Prozess

Kein Strafrabatt für Prügelorgie

Das Zürcher Obergericht hat ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich gegen einen Stricher bestätigt. Der Mann aus Rumänien hat den Geschäftsführer eines Schwulenclubs fast totgeprügelt und erhält dafür eine Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Auch das Zürcher Obergericht wertete die Tat als vorsätzliche versuchte Tötung.

Auch das Zürcher Obergericht wertete die Tat als vorsätzliche versuchte Tötung. Bild: Keystone

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«Ich war dumm und es tut mir leid», sagte der heute 26-Jährige in seinem Schlusswort an der gestrigen Verhandlung. Ihm sei klar, dass er für seine Tat zu bestrafen sei. Trotzdem forderte er gestern vor Obergericht eine mildere Strafe – vergeblich.

Der Vorfall, der den Geschäftsführer eines Schwulenclubs im Zürcher Niederdorf fast das Leben kostete, ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 14. Februars 2016. Die beiden Männer aus Rumänien, die sich ihren Lebensunterhalt in der Schweiz mit Prostitution verdienten, tranken zusammen mit einem Kunden reichlich Alkohol. Als es ans Bezahlen ging, versuchte der ältere der beiden Rumänen, die Rechnung mit der Kreditkarte seines – mittlerweile stark betrunkenen – Kunden zu begleichen. Das akzeptierte der Kellner jedoch nicht.

Die beiden Rumänen gingen auf den Kellner los, und traten auch noch auf ihn ein, als er bereits am Boden lag. Als der Geschäftsführer ihm zur Hilfe kam, und die Angreifer mit einem Pfefferspray zu vertreiben versuchte, geriert er selber ins Visier der Schläger. Auch er wurde zu Boden geschlagen und mit Tritten, gegen Oberkörper, Kopf und Gesicht eingedeckt. Danach machten sich die beiden Schläger davon – aber nicht ohne vorher noch rund 1600 Franken aus der Kasse des Clubs zu entwenden.

Das Opfer leidet bis heute schwer an den Folgen

Der Geschäftsführer ist bis heute gezeichnet von den Folgen des Angriffs. Er erlitt schwere Hirnverletzungen, war mehrere Tage lang bewusstlos und schwebte in Lebensgefahr. Er erschien gestern gemeinsam mit seinem damaligen Kellner zur Verhandlung. Bereits vor Bezirskgericht Zürich führte er aus, welche Folgen der Angriff hatte: Nichts sei mehr so wie vorher. Er ist arbeitsunfähig und verlor seine Bar. «Es geht mir nicht besser», sagte er gestern auf Nachfrage des Richters. Er könne nicht gut sehen und leide unter Schwindel.

Beide Täter reichten Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom vergangenen September ein. Vor Obergericht stand gestern jedoch nur der ältere der beiden. Der Jüngere hat sein Urteil zwischenzeitlich akzeptiert. Das Bezirksgericht verurteilte beide zu Freiheitsstrafen von neun Jahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung.

Gestern vor Gericht forderte der 26-Jährige stattdessen einen Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung und eine Freiheitsstrafe von lediglich sechs statt neun Jahren.

Täter soll möglichen Tod nicht in Kauf genommen haben

Seine Verteidigerin argumentierte mit dem fehlenden Eventualvorsatz für eine versuchte vorsätzliche Tötung, sprich, der Mann habe bei der Tat den möglichen Tod seines Opfers nicht in Kauf genommen. Als er realisiert habe, dass der Barbetreiber bewusstlos sei, habe er aufgehört. «Weil er befürchtete, ihn töten zu können, falls er weitermachen würde.»

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte erneut eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung – und eine Erhöhung der Freiheitsstrafe von neun auf zehneinhalb Jahre. Der Staatsanwaltschaft sei bei der Berechnung des Strafmasses in erster Instanz ein Fehler unterlaufen. Es sei eine sinnlose und brutale Gewaltaktion gewesen. «Das Opfer wurde von den beiden zum Krüppel geschlagen und getreten, um es etwas salopp auszudrücken.»

Das Obergericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich. Auch wenn kein direkter Tötungsvorsatz vorgelegen habe, habe der Angeklagte davon ausgehen müssen, dass für sein Opfer unmittelbare Lebensgefahr bestand. Deshalb wurde der Mann, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet, erneut der vorsätzlichen versuchten Tötung schuldig gesprochen. Auch am Strafmass gibt es keine Änderung. «Die neun Jahre erscheinen uns eher wohlwollend.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 07.11.2018, 18:23 Uhr

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