Garten-Blog

Sechsbeinige Einbrecher

Unsere Autorin bedauert, dass die Haltung von Ameisenbären in der Schweiz so streng reglementiert ist. Ein solches Haustier käme ihr gerade sehr gelegen.

Eigentlich habe ich nichts gegen Ameisen. Sie sind fleissig, stark, ja sogar nützlich, sorgen sie doch für die Ausbreitung von Wildpflanzen wie Schlüsselblumen, Schneeglöckchen und Sternhyazinthen, lockern den Boden und bringen wertvolle Biomasse ein. Zudem fressen sie Eier von Schnecken, Möhrenfliegen und anderen Insekten – und sind beliebte Beute vieler Vogelarten.

Ameisen sind eigentlich ganz interessante Tiere. Und herzige dazu. Zumindest in diesem fantasievollen Wimmelbuch von Katarzyna Bajerowicz. Bilder: Sandra Weber

Im Garten lasse ich sie gewähren. Nur die Blattläuse nehme ich ihnen weg. Und gelegentlich streife ich mit dem Rasenmäher einen ihrer Wiesenpaläste. Krabbelts aber im Haus, stösst meine Tierliebe an ihre Grenzen. Vereinzelte Späher – die, so sicher wie es am Albanifest regnet, im Juni in unserer Küche auftauchen – werden stets einem raschen Tod zugeführt, bevor sie die frohe Botschaft der unerschöpflichen Speisekammer weiterverbreiten können.

Was Gärtner wahnsinnig macht, sieht im Kinderbuch ganz putzig aus: Das Beschützen und das sogenannte «Betrillern» der Blattläuse, also das Beklopfen mit den Ameisenfühlern, auf dass sie ihr süsses Sekret abgeben.

Ausserdem verteile ich Zimt und Kaffeesatz und spachtle alle Ritzen, die ihnen als Ein- und Ausgänge dienen, mit Sohnemanns Knete zu. So konnte ich bisher verhindern, dass sich eine unüberschaubare Anzahl sechsbeiniger Untermieter einquartiert. Dieses Jahr muss ich die ersten Ameisen übersehen haben. Vermutlich konnten sie dank dem Bodenbelag aus Babyguetzlibrösmeli, Legosteinen und Staubmäusen unbemerkt vorrücken.

Hinter unseren scheinbar festen Wänden muss ein ganzes Labyrinth mit Vorratskammern, Thronsälen und Kinderstuben verborgen sein, wie die Spuren von Sägemehl und Putz beweisen.

Plötzlich sind sie überall. Im Kinderzimmer. Im Gang. Und natürlich in der Küche, wo ihre Karawanen mitnehmen, so viel sie tragen können. Das Aufatmen nach der zwangsläufig folgenden, hysterischen Putzorgie ist nur von kurzer Dauer. Als ich die Wohnungstür öffne, wuselt der Boden im Treppenhaus wie früher das Flimmerbild des Fernsehers nach Sendeschluss.

Zwar hatte ich die Tiere aus der Wohnung vergrault – aber nicht aus dem Haus. Hat sich der verbleibende Staat entschlossen, in corpore umzuziehen, ist sich aber nicht einig, wohin? Oder formiert er sich zum Gegenangriff? Um Rache zu nehmen für die Opfer in der Küche? Das Massaker an den Blattläusen? Die Sache mit dem Rasenmäher?

In der Wohnung erfolgreich vertrieben – nun wimmelts dafür im Treppenhaus.

Mir schwant, dass sich das Problem diesmal nicht mit Zimt und Kaffeesatz lösen lässt. Auch will ich mir nicht ausmalen, was ein ausser Rand und Band geratener Ameisenstaat und zwei Kleinkinder damit anstellen würden. Früher hielt man sich Katzen ja vor allem, um die Mäuse in Schach zu halten. Ich hätte lieber einen Ameisenbär. Schade ist deren Haltung in Privathaushalten illegal.

Video: Sandra Weber

Erstellt: 22.06.2016, 12:02 Uhr

Tipps und Tricks

Tipps zum Umgang mit Ameisen im Haus
Der Einsatz von Gift sollte insbesondere in Haushalten mit Kindern, Schwangeren und Haustieren vermieden werden, da sie besonders empfindlich sind. Gift kann zudem in die Luft, in den Boden und ins Grundwasser gelangen.


  • Herausfinden, wo die Tiere herkommen. Die betreffenden Ritzen mit Malerklebeband abkleben oder gleich mit selbsthärtendem Kit zuspachteln.

  • Späher, also erste vereinzelte Tiere, sofort töten.

  • Boden mit Wasser und etwas Teebaumöl oder Zitronensaft und Essig feucht reinigen, um Duftspuren zu entfernen.

  • Präventiv Lebensmittel nicht in offenen Verpackungen lagern, kein schmutziges Geschirr, Tierfutter und Abfälle herumstehen lassen.

  • Vor dem Gifteinsatz mit Hausmittelchen probieren: Zimt, Kaffeesatz, Kreide, Wurmfarn, Thymian, Wacholderblätter, Tausendgüldenkraut, Kerbel, Zitronenkraut oder Lavendel streuen, oder entsprechenden ätherischen Ölen beträufeln.

  • Eine Mischung aus Natron oder Hirschhornsalz und Zucker ist für Menschen und Tiere ungiftig, für Ameisen tödlich.



Tipps zum Umgang mit Ameisen im Garten

  • Stören sie wirklich?

  • Ist eine Umsiedlung möglich? Dazu einen Blumentopf mit Holzwolle oder Erde auf das Nest stellen, einige Tage warten, Brett unterschieben und das Nest an einen anderen Ort tragen.

  • Das Nest mehrmals mit kaltem Wasser oder Pflanzenjauchen (aus Brennnesseln, Beifuss, Rainfarn oder Wermut (30 g frische oder 300 g trockene Pflanzen in 10 l Wasser 14 Tage gären lassen) überschwemmen, dann ziehen die Ameisen selber um. Mit kochendem Wasser tötet man die Ameisen sofort, allerdings auf brutale Art, zudem stirbt das Gras dabei auch gleich ab.

  • An Obstbäumen Leimringe anbringen, damit die Ameisen nicht zu den Blattläusen gelangen.

  • Mit oben genannten Hausmittelchen vertreiben. Algenkalk, Steinmehl streuen, oder zerriebene Blätter von Wermut, Majoran, Pfefferminze, Holunder, Kapuzinerkresse auf das Nest legen.

  • „Andermatt Biogarten“ vertreibt ein fertiges Granulat aus natürlichen Pflanzenduftstoffen und Kieselalgenpulver, das für Menschen und Tiere unschädlich ist und im Freien auf befallene Flächen gestreut werden kann.

Kinderbuchtipp

Die Illustrationen im Artikel stammen aus dem sehr empfehlenswerten Kinder-Wimmelbuch „Schau, was krabbelt im Wald?“ von Katarzyna Bajerowicz, 2015 Loewe Verlag (ab ca. 2 Jahren, kartoniert)

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Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

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