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Nostalgie kommt Gemeinden teuer zu stehen

Obwohl sie sparen müssen, halten viele Gemeinden an ihren Ferienhäusern fest. Viele verwalten ihre Liegenschaften aber nicht mehr selber, sondern überlassen dies zunehmend anderen.

Das Zolliker Ferienhaus «Höchi» in Wildhaus wird durch die Schule verwaltet.
Das Zolliker Ferienhaus «Höchi» in Wildhaus wird durch die Schule verwaltet.

Das «Erlebacherhus» in Valbella hat eine lange Tradition: Seit 1956 ist es im Besitz der Gemeinde Erlenbach. Es wird für Ski- und Klassenlager der Schule genutzt und kann von Erlenbacher Einwohnern sowie anderen Gästen ganzjährig gemietet werden. Derzeit hat die Gemeinde für den Betrieb eine Co-Leitung ein­gestellt. Mit durchschnittlich 100 000 Franken belastete das Ferienhaus das Gemeindebudget in den vergangenen sechs Jahren. Investitionen wurden in dieser Zeit keine getätigt.

Nun macht sich der Gemeinderat Gedanken, wie es mit der Liegenschaft weitergehen soll. «Im Vordergrund steht eine Verpachtung», sagt Gemeindeschreiber Hans Wyler. Dafür müsse das Haus aber erst fit gemacht werden. «Die Infrastruktur ist überaltert.» Im Finanzplan 2019 sind für eine Teilrenovation 2,5 Millionen Franken eingestellt. Über den Kredit müsste der Souverän entscheiden. Wyler ist überzeugt: «Erlenbach hängt an seinem Ferienhaus mit langer Tradition.»

Pachtvertrag als Lösung

Das Zolliker Ferienhaus «Sanaspans» wird bereits verpachtet, wie Claudia Valler, stellvertretende Gemeindeschreiberin, sagt. Pächterin ist eine Internetplattform, welche Ferien- und Lagerhäuser vermietet. Das zweite Lagerhaus der Gemeinde, das sich in Wildhaus befindet, wird von der Schule verwaltet.

Anders als die Gemeinde Erlenbach hat Zollikon bereits in den letzten Jahren grössere Beträge in die Instandhaltung der Gebäude investiert. Die erneuerte Wärmeerzeugung in «Sanaspans» schlägt mit rund 300 000 Franken zu Buche. «Im Ferienhaus «Höchi» in Wildhaus wurden 1998 grössere Renovationsarbeiten durchgeführt», sagt ­Roland Millo, Liegenschafts­verwalter der Schule Zollikon. Für 1,14 Millionen Franken liess man unter anderem Nasszellen einbauen und das Dach und die Fassaden erneuern. In den nächsten zehn Jahren seien in Wildhaus keine grösseren Investitionen zu erwarten.

Auch die Meilemer Schüler verbringen die Skilager in einem Haus mit jahrelanger Tradition: im 1961 eingeweihten Ferienhaus «Miraniga» in Obersaxen. Allerdings ist die Gemeinde nicht Besitzerin, sondern bloss Genossenschafterin des Objekts. Dieses gehört der Ferienhausgenossenschaft Meilen, zu der etwa 250 Mitglieder zählen. Dennoch hat die Gemeinde über die Jahre einiges investiert: Seit 1961 sind 1,3 Millionen Franken in Form von Darlehen und Anteilscheinen zusammengekommen.

Männedorf ist ebenfalls Genossenschafterin eines Ferienhauses: des «Tga da Lai» in ­Valbella. Die Gemeinde besitzt65 Anteilscheine im Wert von insgesamt 3250 Franken und sorgt dafür, dass Männedörfler Ski­lager dort stattfinden.

In Küsnacht ist es die Schul­gemeinde, welche Ferienhäuser besitzt. Dieser gehören gleich zwei Objekte: seit 1920 das Ferienhaus «Sarn» oberhalb Thusis und seit 1962 das Ferienhaus «Clos Murisaz» bei Sainte-Croix. Im Voranschlag 2017 übersteigt der Aufwand den Ertrag um 130 500 Franken.

Von emotionalem Wert

Schulsekretär Werner Akeret sieht im Besitz trotz des Defizits zwei Vorteile. «Für unsere Lager müssen wir keine Miete an Ex­terne bezahlen», sagt er. «Hinzu kommt, dass die Lehrpersonen genau wissen, was sie vor Ort erwartet.» Dies erleichtere den Verantwortlichen die Planung.

Die Veräusserung der beiden Liegenschaften sei bei der Schulpflege dennoch ein Thema. Voraussichtlich 2018 sollen in Küsnacht die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde zu einer Einheitsgemeinde zusammen­geschlossen werden. «Die Häuser haben für viele Küsnachter einen nostalgischen Wert», sagt Akeret. «Vor der Einheitsgemeinde werden wir nichts unternehmen.» Man wolle die Schulen aber motivieren, die eigenen Lagerhäuser mehr zu nutzen, um die Lagerkosten für die Schulgemeinde zu senken. Damit könne man indirekt dem Defizit entgegenwirken.

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