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Seeuferweg ist Chance für die Gemeinden

Jetzt kommt endlich der durchgehende Uferweg rund um den Zürichsee. Oder doch nicht? 4 Millionen Franken will der Kanton Zürich jährlich für Projekte einsetzen, die der Bevölkerung den Zugang zum Zürichsee ermöglichen sollen. Zumindest wenn solche Projekte konkret sind, wie gestern zu erfahren war. Dazu kommen Beiträge der Standortgemeinden in der Höhe von 20 Prozent, wenn Abschnitte realisiert werden.

Der Gegenvorschlag des Kantonsrats geht nicht so weit, wie die Initiative «Zürisee für alli». Er ist ein klassischer Kompromiss. Das passt erwartungsgemäss nicht allen. Vor allem die Gemeinden im Bezirk Meilen können mit dem durchgehenden Seeuferweg nichts anfangen. Das ist nicht verwunderlich. Ein Grossteil des Landes in Ufernähe ist in Privatbesitz. Viele, die direkt am Zürichsee wohnen, zählen zu den besseren Steuerzahlern. Dass die Gemeinderäte wenig Interesse haben, diese Einwohner zu verärgern, liegt auf der Hand. Darum ist die Formulierung, dass nur wenn keine andere Wegführung möglich ist, Land enteignet werden darf, der richtige Weg. Noch ist dies nicht verankert. Im bürgerlich dominierten Kantonsrat wird der Passus aber problemlos durchkommen. Die Ufer des Zürichsees sind lang. Es wäre schön, den Ufern entlangzuflanieren oder zu wandern. Durch die Gärten der Hausbesitzer muss der Weg aber nicht gehen.

Aufatmen können die Landbesitzer in einem Punkt. Dass der Kanton Zürich für das aufgeschüttete Land am See, sogenanntes Konzessionsland, eine eigene Rechtssprechung verwendet, hat das Bundesgericht vor drei Jahren abgelehnt. Der Kanton hat nun bezüglich Konzessionsland nicht mehr Rechte, als bei anderen Privatgrundstücken. Diesen Anspruch hatte er daraus abgeleitet, dass das Land vom Kanton aufgeschüttet wurde und an Private abgegeben wurde. Der grösste Teil des Landes am Zürichsee ist Konzessionsland. Dieses Urteil hatte Signalwirkung gegen vereinfachte Enteignungen. Die Gemeinden haben dies sicher zur Kenntnis genommen. Doch sie sollten sich auch für attraktive Seeufer einsetzen. Die neue Regelung gibt ihnen diese Möglichkeit.

Die Exekutiven müssen Hand bieten, wo eine attraktive Seeufergestaltung möglich ist. Ein Pilotprojekt könnte die Chemie Uetikon werden. Die Ausgangslage ist perfekt. Einen Teil des Landes übernimmt der Kanton für den Bau des neuen Gymnasiums, die andere Hälfte will die Gemeinde kaufen. Für Uetikon, laut «Weltwoche» immerhin die lebenswerteste Gemeinde der Schweiz, ist die Chance einmalig.

Denn, lebenswert oder nicht, bisher blieb den Uetikern der Seezugang mit Ausnahme des Schiffsstegs und dem winzigen Strandbad verwehrt. Jetzt winkt nicht nur der durchgehende Seezugang, ein Seeuferweg könnte auf der ganzen Länge des Gemeindegebiets am Wasser entstehen. Der Kanton dürfte auf seinem Teil des Areals einen offenen Zugang zum See bevorzugen. Da wäre es sinnvoll, wenn die Gemeinde mitzieht. Uetikon muss sowieso einen Teil der Kosten übernehmen. Es bietet sich an, eigene Vorschläge einzubringen und der Bevölkerung etwas zu bieten. Neben dem Gemeinderat sollten Parteien und Interessensverbände bei der Projektierung involviert werden. Auch Meilen kann die Chance auf dem Areal der Kibag nutzen, sollte der geplante Tausch an der Gemeindeversammlung durchkommen.

Das Beispiel des Seeuferwegs in Richterswil und Wädenswil kann als Vorbild dienen. Nicht überall bietet es sich an, einen Steg im Wasser zu erstellen. Doch gerade wo die Uferzugänge mehrheitlich in Privatbesitz sind, kann ein Steg den Konflikt mit den Privaten lösen. Auch hier gilt es nicht einseitig die Interessen der Grundbesitzer zu berücksichtigen. Das negative Beispiel ist Rorschacherberg am Bodensee. Der geplante Steg lag so weit vom Ufer entfernt, dass er in der Volksabstimmung mit 78 Prozent Nein-Stimmen durchgefallen ist.

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