Kilchberg

Kilchberger nutzen Möglichkeit für Einwendungen zum Zentrum

23 Einwendungen sind gegen den privaten Gestaltungsplan Bahnhofstrasse in Kilchberg eingegangen. Diese stellen insbesondere das Gebäudevolumen des geplanten Coop und die Anzahl Parkplätze infrage.

Die Bevölkerung wünscht sich beim Bahnhof Kilchberg eine Begegnungszone. Der private Gestaltungsplan kommt diesem Wunsch zu wenig nach.

Die Bevölkerung wünscht sich beim Bahnhof Kilchberg eine Begegnungszone. Der private Gestaltungsplan kommt diesem Wunsch zu wenig nach. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Kilchberger interessieren sich dafür, wie sich ihr Zentrum beim Bahnhof entwickelt. Und wollen ihre Ideen einbringen, wie das Gebiet seeseits des Bahnhofs Kilchberg dereinst aussehen könnte. 23 Einwendungen sind zum privaten Gestaltungsplan Bahnhofstrasse eingegangen, wie Kilchbergs Bauvorsteherin Judith Bellaiche (GLP) sagt.

Wie sie ausführt, beziehen sich die Einwendungen auf drei Schwerpunkte: das Parkierungskonzept, die Begegnungszone und die Hochbauten. «Dabei haben sich die Anzahl Einwendungen ziemlich genau auf diese drei Themen verteilt», sagt Judith Bellaiche. Fritz Ullmann, Leiter von Coop Immobilien im Raum Zürich, sagt, der Projektleiter von Coop sei daran, gemeinsam mit der Baukommission und dem Gemeinderat die Einwendungen zu prüfen. Mehr können und wollen zurzeit weder die Bauherrin Coop noch die zuständige Kilchberger Gemeinderätin sagen.

Bauvolumen halbieren

Einwendungen eingereicht haben vor allem Privatpersonen – Anwohner und politisch Aktive –, aber auch die Bank Thalwil. Der Fächer der Meinungen ist breit. Er reicht von der Idee, das Gebäude Bahnhofstrasse 12 solle wenn möglich erhalten werden, bis zu simplen Retuschen am Parkierungskonzept oder der Zufahrt.

Edith Häusler, Präsidentin der Grünen Kilchberg, hat als Privatperson eine Einwendung eingereicht. Sie nimmt vor allem das Bauvolumen und das Parkierungskonzept ins Visier. Sie sagt: «Der vorgesehene viereckige Klotz inmitten von Giebelhäusern ist störend.» Ihrer Ansicht nach plant Coop eine überdimensionierte Ladenfläche.

Die Bevölkerung brauche nicht einen riesigen Grossverteiler, sondern einen guten Mix an kleineren Läden. Und vor allem auch Aufenthaltsqualität. Hat doch der Souverän befunden, im Zentrum beim Bahnhof solle eine Begegnungszone entstehen. «Der Gestaltungsplan sieht aber einen Fussgängerbereich vor, der noch schmäler ist als heute», sagt Edith Häusler. Ihr schwebt vor, dass das Bauvolumen halbiert wird, dass möglichst gar keine Wohnungen entstehen und dass sämtliche Parkplätze in der Tiefgarage verschwinden.

Parkplätze nicht verdoppeln

Konzilianter gibt sich Urs Zollinger, Präsident der GLP Kilchberg. Auch er hat als Privatperson eine Einwendung eingereicht. Er erachtet das Projekt, auch mit dem aktuellen Volumen und mitsamt den Wohnungen, grundsätzlich als Chance für Kilchberg. «Einen Blankoscheck sollte die Gemeinde Coop aber nicht geben.» Optimierungsbedarf sieht Zollinger aber ebenfalls beim Parkierungskonzept. «Aktuell ist vorgesehen, die Parkplätze von 40 auf 76 zu verdoppeln. Damit wäre die Bahnhofstrasse praktisch ausschliesslich nach den Bedürfnissen des motorisierten Verkehrs ausgerichtet», sagt er.

Er schlägt vor, die seeseitig der neuen Bahnhofstrasse gelegenen 15 oberirdischen Parkplätze in die Tiefgarage zu verlegen. Sodass dort unten 18 anstatt der im Gestaltungsplan vorgesehenen drei öffentlichen Parkplätze entstehen. «So hätten wir immer noch mehr Parkplätze, 61 statt heute 40, aber es entstünde auch ein wenig Raum für einige Bänke und einen Brunnen», sagt Zollinger.

Eine Variante, dieses Ziel zu erreichen, wäre für Zollinger, Coop im Rahmen des Gestaltungsplans von der Pflicht zu befreien, in der Tiefgarage Parkplätze für die Wohnungen zu erstellen. «In der Stadt Zürich gibt es mit der Kalkbreite ein gutes Beispiel von autofreiem Wohnen», sagt Zollinger, «die Kalkbreite weicht ebenfalls von der Bau- und Zonenordnung ab.» Auch die Bank Thalwil hat eine Einwendung eingereicht. Diese nimmt vor allem die Zufahrt zur Begegnungszone in den Fokus. Reto Casutt, Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Thalwil, befürchtet, dass die Zufahrt zu einem Nadelöhr werden könnte. «Wir regen an, die Tempo-30-Zone mit den verkehrsberuhigenden Massnahmen aufzuheben», sagt Casutt. Er findet eine wenige Meter kurze 30er-Zone vor der 20er-Zone wenig sinnvoll. «Das ergibt einen unnötig dichten Schilderwald.»

Noch halten die Einwender still. Sie warten ­– und hoffen, dass der Gemeinderat und Coop auf ihre Anliegen eingehen werden. Doch ganz traut Edith Häusler der Sache nicht. «Schliesslich haben die Parteipräsidenten das Gespräch mit dem Gemeinderat gesucht», sagt sie. Ein solches habe aber der Gemeinderat verweigert.

IG gegründet

Um ihren Anliegen allenfalls rasch Nachdruck verleihen zu können, hat Edith Häusler bereits die Interessengemeinschaft (IG) Bahnhofstrasse mitgegründet. Diese ist zurzeit erst auf der Internetplattform Facebook aktiv und zählt gut 30 Mitglieder. «Doch sollte der Gemeinderat versuchen, das Geschäft durchzupeitschen, ohne auf unsere Anliegen einzugehen, formieren wir uns.» Sie weiss, dass man in Kilchberg mit einer IG viel erreichen kann. War sie doch Präsidentin der IG Stockengut, welche einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Neuausrichtung des gemeindeeigenen Gutsbetrieb auf Stocken geleistet und die gemeinderätliche Politik in dieser Frage auf den Kopf gestellt hat.

Sicher ist: Viel Zeit für bereinigende Diskussionen bleibt nicht. Denn der Zeitplan ist straff: Der Gemeinderat möchte den Gestaltungsplan der Gemeindeversammlung vom 18. September vorlegen. Dafür müsste das Geschäft noch vor den Sommerferien die Baukommission passieren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.05.2018, 18:55 Uhr

Die Eckdaten

Der Gestaltungsplan Bahnhofstrasse ist privat. Coop hat ihn erarbeitet, unter Miteinbezug des Gemeinderats und der Baukommission. Er sieht dreierlei vor: Anstelle des heutigen Gebäudes Bahnhofstrasse 12 soll ein Kubus mit drei Vollgeschossen, einem Attikageschoss und einem Untergeschoss entstehen. Im UG und EG ist ein zweistöckiger Coop mit 1100 Quadratmetern Ladenfläche vorgesehen, in den Obergeschossen 14 Kleinwohnungen. Dieses Gebäude unterliegt einer Gestaltungsplanpflicht, weil die Baumasse und die Abstände über die Vorgaben der Bau- und Zonenordnung hinausgehen.
Zudem sieht Coop den Bau einer Tiefgarage vor. Die heute 40 oberirdischen Parkplätze ­blieben erhalten, unterirdisch kämen noch einmal 36 hinzu. Drittens umfasst der Gestaltungsplan auch die Sanierung der Bahnhofstrasse. Diese ist ein Projekt der Gemeinde. Der Gemeinderat möchte es jedoch gekoppelt an das Projekt von Coop umsetzen. (sis)

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