Flughafen

Klimadebatte bremst die Fluglust nicht

Nach einem Taucher im Frühling ist die Zahl der Lokalpassagiere am Flughafen Zürich im Juni wieder kräftig gestiegen. Auch die Prognosen für die Ferienzeit zeugen nicht gerade von weit verbreiteter «Flugscham».

Sommerzeit, Ferienzeit: Auch dieses Jahr erwartet der Flughafen an Spitzentagen wieder über 100000 Passagiere. Foto: Madeleine Schoder

Sommerzeit, Ferienzeit: Auch dieses Jahr erwartet der Flughafen an Spitzentagen wieder über 100000 Passagiere. Foto: Madeleine Schoder

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Ist den Zürcherinnen und Zürchern aufgrund der Debatten um den Klimaschutz plötzlich das Fliegen verleidet? Diese Frage stellte sich, als der Flughafen Zürich dieses Jahr nach einer Stagnation im März für die Monate April (–0,6 Prozent) und Mai (–1,5 Prozent) eine rückläufige Zahl von Lokalpassagieren im Vergleich zum Vorjahr vermelden musste. Das Passagieraufkommen insgesamt, also inklusive derjenigen Personen, die den Flughafen nur zum Umsteigen nutzten, ist indes weiter deutlich gewachsen. Auch an den umliegenden Flughäfen war – mit Ausnahme von Genf – keine Kehrtwende bei den seit Jahren steigenden Passagierzahlen zu verzeichnen (siehe Kasten).

In den Medien wurde der kleine Knick in den Zürcher Passagierzahlen rasch mit der grossen Aufmerksamkeit für den Klimaschutz in Verbindung gebracht. Seit die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg mit ihren Auftritten an der UN-Klimakonferenz und am WEF in Davos zu einer Ikone der Klimaschützer wurde, ist das Thema nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwunden. Fast jeden Freitag fordern irgendwo in der Schweiz Klimaschützer rasche und strenge Massnahmen zur Eindämmung des CO2-Ausstosses.

«Greta statt Kreta» lautete der Titel eines Artikels in Zeitungen der Mediengruppe CH Media. Von aufkeimender «Flugscham», die man in Gretas Heimat Schweden schon länger kennt, war die Rede und von massenhaft aufmüpfigen, klimastreikenden Teenagern, die ihren Eltern die Gefolgschaft in den Ferienflieger verweigern wollen.

Die Fliegerei mit ihrem unbestritten hohen CO2-Ausstoss wird als Klimakiller Nummer 1 gebrandmarkt. Eine kräftige CO2-Abgabe auf Flugtickets soll Abhilfe schaffen (oder zumindest die nicht allzu zahlungskräftigen Flugwilligen künftig von der Kabine fernhalten).

Flughafen hat langsameres Wachstum erwartet

Die Verantwortlichen des Flughafens Zürich hingegen sprachen vorsichtig von einer «Konsolidierung» der Zahlen nach einer intensiven Wachstumsphase. Im Jahr 2018 wurden erstmals mehr als 31 Millionen Passagiere verzeichnet. Dazu beigetragen hat auch ein Wachstum von über 5 Prozent bei den Lokalpassagieren.

Zudem dürfte das Minus im Mai auch damit zusammenhängen, dass das Pfingstwochenende dieses Jahr im Gegensatz zu 2018 in den Juni fiel.

Gestern Abend nun wurden die Zahlen für den Juni veröffentlicht. Und tatsächlich: Die Einwohner im Einzugsgebiet des Flughafens haben die Lust am Fliegen offenbar doch nicht verloren. Angesichts eines Plus von 4,3 Prozent zum Auftakt der Feriensaison dürften sich die Diskussionen um eine Trendwende vorerst erledigt haben. Die viel diskutierte neue Zurückhaltung beim Fliegen ist wahrscheinlich doch kein Massenphänomen. Zumindest noch nicht. Endgültig beantworten lassen wird sich die Frage aber wohl erst, wenn die Zahlen der Sommer- und Herbstferiensaison vorliegen. «Ich sehe derzeit keinen Zusammenhang zwischen den Passagierzahlen und der Klimadebatte», sagt Sonja Zöchling, Mediensprecherin des Flughafens, auf Anfrage.

Die 4,6 Prozent Wachstum bei den Lokalpassagieren im Juni seien jedenfalls ein Wert, den man in der Vergangenheit oft gesehen habe. «Wir haben bei der Präsentation des Jahresabschlusses 2018 im März aber auch gesagt, dass sich das Wachstum etwas verlangsamen wird.» Konkret erwartet der Flughafen für 2019 eine Zunahme von 3 Prozent, nach 5,8 Prozent im Vorjahr. Der Grund dafür sei unter anderem das Wirtschaftswachstum, das nicht mehr gleich stark sei.

Spitzentage werdenEnde Juli erwartet

Die Passagierzahlen des ersten Sommerferienwochenendes sowie die Prognosen für die kommenden Wochen legen jedenfalls den Schluss nahe, dass den meisten Leuten im Zweifelsfall Kreta dann halt doch lieber ist als Greta: 2018 war der verkehrsreichste Tag im Sommer der Sonntag, 29. Juli, mit 115000 Passagieren. Die Prognose für dieses Jahr lautet 120000 Passagiere.

In diesen Zahlen enthalten sind alle abfliegenden, ankommenden und umsteigenden Passagiere.

Erstellt: 10.07.2019, 20:23 Uhr

Teils kräftiges Wachstum bei umliegenden Flughäfen

Die schwache Entwicklung der Anzahl Lokalpassagiere, die der Flughafen Zürich für die Monate April und Mai ausgewiesen hat, steht im Gegensatz zu den Passagierzahlen der meisten umliegenden Flughäfen. Einzig der Flug­hafen Genf vermeldete für die beiden Monate ebenfalls negative Zahlen. Dort wurde im April ein Minus von 0,5 Prozent und im Mai eines von 0,7 Prozent verzeichnet, jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Kräftig gewachsen ist hingegen der Euro-Airport Basel mit 11 beziehungsweise 9,7 Prozent. Auchdie beiden grössten Flughäfen im Süden Deutschlands, München und Stuttgart, verzeichneten im April und Mai deutlich steigende Passagierzahlen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. (ple)

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