präsident der Landschaftskommission

Wegen der kühlen Witterung der letzten Wochen blühen kaum Blumen, doch Ursina Wiedmer, Leiterin Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich und Jurymitglied, hat Exemplare der Zypressenwolfsmilch, vom wilden Rüebli und Thymian gepflückt, um einige aktuelle Pflanzen einer Magerwiese zu zeigen.

Der Agronom und Vertreter von Naturnetz Pfannenstil, Winu Schüpbach, empfiehlt den Teilnehmern, in wenigen Wochen wiederzukommen, «um die bunte Blumenvielfalt zu entdecken.»

«Super-Region» Meilen

Naturschützerin Wiedmer ist voll des Lobes für die Region und insbesondere die Gemeinde Meilen: «Sie ist super für die Schaffung von neuen Wiesen.» Sie fasst kurz den Sinn einer Wiesenmeisterschaft, wie sie erstmals 2018 am Pfannenstiel und im Knonaueramt durchgeführt wurde, zusammen.

Nicht nur wolle man den Beitrag der Bauern zur ökologischen Qualität und Vielfalt der Landschaft bekanntmachen, sondern diese auch motivieren, sich für die Biodiversität einzusetzen, was wiederum der Allgemeinheit zugute komme: «Eine blumenreiche Wiese ist etwas Schönes und tut uns allen gut.» Je weniger Nährstoffe der Boden aufweise, desto wichtiger sei er für die Pflanzen- und Tierwelt.

«Eine blumenreiche Wiese ist etwas Schönes und tut uns allen gut.»Ursina Wiedmer, Leiterin Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich

Beim nächsten Halt steht Wini Schüpbach in einer Riedwiese. «Hier gedeiht der blaue Lungenenzian, der wiederum dem Kleinen Moorbläuling als Futterpflanze dient», klärt er auf. Der Schmetterling kommt zwar am Pfannenstiel noch vor, sei aber national stark gefährdet.

Zudem handle es sich bei dieser Riedwiese um ein Pilotprojekt vom Naturnetz: «Wir möchten hier versuchsweise Kühe weiden lassen.» Derzeit sei der Boden aber zu aufgeweicht.

Gewiefte Nachahmer

Die nächste Ansaatfläche besteht seit etwa vier Jahren. Schüpbach bückt sich und reisst eine Handvoll Weissklee aus: «Das ist gar nicht gut, denn bei diesem feuchten Wetter wuchert der Weissklee, der wiederum die Wiese düngt, und das hat man nicht gern.»

Im Verlauf der Wanderung bis zur Warzhalden kommt die Gruppe an weiteren, meist noch grünen Wiesenflächen vorbei, zu denen die Bewirtschafter Tipps zur Pflege und Ansaattechnik abgeben. Wertvoll ist auch das Wissen eines Wildblumensamenproduzenten für jene, die im eigenen Garten das Erfahrene umsetzen wollen. Gemeinderat Chervet hatte es sich ja gewünscht, dass der Anlass «gewiefte Nachahmer» hervorrufen würde.

Erstellt: 12.05.2019, 19:09 Uhr

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