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Die Ammler Doppelmoral

Redaktor Conradin Knabenhans über die erneute Debatte zum geplanten Asylzentrum in Amden.

Ankommen. Durchatmen. Froh sein. Amden-Weesen Tourismus setzt alles daran, Touristen in die heile Bergwelt zu locken. Ausgerechnet diese heile Bergwelt sehen einige Ammler ­gefährdet. Die «Bergruh», das ehemalige Kurhaus, wird zum kantonalen Asylzen­trum. Diese Pläne sorgten schweizweit für Schlagzeilen. Nicht wegen des Zentrums selber, sondern wegen der kritischen ­Äusserungen von Bürgern. Die «Chrüzcheibe» werden den TV-Zuschauern als geflügeltes Ammler Wort noch lange in Erinnerung bleiben.

Ausgerechnet jetzt, wo sich die hitzigen Gemüter etwas abgekühlt hätten, giesst der Gemeinderat mit einer Medienmitteilung Öl ins Feuer. Den Asylbewerbern solle man mit Respekt, «durchaus aber auch mit einer gewissen Distanz begegnen». Je willkommener sich vor allem die Wirtschaftsflüchtlinge fühlten, desto grösser sei die Sogwirkung auf jene, die in ihrem Heimatland geblieben sind, schreibt der Gemeinderat. Und der CVP-Gemeindepräsident Urs Roth folgert im Interview mit der «Zürichsee-Zeitung»: «War­um hat jeder Asylbewerber das neuste Handy, wenn ich mit meinem älteren Gerät zufrieden bin?» Es schwingt eine gewisse Doppelmoral mit, wenn der Gemeinderat gleichzeitig «das Beste aus der Situation machen will», weil sich die Flüchtlings­situation in den vergangenen Wochen und Monaten dramatisch verschlimmert hat. Und es sind zudem Äusserungen, die nicht dazu beitragen, der Bevölkerung Ängste und Sorgen zu nehmen.

Dabei wäre das gute Beispiel so nahe. Ausgerechnet die touristische Partnergemeinde Weesen macht keine schlechten Erfahrungen mit den Asylbewerbern. An die runden Tische mit den Behörden kamen nur Vereinzelte, die Notrufnummer wurde gar nicht erst gewählt. Der Weesner Gemeindepräsident wundert sich kaum, denn die meisten Sorgen hätten sich als unbegründet erwiesen. Die leise Kritik vor der Einrichtung des Zentrums ist verstummt. Vielleicht natürlich auch deshalb, weil man weiss: Das Zentrum wird Ende Jahr wieder geschlossen.

Einen befristeten Vertrag für das Zen­trum wünscht sich auch der ehemalige Ammler Gemeindepräsident Thomas Angehrn. Mit seiner Unterschriftensammlung wollte er eine verträgliche Lösung für die Gemeinde schaffen und mit der Aktion das Image von Amden wieder in ein rechtes Licht rücken. Es ist zu hoffen, dass die kritischen Äusserungen des jetzigen Gemeinderates diesen Weg nicht verbauen. Eine konstruktive Debatte würde helfen, die Wogen zu glätten und miteinander einen fairen Dialog zu führen.

Kritische Stimmen sollen durchaus ihren Platz haben. Die Aufgabe des Gemeinderates muss aber darin bestehen, Gespräche zu führen und Lösungen für das Dorf zu finden. Die Sogwirkung kann Amden nicht alleine lösen, dafür braucht es die Politik aller Nationen. Eine Mauer der Distanz zu bauen, ist dabei keine. Das ist der Flüchtlinge mit der Hoffnung auf ein besseres Leben als in ihrer Heimat nicht würdig. Auch sie haben die Chance verdient, anzukommen, durchzuatmen und einen Moment froh zu sein.

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