Kilchberg

Kilchberger bewältigt fürs Fernsehen 7000 Höhenmeter

Peter Straub aus Kilchberg will mutiger werden. Und wagt sich deshalb für die SRF-Dokserie «Abenteuer Alpen» auf eine der anspruchsvollsten Hochtouren durch die alpine Bergwelt.

Erlebnisse auf der Haute Route sind in Peter Straubs Kopf noch sehr lebendig.

Erlebnisse auf der Haute Route sind in Peter Straubs Kopf noch sehr lebendig. Bild: Manuela Matt

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80 Kilometer durch den Schnee, insgesamt 7000 Höhenmeter im steilen und unwegsamen Gelände. Und das auf 3000 Metern über Meer. Die Haute Route von Chamonix nach Zermatt ist eine der herausforderndsten Touren durch die alpine Bergwelt. Auch erfahrene Berggänger bringt diese Tour an ihre Grenzen. Doch Peter Straub aus Kilchberg wagt das Abenteuer. Für die Dokserie «Abenteuer Alpen» des Schweizer Fernsehens SRF stellte er sich im April dieses Jahres gemeinsam mit sechs anderen Personen – darunter auch die beiden ehemaligen Skirennfahrerinnen Dominique Gisin und Fränzi Aufdenblatten – den Herausforderungen der Haute Route.

Wenige Erfahrungen

«Ich hatte keine Ahnung, was genau mich erwartete», sagt Peter Straub. «Aber ich wollte unbedingt mutiger werden.» Er habe sich ziemlich spontan für die Teilnahme an der Dokserie beworben, welche ab Donnerstag, 27. Dezember, im Fernsehen ausgestrahlt wird. Er habe zwar schon einige Bergtouren zurückgelegt, ein geübter Tourengänger sei er jedoch nicht. «Vor der Haute Route war ich noch nie mit Steigeisen oder Ski auf dem Rücken unterwegs», sagt der Heilpädagoge, der sich im Sommer dieses Jahres selbstständig gemacht hat. «Meine zwei erwachsenen Kinder hatten Angst, es könnte peinlich werden, weil ich nicht so erfahren bin. Doch ich bin mittlerweile alt genug, um auch über mich selbst lachen zu können», sagt der 56-Jährige.

Mehrere Wochen bereitete sich Straub auf die einwöchige Bergtour vor, intensivierte sein Training, unternahm mehrere kürzere Touren. «Weil ich Angst davor hatte, in der Höhe zu übernachten, ging ich für eine Nacht allein aufs Jungfraujoch.» Ausserdem schaute er sich die Route auf der Landkarte genau an, informierte sich über Youtube-Filme und Gespräche mit Freunden, welche die Haute Route gemeistert hatten.

Unterwegs mit Profisportlern

Trotz der Planung blieben Überraschungen nicht aus. Denn am ersten Tag der Tour traf Peter Straub am Bahnhof von Visp unter anderem auf Dominique Gisin und Fränzi Aufdenblatten. «Da ist mir das Herz schon in die Hose gerutscht. Zum ersten Mal fragte ich mich wirklich, ob ich das überhaupt kann.» Als dann sogleich die erste Abfahrt folgte und die Profiskifahrerinnen vorne weg seien, habe er schon eine Krise gehabt. «Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht der Einzige in der Gruppe bin, der auf den Ski nicht immer die beste Figur macht», sagt Straub. Und auch die Profisportlerinnen seien an ihre Grenzen gekommen. «Es war spannend, diese Leute zu treffen, mit denen ich ohne die Sendung wahrscheinlich nie in Kontakt gekommen wäre.»

Angeführt von einem Bergführer, tourt die sechsköpfige Gruppe durch die Hochalpen. Bild: SRF / Michael Portmann

Neben den anregenden Gesprächen hat auch die eindrückliche Natur Peter Straub nachhaltig geprägt. «An haushohen Eisblöcken vorbeizufahren und diese wunderschönen Aussichten geniessen zu können, macht demütig», sagt der Kilchberger. «Das entschädigt für die körperlichen und mentalen Strapazen.»

Gefahren der Bergwelt

Erst als er wieder zu Hause war, wurde Peter Straub sich bewusst, wie tückisch die Haute Route sein kann. Nur zwei Tage nachdem die Gruppe von Peter Straub die Strecke zur Cabane des Vignettes zurückgelegt hatte, mussten sieben Berggänger im Gebiet des Pigne d’Arolla ihr Leben lassen. Die insgesamt 14 Personen wurden von einem heftigen Sturm überrascht und mussten die Nacht draussen in der eisigen Kälte verbringen. Vier Tourengänger erfroren noch vor Ort, drei weitere starben in den Tagen nach der Rettung.

«Vor der Haute Route war ich noch nie mit Steigeisen oder Ski auf dem Rücken unterwegs.»Peter Straub, Kilchberg

«Das Bergdrama ist mir sehr eingefahren», sagt Peter Straub. «Ich weiss genau, wo das Unglück passiert ist. Es ist eine schwierige Stelle, wir waren mit Steigeisen und Seil unterwegs. Ich habe geschwitzt, trotz der Kälte. Schon bei uns hat sich das Wetter verändert, heftige Windböen kamen auf. Doch ich war so konzentriert in dem Moment, habe auch die Kameras und alles um mich herum vergessen, um die Stelle sicher passieren zu können.» Es sei unglaublich, wie wenig es brauche. Der gleiche Ort, die gleiche Woche, die gleiche Tageszeit. Und trotzdem sei jetzt alles ganz anders.

Auch Peter Straub setzten der Schnee, die Kälte und die teils schwierigen Passagen der Route zu. «Ich war mir nicht immer sicher, ob ich die Tour bis zum Ende durchziehen kann.» Er habe sehr oft die Hilfe der Bergführer in Anspruch genommen, zu denen er vollstes Vertrauen hatte. «Bei einem besonders steilen Abhang musste ich mir eingestehen, dass ich mir die Abfahrt wirklich nicht zutraue. Deshalb wurde ich abgeseilt, während etwa Dominique Gisin den Hang problemlos meisterte.» Es brauche Mut, sich schwach zu zeigen und nicht den Helden spielen zu wollen.

Etwas Neues wagen

Mut brauchte auch Peter Straubs Entscheid, sich nach 30 Jahren als Lehrer an der gleichen Oberstufenschule selbstständig zu machen. «In den Schulen muss ein Umdenken stattfinden. Die Zeiten, in denen der Lehrer der Chef ist, sind vorbei», sagt der Heilpädagoge. Stattdessen müsste die Kooperation von Schülern, Lehrern und Eltern gefördert werden, um die Karrieren der Jugendlichen voranzubringen. Ebendieses Umdenken will Straub mit seinem Coaching-Unternehmen herbeiführen.

«Das Abenteuer Haute Route hat mir Kraft gegeben, dieses Projekt anzupacken und auch dann nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig wird», sagt Straub. Überhaupt habe ihm die Teilnahme am Dokumentarfilm gezeigt, dass es nie zu spät sei, um mutig zu sein und etwas Neues zu probieren. So hat die Bergwelt ihn jetzt definitiv gepackt. «In der Morgendämmerung mit einer Stirnlampe einen verlassenen Gletscher herunterzufahren, ist einfach ein Wahnsinnsgefühl», sagt der Kilchberger. Er will auch in Zukunft vermehrt auf Touren gehen. Vielleicht sogar noch einmal mit der Gruppe von seinem SRF-Abenteuer.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.12.2018, 10:08 Uhr

«Abenteuer Alpen – Die Skitour ihres Lebens»

Ausstrahlung auf SRF 1:

Donnerstag, 27. Dezember, 20.05 (Folge 1), 20.55 (Folge 2)

Freitag, 28. Dezember, 21 Uhr (Folge 3)

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