Horgen

Professionelle Hilfe für Betagte und ihre Angehörigen

Vor fünf Jahren wurde die Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen» ins Leben gerufen. Die gemeindeeigene Institution bietet Hilfe und Beratung zu allen Lebensfragen im Alter.

Für die Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen» berät Sozialarbeiter Wolfram Müller Menschen im Pensionsalter.

Für die Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen» berät Sozialarbeiter Wolfram Müller Menschen im Pensionsalter. Bild: Viviane Schwizer

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Wolfram Müller, Sozialarbeiter der Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen», wird oft zu prekären Situationen hinzugezogen. Etwa als kürzlich allen Mieterinnen und Mietern einer Liegenschaft wegen einer anstehenden Totalsanierung gekündigt wurde. Darunter waren auch zwölf Haushalte von Personen im Pensionsalter, die teilweise seit Jahrzehnten im Haus wohnten. Müller weiss: «Diese Bewohner kennen sich im heutigen Vermietungsprozedere oft nicht aus und haben aufgrund ihres Alters kaum Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt.» Der Verlust ihrer langjährigen Wohnung und die Angst, den Kontakt zu den Nachbarn und dem Quartier zu verlieren, seien für diese Personen einschneidend.

Kleine Schritte zum Ziel

Die Anlaufstelle konnte in der Wohnungssuche in mehreren Schritten Hilfe anbieten. Zuerst habe man die betroffenen Mieter samt Angehörigen oder Bezugspersonen zu einem Informationsgespräch eingeladen. Dort wurden auch Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt: Als Sofortmassnahme vermittelte die Anlaufstelle Freiwillige der Nachbarschaftshilfe mit Internetzugang, damit diese bei der Wohnungssuche im Internet helfen konnten. Angeboten wurden weiter Hilfe bei Kontakten zu Liegenschaftsverwaltungen, Begleitungen zu Wohnungsbesichtigungen sowie Unterstützung beim Umzug.

Immer wurden dabei auch die gesundheitlichen und finanziellen Ressourcen der Betagten berücksichtigt. Der Erfolg darf sich sehen lassen: Drei Parteien fanden selbstständig eine Wohnung in Horgen, für sieben Parteien konnte mit Unterstützung der Anlaufstelle eine neue Wohnung angemietet werden. Für zwei Parteien fand sich aufgrund ihrergesundheitlichen Situation ein Platz in einer stationären Einrichtung.

Die Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen» springt auch bei Überlastungssituationen ein. Beispielsweise im Fall einer Frau, die ihren dementen Ehemann zu Hause betreute und pflegte und damit völlig überfordert war. Daher baten die Kinder um Hilfe bei der Anlaufstelle. Zu Beginn habe die Frau sowohl Spitex wie auch den Mahlzeitendienst abgelehnt.Eine stationäre Lösung kam für die Ehefrau nicht infrage, da sie nicht von ihrem Mann getrennt werden wollte. Hinzu kamen finanzielle Probleme des Ehepaars sowie die Vermutung auf Mangelernährung. Schrittweise konnte eine Mitarbeiterin der Anlaufstelle das Vertrauen zu dem isolierten Paar aufbauen, sodass Lösungen gefunden werden konnten.

Nach mehreren Gesprächen akzeptierte das Paar regelmässige Besuche der Spitex und des Mahlzeitendienstes. Zudem wurden mithilfe der Anlaufstelle eine Hilflosenentschädigung und eine Zusatzleistung beantragt und auch zugesprochen. Somit waren auch die finanziellen Mittel für die Tagesbetreuung vorhanden. Hilfreich war für die Ehefrau auch der Besuch bei der Gruppe für Angehörige von Demenzerkrankten. Dies ermöglicht den Austausch mit anderen Betroffenen.

Immer mehr Anfragen

In der Horgner Anlaufstelle «Alter und Gesundheit Horgen» arbeiten insgesamt fünf Personen in 370Stellenprozenten. Ihr Ziel ist, allen Betagten in Horgen Hilfe und Beratung zu allen Lebensfragen zu offerieren. Vom Angebot machten im Jahr 2017 insgesamt 253 Personen in 1200 Beratungen Gebrauch. Die provisorischen Zahlen 2018 deuten auf ein weiteres Wachstum hin. In der Anfangsphase wurden die Zahlen noch nicht erfasst. Müller schätzt es sehr, dass die Anlaufstelle bei der Politik immer ein offenes Ohr hatte und personell gut aufgestellt ist.

Gemeinderat Hans-Peter Brunner (FDP), Vorsteher des Ressorts Gesellschaft, meint dazu: «Horgen ist stolz darauf, seinen Seniorinnen und Senioren diese Anlaufstelle anzubieten. Damit können wir unseren älteren Mitmenschen etwas von dem zurückgeben, was diese während ihres Lebens für unsere Gesellschaft und unser Dorf geleistet haben. Und von Vorteil für uns alle ist dabei, dass unsere Beratung und Unterstützung in vielen Fällen zu kostengünstigeren Lösungen führt als beispielsweise ein verfrühter Heimeintritt.»

Erstellt: 31.03.2019, 19:33 Uhr

Neuer Leiter im Horgner Baumgärtlihof 

Dominic Bentz (44) ist seit dem 1. März 2019 neuer Leiter der Abteilung «Alter und Gesundheit Horgen» und damit Nachfolger von Karl Conte, der sich altershalber verabschiedete. Vor seinem Start im Alterszentrum Baumgärtlihof in Horgen war Bentz im Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich tätig. An der neuen Aufgabe gefällt ihm die Vernetzung von Anlaufstelle, Begegnungszentrum, Spitex, Gesundheitsvorsorge und Alterssiedlungen, die in Horgen «einzigartig» sei. (vs)

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