Uetikon

Das See-Gymi passt gut ins Konzept des Seestadt-Architekten

Hannes Strebel sieht seine «Vision 2050» mit einer ­Seestadt in Uetikon bestärkt. Der Kauf des Areals der Chemie ­Uetikon durch den Kanton mache für den Architekten den Weg ­frei für ein zukunftsweisendes Zentrum am rechten Ufer.

«Das Areal mit dem grössten Entwicklungspotenzial in der Schweiz»: So bezeichnet ein Architekt das 65?000 Quadratmeter grosse Gebiet, auf dem die Chemie Uetikon steht.

«Das Areal mit dem grössten Entwicklungspotenzial in der Schweiz»: So bezeichnet ein Architekt das 65?000 Quadratmeter grosse Gebiet, auf dem die Chemie Uetikon steht. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Vision hat einen Schritt Richtung Realität gemacht. Denn seit der Kanton Zürich am Dienstag den Kauf des Chemieareals in Ueti­kon bekannt gegeben hat, dürfen Wünsche zur Nutzung des 65 000 Quadratmeter grossen Gebiets mit rund 600 Metern Seeanstoss laut ausgesprochen werden.

Der Bau des Gymnasiums öffnet Ueti­kon den Durchgang zum See, zumal Ueti­kon dem Kanton die westliche Hälfte des Areals für 26 Millionen Franken abkaufen kann. Noch in diesem Herbst soll der Handel an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung besiegelt werden.

Drei Dörfer vereinen

Für Hannes Strebel sind das elektrisierende Nachrichten. Seit 35 Jahren, fast sein halbes Leben lang, beschäftigt sich der in Ueti­kon aufgewachsene Architekt mit der alten Chemieliegenschaft am See. Bereits 1981 fertigte er Skizzen zur Umnutzung an. Er ­ahnte damals schon, dass irgendwann eine Industrieanlage solchen Aus­mas­ses am rechten Zürich­see­ufer nicht mehr zeitgemäss sein würde.

Strebel zeichnete und visionierte. Immer ging es um eine öffent­liche Nutzung des riesigen Areals. 2013 präsentierte er die Konklusion aller seiner Ideen. Er nannte sie «Vision 2050» und prägte dar­in den Begriff Seestadt. Dieser steht für den Zusammenschluss von Mei­len, Ueti­kon und Männe­dorf. Die Seestadt ver­eint Verwaltung, Kultur, Freizeit, Hotel­lerie und Gewerbe der drei Ge­meinden. Den Bahnhof Ueti­kon verlegt Strebel 200 Meter west­wärts in das neue Zen­trum. Die See­strasse will er vom Durchgangsverkehr befreien. Auf dem Hang über dem Chemie­areal könnte das neue Stadt­zen­trum mit verdichteten Wohnbauten in Bahnhofnähe entstehen.

Uetikon ist zu klein für Gymi

Von einem Gymnasium sprach der 73-Jäh­rige damals noch nicht. Aber jetzt, wo der Kanton dort eine Mittelschule bauen wird, sieht Strebel sich bestätigt: «Ein Gymnasium würde perfekt zur See­stadt passen.» Der Architekt mahnt zugleich, die Kantonsschule nicht zum alleinigen Zweck der Arealnutzung zu machen und dabei das grosse Ganze aus dem Auge zu verlieren. Der Kanton müsse eine lang­fris­tige Perspektive verfolgen, es gehe um die nächsten 50 bis 100 Jahre. «Dazu braucht es eine ­Vision.»

Strebel glaubt, dass sich das Gymnasium auf die Entwicklung von Ueti­kon und der Region auswirken werde. «Ueti­kon alleine ist zu klein für diese Zen­trums­funk­tion, dar­um muss es mit ­ den beiden Nachbargemeinden zusammenwachsen.» Erst dann werde das «Riesenpotenzial» ­dieses Areals ausgeschöpft.

«Grosses kann entstehen»

Dass er mit urbanen Visionen ­ die Bevölkerung eher abschrecken als für neue Ideen gewinnen würde, lässt Hannes Strebel nur zum Teil gelten. «Ja, wahrscheinlich wollen die Leute eher das Dörf­liche bewahren, als den Tatsachen offen ins Auge zu schauen.» Die Region sei längst zur Stadt gewachsen, das könne ­nicht rückgängig gemacht werden. «Was wir beeinflussen können, ist, ob diese Stadt anarchisch ­ oder geordnet wächst.»

Er ist optimistisch. Wenn die Bevölkerung laufend informiert und in den Gestaltungs­pro­zess mit einbezogen werde, «kann Gros­ses entstehen». Strebel will sich an der Ideenbörse und später an einem Architekturwettbewerb beteiligen. Natürlich würde er dar­in die Eckpfeiler seiner «Vision 2050» und der Seestadt einfliessen lassen: mit Uferprome­nade, Café, öffentlichen Plätzen als Treffpunkt, zum Verweilen und Spielen, mit verlegtem Bahnhof und Wohn­bauten am Hang.

Nicht nur das Nötigste

Zu viel des Guten? Vielleicht – ­ aber Hannes Strebel ist Spezia­list für Revitalisierungen von alten Fabrik­arealen, wie er es in Tramelan, Hittnau und Wald bewiesen hat. Dort baute er aus einer ehemaligen Uhrenfabrik, einer Baumwollspinnerei und einer Weberei Lofts und Gewerbeateliers.

Dass er in Ueti­kon mit der ­ ganz grossen Kelle anrichten ­würde, dürfe ihm als «Herzblut-Ueti­ker» nicht verübelt werden. «Seit 35 Jahren befasse ich mich mit diesem Areal, und es hat ­ das grösste Entwicklungspotenzial in der ganzen Schweiz. Es ­wäre schade, wenn daraus nur ­ das Nötigste gemacht würde.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.03.2016, 21:16 Uhr

Artikel zum Thema

Gymnasium wird in Uetikon gebaut

Uetikon Das von der Zürcher Bildungsdirektion vor drei Jahren angekündigte zweite Gymnasium an der Goldküste wird in Uetikon auf dem Areal der Chemie gebaut. Mehr...

Ein Gymnasium, das einem ganzen Dorf den Weg zum See ebnet

Uetikon Vom Industrie- zum Mittelschulstandort: Für die Gemeinde Uetikon bricht ein neues Kapitel an. Die Bevölkerung soll beim Gestalten des begehrten Areals am See mitreden können. Mehr...

Eine historische Chance

Kommentar Kommentar Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.