Spital

Mit sauberen Händen Infektionsrate senken

Um die Infektionsrate zu senken, greifen die Spitäler zu unterschiedlichen Massnahmen. Zentral sind saubere Hände und eine gute Spitalhygiene. Bei der Durchsetzung der Standards helfen regelmässige Schulungen und Kontrollen.

Sehr viele Spitalinfektionen werden durch Keime an den Händen des Spitalpersonals verursacht.

Sehr viele Spitalinfektionen werden durch Keime an den Händen des Spitalpersonals verursacht. Bild: Monika Flueckiger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Katheter keimt es. In der Beatmungsmaske haben sich Bakterien eingenistet. Und der Pfleger, dem man gerade eben noch die Hand schüttelte, hatte im Stress vergessen, diese nach der Visite des letzten Patienten zu desinfizieren.

Sechs von hundert Patienten in der Schweiz erleiden eine Spitalinfektion – eine Infektion also, die während der Behandlung erworben wird. Das zeigen neuste Erhebungen der Expertengruppe Swissnoso. Die Gründe für solche Komplikationen sind vielfältig. Je nach Typ könnten 35 bis 55 Prozent der Infektionen vermieden werden, ist man bei Swissnoso überzeugt.

Seit 2016 werden die Überwachungs-, Präventions- und Bekämpfungsmassnahmen dank der Strategie Noso schweizweit koordiniert. Die aktuelle Messung wurde an einem einzigen Stichtag als sogenannte Punktprävalenzstudie durchgeführt und soll das Ausmass des Problems aufzeigen. Die Spitäler am Zürichsee haben an der Studie trotz Einladung nicht teilgenommen – aus unterschiedlichen Gründen.

«Da die Werte des See-Spitals seit Jahren deutlich besser sind als der Durchschnitt anderer Spitäler, haben wir entschieden, 2017 für einmal auszusetzen», sagt Manuel Zimmermann, Kommunikationsleiter des See-Spitals Horgen und Kilchberg. Adolf Steinbach, Leiter Qualitätsmanagement des Paracelsus-Spitals in Richterswil, verweist auf die geringe Aussagekraft einer einmaligen Erhebung für kleine Spitäler: «Wir hätten an diesem einen Tag eine absolut zufällige Klientel im Haus gehabt und dazu noch sehr wenige Patienten, die in die Studie einbezogen worden wären.»

Prävention durch Kontrolle

Kontrolliert wird die Infektionsrate in den regionalen Spitälern aber trotzdem. Der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) führt seit Jahren kontinuier­liche Wundinfektionsmessungen durch. Grösstenteils liegen die Infektionsraten am Zürichsee unter dem schweizweiten Durchschnitt. Die Überwachung hat bei der Prävention einen hohen Stellenwert – auch wenn die Daten vor allem wegen den geringen Fallzahlen viel Spielraum für unterschiedliche Interpretationen offenlassen. «Neben der obligatorischen Erhebung der Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen erheben wir die Hygiene im Operationssaal und die Händehygiene des Spitalper­sonals», sagt Andrea Kaul, Kommunikationsverantwortliche des Spitals Zollikerberg.

Auch die anderen Spitäler setzen auf zusätzliche Stichproben und Qualitätskontrollen. Ein wichtiger Punkt ist die Händehygiene. Swissnoso hat festgestellt, dass ein grosser Teil der Infektionen durch Keime an den Händen des Spitalpersonals verursacht wird. «Wir führen immer wieder Kon­trollen durch, zum Beispiel, was die Händehygiene vor und nach jedem Patientenkontakt betrifft», sagt Kommunikations­leiter Zimmermann vom See-Spital.

Das Spital Männedorf setzt hier sogar noch gezielter an: «Wir organisieren jährlich einen Aktionstag zum Thema Händehygiene, und alle Mitarbeiter werden zu diesem Thema regelmässig geschult», sagt Spitalleiter Stefan Metzker. Neben regelmässigen Schulungen gibt es in allen Spitälern Pflegeexperten, die über die Spitalhygiene und die Einhaltung der Standards wachen und diese neuen Vorgaben anpassen.

Alle Berufsgruppen involviert

«Die Pflegeexperten arbeiten im Team mit und beobachten und fördern gezielt ihre Kollegen», sagt Adolf Steinbach vom Paracelsus-Spital. Wichtig sei es, die Hygienestandards über alle relevanten Berufsgruppen hinweg umzusetzen – also von den Ärzten, über Pfleger bis hin zum Reinigungspersonal, heisst es vonseiten des Spitals Zollikerberg. Um Infektionen bei Operationen zu vermeiden, wird in allen Spitälern zudem prophylaktisch Antibiotika eingesetzt.

Das grösste Verbesserungspotenzial sieht das Bundesamt für Gesundheit bei Infektionen durch Venen- oder Blasenkatheter. Letztere würden oft routinemässig und nicht aus medizinischer Notwendigkeit gelegt. Die Stiftung Pati­entensicherheit führt derzeit zusammen mit Swissnoso das Pilotprogramm «progress!» durch, welches den Spitälern ermög­lichen soll, die Zahl der gelegten Blasenkatheter zu senken.

Die Spitäler der Region sind sich der Problematik bewusst. «Wir weisen unser Personal an, so wenige Katheter wie möglich und nur so viele wie nötig einzusetzen», sagt Manuel Zimmermann vom See-Spital. Ähnliches gilt im Spital Linth: «Bei uns werden keine­ Venen- oder Blasenkatheter ohne medizinische Indikation verabreicht», sagt Pierre Krayenbühl, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Auch die restlichen Spitäler sind sich der Gefahren bewusst: «Man weiss, dass jeder Tag weniger, an dem ein Katheter liegt, das Infektionsrisiko senkt», sagt Stefan Metzker, Spitalleiter in Männedorf. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.05.2018, 09:58 Uhr

Infektionen

Die meisten Infektionen verzeichnen Spitäler bei Darmoperationen

Herrmann S.* klagt seit längerem über Bauchschmerzen. Er wird in einem der Spitäler in der Zürichseeregion operiert. Der Routineeingriff wird für den älteren Patienten zum Desaster. Weil eine Naht nicht dicht ist, entzündet sich der Bauchraum. Es folgen eine erneute OP, die Verlegung auf die Intensivstation und zu guter Letzt eine Spitalinfektion.

Was S. passiert ist, ist längst kein Einzelfall. In den Schweizer Spitälern erleiden 5,9 Prozent der Patienten während ihres Aufenthalts eine Infektion. Das geht aus einer Studie hervor, die von der Expertengruppe Swissnoso im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) durchgeführt wurde. Damit liegt die Schweiz im europäischen Durchschnitt. Zur Teilnahme eingeladen wurden alle 187 Schweizer Akutspitäler, mitgemacht haben 96. Die fünf Spitäler aus der Zürichseeregion waren nicht dabei. Die Überwachung, Prävention und Bekämpfung von Spitalinfektionen ist aber auch bei ihnen ein Thema.

Die Zahl postoperativer Wundinfektionen wird vom Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) überwacht. Ein Blick in die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2016 zeigt: Die Spitäler am Zürichsee stehen gut da. Im Spital Männedorf wurden neun Infektionen erfasst (bei 277 Eingriffen), in Zollikerberg waren es acht (249), im See-Spital in Horgen und Kilchberg sechs (925) und im Spital Linth eine (262). Zu keiner Infektion kam es bei den 123 erfassten Operationen im Paracelsus-Spital. Die meisten der Infektionen – nämlich 14 – betrafen Darmoperationen.

Die Hälfte wäre vermeidbar

Regula Heller, Leiterin des Bereichs Akutsomatik bei ANQ, mahnt zur Vorsicht beim Vergleich der Spitäler: «Eine Rolle spielt, wie risikoreich die untersuchten Operationen sind, in welcher Verfassung sich die Patienten befinden und nicht zuletzt wie die Daten von den Spitälern erhoben werden.» So sind etwa ältere, chronisch kranke Patienten anfälliger für Infektionen. Höher ist das Risiko auch bei Eingriffen an einem Körperteil mit vielen Bakterien – etwa bei Darmoperationen. Ist die Fallzahl gering, nimmt die Aussagekraft der Daten ab.

Das gilt auch für den Vergleich auf nationaler Ebene. Leicht überdurchschnittliche adjustierte Infektionsraten von den Spitälern der Region verzeichnen nur jene in Horgen (2,5 Prozent) und Männedorf (2,8 Prozent) bei Gallenblasenentfernungen. In Horgen kam es in zwei von 103 Fällen zu einer Infektion, in Männedorf waren zwei von 108 Patienten betroffen. Die beiden Spitäler betonen, dass die Infektionsrate in der aktuellen Messperiode tiefer sei.

Je nach Typ könnten 35 bis 55 Prozent der Spitalinfektionen vermieden werden, schreibt das BAG in seiner Medienmitteilung. Das grösste Verbesserungspotenzial sieht das Amt bei Infektionen durch Venen- oder Blasenkatheter. Bei der Prävention setzen die Spitäler auf verschiedene Massnahmen.

Linda Koponen
* Name geändert

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.