Meilen

La Scaletta lässt «Die Vögel« fliegen

An der Premiere am Freitagabend zeigte La Scaletta, die junge Bühne des Atelier Theaters Meilen, dass das Stück «Die Vögel» aus dem Jahr 414 vor Christus hochaktuell sein kann.

Im Glauben an eine bessere Welt gründet die Vogelschar eine eigene Stadt zwischen Erde und Olymp.

Im Glauben an eine bessere Welt gründet die Vogelschar eine eigene Stadt zwischen Erde und Olymp. Bild: Moritz Hager

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Morphsuits - so nennen sich die Ganzkörperanzüge, in denen sich die 21 Jungschauspielerinnen und -Schauspieler des Ensembles La Scaletta auf sehr überzeugende Weise zu Vögeln verwandelt haben. Prachtvolle Masken zieren die Köpfe. Auch die Bewegungen erinnern an das, was sie heute Abend sind: Vögel verschiedenster Art.

Aber der Reihe nach. Noch ist die Vogelschar nicht in der Vollversammlung. Der Kolibri (Liv Frey) sinniert vorerst alleine auf der Bühne, dass es Irrsinn wäre zu glauben, in der Ursprungszeit des Stückes sei noch viel der Schönheit der Welt übrig. Der Ursprung der Komödie «Die Vögel», er liegt im Jahr 414 vor Christus, mitten im 30 jährigen Peleponnesischen Bürgerkrieg.

Augenzwinkernde Kritik

Regisseurin Annegret Trachsel hat sich mit der Inszenierung des griechischen Komödianten-Dichters Aristophanes an ein Werk mit ordentlich Geschichte gewagt. Der Inhalt dürfte wohl als Kritik an der Politik Athens verstanden werden.

Eine Aussteiger-Komödie, die sich die Sehnsucht nach einer besseren Welt und die Suche nach Freiheit auf die Fahne schreibt. Mit einem Augenzwinkern übersetzt Trachsel die Kritik in die heutige Zeit.

Der Ursprung der Komödie «Die Vögel» liegt im Jahr 414 vor Christus, mitten im 30 jährigen Peleponnesischen Bürgerkrieg.

Eine Horde Jugendlicher stürmt in die Zuschauerränge und weist das Publikum scharf zurecht. Sie sind nicht zufrieden, wie es um die Welt steht: Klimawandel, Elektrosmog; eine tödliche Spur, die der Mensch hinterlässt. An vorderster Front beklagen sich Pisthetairos (Andrin Häni) und Euelpides (Finn Denzler), kurz Pisti und Euli, über den Zustand Athens. Die Luft wird zu dick für die zwei, sie verlassen ihre Stadt und suchen den Marabu (Annina Loepfe), von dem sie sich Unterstützung erhoffen.

Utopie trifft Wirklichkeit

Einmal gefunden, lässt sich dieser schnell vom Traum der Herrschaft der Vögel überzeugen. Schnell wird eine farben- und stimmungsvolle Vollversammlung einberufen. Die zwei Aussteiger mausern sich in der Folge ebenfalls zu prunkvollen Vögeln und dem Urheber der Herrschaftsgelüste, Pisthetairos, gebührt die Ehre, als König zu regieren.

Eine Stadt wird gebaut, «in der Wohlstand herrscht, aber keiner schuftet». Geschickt wird «Wolkenkuckucksheim» zwischen der Erde und dem Olymp errichtet. Pisti schlägt so zwei Fliegen auf einen Streich: Den Menschen fehlt es an Regen, den Göttern an Opferrauch, den sie als Nahrung brauchen.

Die Vögel merken schnell, dass sie zwei Schurken vertraut haben. 

Zwar sind die Menschen begeistert - singende Groupies möchten gar von der Erde in den Vogelstaat auswandern - die Vögel jedoch merken schnell, dass sie zwei Schurken vertraut haben. Euli lässt alle von seinen Gehilfen zerfetzen, die sich davonstehlen wollen: Eine Diktatur ist angebrochen.

Aristophanes liess die Götter 414 vor Christus zugunsten eines Happy Ends mit dem Diktatoren verhandeln und gab ihm die Göttin Basilea zur Braut. Das Ensemble La Scaletta lässt die zwei Schwerenöter schlechter wegkommen: Die Vögel setzen sich mit ihren spitzen Schnäbeln durch.

Hohes Niveau

Nach einem fulminanten Auftakt hat Annegret Trachsel mit ihrer Interpretation während des ganzen Stückes ein hohes Tempo beibehalten. Sie hat es geschafft, ein gesellschaftskritisches Werk an die Lebenswelt junger Menschen anzupassen und dabei den Unterhaltungswert mit viel Humor hochzuhalten.

Die Athener Festspiele, die Dionysen, wurden übrigens dem Gott Dionysos gewidmet. Er war der Gott des Weins, der Fruchtbarkeit und der Freude.

Letzteres hätte er an dieser geglückten Aufführung der jungen Bühne La Scaletta sicher gehabt.

Weiter Aufführungen: Mittwoch, 15. Mai, und Freitag, 17. Mai, jeweils 19.30 Uhr. Samstag, 18. Mai, 18 Uhr und Sonntag, 19.Mai, 17 Uhr. Weitere Infos und Reservation unter www.ateliertheater-meilen.ch.

Erstellt: 12.05.2019, 16:28 Uhr

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