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Manche Obstbäume sind voll mit Früchten, andere fast leer

Die Bezirke Meilen und Horgen sind ein Sonderfall, was Frostschäden anbelangt. Nirgendwo sonst im Kanton sind die Ertragsausfälle bei Obstproduzenten so gering. Zudem sind die Unterschiede je nach den angebauten Früchten und der Seenähe der Betriebe gross.

Je nach Sorte sind auch Kirschbäume ansehnlich mit Früchten bestückt – wie hier bei Hans Nef in Oetwil, der unterschiedlich von Frostschäden betroffen ist.
Je nach Sorte sind auch Kirschbäume ansehnlich mit Früchten bestückt – wie hier bei Hans Nef in Oetwil, der unterschiedlich von Frostschäden betroffen ist.
Michael Trost

Nach der heftigen Frostperiode im April gab es in den Medien jede Menge Alarmmeldungen: Von den grössten Frostschäden in Reben und Obst- oder Gemüsekulturen seit Jahrzehnten war die Rede – und von drohenden Ernteausfällen, die existenzbedrohend sein könnten. Mittlerweile ist klar: Die Schäden sind zwar da, aber je nach Standort der Betriebe und ihrem Angebot sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Das gilt besonders für die Seebezirke Horgen und Meilen, wie folgende Beispiele zeigen: Bei Hans Nef, der mit seiner Familie in Oetwil neben Ackerbau und Viehzucht auch Obstbau betreibt, sind die Frostschäden relativ gross. «Am schlimmsten sind sie bei den Äpfeln, bei denen die Erträge je nach Sorte viel geringer sind als in normalen Jahren oder gar völlig wegfallen», sagt Nef. Etwas besser siehts bei den Kirschen aus, die Nef erntet: Hier beträgt die Ausfallquote etwa 60 Prozent, während die Zwetschgenernte gut ausfallen dürfte.

Ein wesentlicher Grund für die spürbaren Frostschäden ist für Nef die Lage des Betriebs in Oetwil. Dieser sei viel stärker dem Frost und der Bise ausgesetzt gewesen als etwa Betriebe auf der Seeseite des Pfannenstiels. Wie hoch die Umsatzeinbussen sein werden, kann der Landwirt heute noch nicht genau sagen. Einen Grund zum Jammern sieht er aber nicht, weil er andere Standbeine als den Obstbau hat und ein Landwirt mit solchen Naturphänomenen leben müsse.

Nähe zum See entscheidend

Ganz anders sieht die Situation bei den Obstproduzenten Brändli in Au (Wädenswil) aus: Sie stellen beim Stein- und Kernobst überhaupt keine Schäden fest und rechnen mit sehr guten Erträgen. «Dank der Nähe zum Wärmespeicher See war das Klima in den Frostnächten bei uns etwas milder als in andern Regionen. Die Blütezeit war zudem schon wieder vorbei. Wir hatten aber auch Glück», sagt Gerlinde Brändli. Kirschen, Äpfel oder Mirabellen hätten sie genug, im Gegensatz zu Trauben, die wie vielerorts am See dem Frost zum Opfer gefallen seien.

Die Meinungen von Nef und Brändli sind exemplarisch für zwei Feststellungen, die andere Obstbauern in der Region bestätigen: Je nach Sorte, geografischer Lage und Mikroklima variieren die Frostschäden stark – oder sind gar ganz ausgeblieben. Zentral ist dabei die Nähe zum See: Denn je näher ein Betrieb am See liegt, desto kleiner sind tendenziell die Schäden und die absehbaren Ernteausfälle.

Das sehen auch der Obst- und Gemüseanbieter Dieter Grimm in Küsnacht und die Landwirte Jürg Rellstab in Wädenswil oder Stephan Vetsch vom Stockengut in Kilchberg so. Derweil Grimm bei Kirschen und Zwetschgen gute Erträge erwartet, hat er in den Apfelkulturen teils grosse Schäden registriert. Diese seien auch auf die Lage weit weg vom See und nahe bei einer Siedlung zurückzuführen: «Die Apfelbäume waren während des Frosts in einem eigentlichen Kaltluftsee», sagt er.

Stephan Vetsch führt die vergleichsweise geringen Frostschäden bei den Kirschen und Äpfeln auf seinem Hof ebenfalls auf das milde Mikroklima in Seenähe zurück. Jürg Rellstab meint, dass die Landwirte in der Zürichseeregion klimatisch generell «privilegiert» seien, wobei es zu differenzieren gelte: «Oberhalb der Autobahn sind jetzt viele Kirschbäume praktisch leer – und unterhalb fast voll.

Dank Glück und Arbeit

Er stellt vor allem bei den Erdbeeren grössere Schäden fest, die aber nicht nur auf den Kälteeinbruch im April, sondern auch auf die späte Schneedecke zurückzuführen seien. Ansonsten seien die relativ geringen Schäden vor allem dem grossen Einsatz zu verdanken, die sein Betrieb beim Abdecken und Heizen mit Frostkerzen geleistet habe. Auch Martin Dändliker, der in Hombrechtikon unter anderem Obst und Beeren produziert, kann relativ kleine Ernteausfälle vermelden. Für ihn spielen neben der Seenähe auch Faktoren wie die jeweilige Blütezeit, die Robustheit der Pflanzen, die Nähe zu Siedlungen oder die Bodennähe der Früchte eine grosse Rolle. So sind bei ihm bei den Kirschen vorab Niederstammkulturen von Schäden betroffen, während die Hochstammbäume normale Erträge abwerfen.

Kaum Folgen für die Preise

Bei den Äpfeln haben Gala oder Gravensteiner kaum gelitten, während die Ernte von Boskop oder Topaz um einen Drittel kleiner als üblich ausfallen dürfte. «Wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen», bilanziert Dändliker mit dem Verweis auf Betriebe in andern Regionen, die viel höhere Verluste aufweisen würden.

Dändliker meint zudem, dass sich Ausfälle kaum auf die Preise für die einheimischen Produzenten auswirken würden. Grund: Kunden und Detailhändler würden einfach auf Importe ausweichen, wenn der lokale Markt nicht genug liefern könne.

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