Wädenswil

Junges Physiktalent führt Schweizer Team zu Gold

Der 16-jährige Michael Klein hat mit fünf weiteren Jugendlichen am IYNT, einem internationalen Wettbewerb für junge Naturwissenschafts­talente, den ersten Platz erreicht.

Michael Klein (16) lässt einen Zweifränkler durch die Luft fliegen. Seine selbst gebaute Maschine präsentierte er im Halbfinal des IYNT.

Michael Klein (16) lässt einen Zweifränkler durch die Luft fliegen. Seine selbst gebaute Maschine präsentierte er im Halbfinal des IYNT. Bild: Patrick Gutenberg

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Wie erklärt man die verschiedenen Töne, welche je nach Wasserstand beim Hineinblasen in eine Flasche erzeugt werden? Oder ist ein Münzwurf tatsächlich so zufällig, dass er zu Recht vor Beginn eines Fussballspiels getätigt wird? Diese Fragen gehören zu zwei der 17 Probleme, mit denen sich der Wädenswiler Michael Klein in den vergangenen drei Mo­naten beschäftigt hat.

Sie wurden am sechsten International Young Naturalists’ Tournament (IYNT) in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, geprüft.Zu Hause und am Realgymnasium Rämibühl Zürich, wo Klein in die Schule geht, hat der 16-Jährige dafür zahlreiche Bücher gelesen­, Modelle entwickelt und eigene Versuchsanlagen gebaut, ein zeitintensives Vorhaben. «Manchmal sagte ich Treffen mit meinen Kollegen ab, da ich mit den Problemen beschäftigt war», gibt Klein zu. Denn er ist keiner, der etwas liegen lässt oder nur halbpatzig beendet, im Gegenteil: «Es macht mir Spass, mich mit bestimmten Themen lange und intensiv auseinanderzusetzen. Im regulären Schulunterricht ist so etwas nicht möglich.»

Physik statt Religion

Dabei wählt Klein stets einen kreativen Zugang. Eine statistische Auswertung am Computer reicht ihm nicht. Aus den Flaschentönen komponierte der Gymi­schüler ein eigenes Lied. Und für das Münzwurfproblem baute er eine eigene Maschine, welche die Münze jedes Mal mit der gleichen Kraft in die Höhe beför­derte. Damit erreichte er bei 97 Prozent der Versuche, dass die Münze auf der gleichen Seite landete, von wegen Zufall.

Diesen Trick präsentierte er Mitte Juli in den Halbfinals des IYNT in Tiflis. Michael Klein trat dabei als Captain des sechsköpfigen Schweizer Teams an, welches sich gegen 14 andere Mannschaften aus neun Ländern durchsetzte. Die Goldmedaille holte das Team mit grossem Abstand auf das zweitplatzierte Bulgarien. «Der IYNT ermöglicht mir das, was ich am meisten mag: lange und ausführlich über Physik zu debattieren», schwärmt Klein. Der Wettbewerbsgedanke spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

Nebst dem Wissen, welches an IYNT geprüft wird, spielen auch die rhetorischen Fähigkeiten eine grosse Rolle. Hier hatte der Wädens­wiler bereits einen kleinen Vorsprung: Offizielle Sprache am Turnier ist Englisch – kein Problem für den Gymischüler, welcher in den USA geboren ist. Mit neun Jahren zogen er und seine Familie in die Schweiz.

Noch in seinem Geburtsland entdeckte er die Faszination für Naturwissenschaften. «Sie entstand, weil ich religiöse Erklä­rungen dafür, wie die Welt funktioniert, ablehnte», sagt Klein ­be­stimmt­. Diese Meinung hatte er sich nach der Lektüre seiner Kin­der­bibel gebildet. «Dann stellte ich mir die Frage, wie man sonst die Welt beschreiben kann», sagt Klein. Seine Antwort darauf hatte er bald in den Naturwissenschaften gefunden. Phänomene aus dem Teilgebiet der Physik interes­sieren den 16-Jährigen am meisten.

In diesem Bereich, das ist für Klein bereits jetzt klar, will er später auch einmal arbeiten. Sein Traumberuf war schon immer Astronaut. «Studieren möchte ich einmal Astrophysik oder etwas im Ingenieurwesen», sagt der Schüler, welcher nach den Ferien in das fünfte Gymijahr kommt.

Nächster Wettbewerb wartet

Sein Können will der 16-Jäh­rige weiterhin international beweisen. «An der nächsten Aus­gabe des IYNT kann ich nicht mehr teilnehmen, da ich zu alt bin. Mein Ziel ist es aber, im kom­menden Sommer am IYPT dabei zu sein», sagt Klein. Der IYPT steht für International Young Physicists’ Tournament und ist der nächst schwierigere Wett­bewerb nach dem IYNT. Die Probleme sind anspruchsvoller, und der Fokus­ liegt mehr auf physi­kalischen Phänomenen. «Wie auf mich zugeschnitten», findet Klein. Im nächsten Frühjahr will er sich gegen etwa 70 Jugend­liche an der Schweizer Vorausscheidung durchsetzen.

Erstellt: 01.08.2018, 16:58 Uhr

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