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Obstbauern sind gegenüber neuer Versicherung skeptisch

Tief in die Tasche greifen, um die Obstbäume gegen Frost zu versichern? Nein, sagen Obstbauern in der Region. Das Geld legen sie lieber zurück, um Einnahmeausfälle zu überbrücken. Oder sie setzen künftig auf Sorten, die später blühen.

Frost, wie er im April 2017 aufgetreten ist, kann Apfelblüten zugrunde richten. Gegen den Ertragsausfall können sich Bauern neu versichern.
Frost, wie er im April 2017 aufgetreten ist, kann Apfelblüten zugrunde richten. Gegen den Ertragsausfall können sich Bauern neu versichern.
Keystone

Fegt ein Hagelsturm über eine Obstplantage, sind die Besitzer meist abgesichert. Die meisten Obstbauern in der Region haben gemäss einer Umfrage eine Hagelversicherung abgeschlossen. Ernteausfälle wegen Hagelschäden sind damit finanziell gedeckt. Dass Bauern ihre Obstbäume neu auch gegen Frost versichern lassen können, findet Eva Haab vom Biohof Steinacher in der Au grundsätzlich eine gute Sache. Für ihre Obst- und Beerenkulturen aber lohne sich die Frostschutzversicherung nicht.

«Die Prämie ist so hoch, dass es für uns nicht rentabel ist», sagt Eva Haab. Sie begründet dies primär damit, dass die zu versichernde Fläche wegen der locker stehenden Hochstammbäume sehr gross wäre. Zudem ist der Steinacherhof, wie Eva Haab sagt, bei den Frostnächten im letzten April vermutlich wegen des milderen Seeklimas «glimpflich davongekommen». Einbussen gab es allerdings bei der Apfel- und Kirschernte.

Höhere Lage, weniger Ernte

Auch Jürg Rellstab kann nicht klagen: «Mein Hof hat eine glückliche Lage. Wir sind gut davongekommen.» Ob er seine Obstkulturen gegen Frost versichern lassen will, entscheidet er nach dem Besuch des Versicherungsexperten. Seine Erdbeeren schützt er mit Vlies, seine Kirschbäume sind überdeckt, weitere Massnahmen werde er momentan nicht treffen, sagt Rellstab.

Ähnlich klingt es bei Stephan Vetsch vom Stockengut in Kilchberg. «Wir haben wegen unserer bevorzugten Lage Glück gehabt; umgeben von Häusern und dank der Seenähe waren wir kaum betroffen von den Frostausfällen.» Nur rund 20 Prozent der Apfelernte sei weggefallen, und dies obgleich er auf Abdeckungen oder Frostkerzen verzichtet habe.

Ganz anders fallen die Erntebilanzen von Obstbauern in den höheren Lagen aus. 80 Prozent der Kernobsternte sind dieses Jahr etwa bei Martin Blum vom Hof Froh Ussicht in Samstagern weggefallen. Die windoffene Lage des Hofs begünstigte laut Blum, dass die Obstblüten von der garstigen Bise in Mitleidenschaft gezogen wurden. Statt einer Frostversicherung zieht der Samstagerer aber in Betracht, auf später blühende Obstsorten auszuweichen. «Ein breites Sortenspektrum hilft», sagt Blum.

Äpfel aus der Region sind alle

Die Ernteausfälle von 2017 kriegt auch das mehrheitlich verschont gebliebene Stockengut zu spüren. Hier werden nämlich jedes Jahr mehr Äpfel verkauft als geerntet, deshalb sind sie darauf angewiesen, Äpfel aus der Region zukaufen zu können. Zusätzliche Äpfel zu bekommen, hat sich dieses Mal laut Vetsch erheblich schwieriger gestaltet als in anderen Jahren.

«Wir werden unseren Kunden in zwei, drei Wochen sagen müssen, dass wir keine Äpfel aus der Region mehr haben.» Doch der Kilchberger Bauer entdramatisiert diesen Tatbestand sogleich: «Noch vor 30 Jahren war es immer so — und dieses Mal hat die Natur halt wieder einmal gewirkt.» Für die kommende Ernte hofft er auf bessere Bedingungen – und verzichtet dezidiert auf eine Frostversicherung: «zu teuer.»

Obwohl sich die befragten Bauern darin einig sind, auf eine Frostversicherung zu verzichten, sind sie punkto Prognosen nicht alle gleichermassen zuversichtlich. Während die einen die argen Frostschäden von 2017 für einen seltenen Ausreisser halten, meint Rellstab: «Die Bäume blühen jedes Jahr früher, die Gefahr von Frost wird also tendenziell grösser.

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