Erlenbach

Ja zu Schifflände, Gnadenfrist für Erlibacherhof

Die Erlenbacher Gemeindeversammlung hat sich klar für die Aufwertung des Gebiets um die Schifflände ausgesprochen. Richtig emotional wurde es, als es um die Zukunft des Erlibacherhofs ging.

Seit 56 Jahren ist der Erlibacherhof ein Treffpunkt für die Bevölkerung – sowohl mit dem Restaurant als auch mit dem Dorfsaal.

Seit 56 Jahren ist der Erlibacherhof ein Treffpunkt für die Bevölkerung – sowohl mit dem Restaurant als auch mit dem Dorfsaal. Bild: Sabine Rock

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Zwei bedeutsame Orte im Dorf standen am Montagabend im Zentrum der Erlenbacher Gemeindeversammlung: das Gebiet um die Schifflände sowie der Erlibacherhof. Und um beide zeigten sich die Stimmberechtigten besorgt: Die Schifflände ist verwaist, der Erlibacherhof – mit seinem Dorfsaal eine wichtige Institution für die Vereine – baufällig.

Für beide Orte präsentierte der Gemeinderat den Stimmberechtigten deshalb Lösungsvorschläge. Für die Schifflände beantragte er der Gemeindeversammlung einen Kredit von rund 2,2 Millionen Franken. Diesen Betrag hat er für eine Reihe von Änderungen vorgesehen. Ein Belag aus Natursteinen soll das Gebiet optisch aufwerten. Die Autos direkt am See würden verschwinden, lediglich die Parkplätze am oberen Teil des Dorfbachs blieben bestehen.

Bistro ist noch kein Thema

Das Gebiet soll zudem von einer Tempo-30-Zone in eine Begegnungszone umgewandelt werden, wo Fahrzeuge höchstens mit 20 km/h unterwegs sein dürfen und Fussgänger Vortritt haben. Weiter sind zum See und zum Dorfbach hin Sitzstufen zum Verweilen geplant. Der Bach soll überdies renaturiert werden. «Es hat damit auch wieder Platz für Tiere», sagte Gemeindepräsident Sascha Patak (FDP). Er machte auch klar, worum es an diesem Abend nicht ging: «Das Bistro im Schiffswartehäuschen ist nicht Gegenstand der Abstimmung.»

Die Gemeinde liebäugelt nämlich schon lange mit einem kleinen Gastrobetrieb bei der Schifflände. «Es ist aber schwierig, im denkmalgeschützten Häuschen etwas Gutes zu realisieren», sagte der Gemeindepräsident. Der Gemeinderat wolle zuerst gemeinsam mit der Bevölkerung herausfinden, was denn die Bedürfnisse seien.

So soll das Gebiet um die Schifflände dereinst aussehen: Ein Platz mit Natursteinen sowie Sitzstufen zum Verweilen. Visualisierung: PD

Damit solle man nicht zu lange warten, monierte Toni Baggen­stos von den Grünen. Er regte ausserdem an, den Dorfbach auch im Bett weiter oben zu renaturieren. Eine weitere Votantin erkundigte sich, ob man nicht gleich alle Parkplätze aufheben könne. Patak machte aber klar, dass man einige Parkplätze beibehalten wolle, nur schon wegen des Gewerbes. «Wir reduzieren sie aber auf ein sinnvolles Mass.»

Die Erlenbacher bombardierten die Behörden mit zahlreichen weiteren Fragen, Bemerkungen und Anregungen, wie man den Platz freundlicher gestalten könnte. «Der Ort hat für mich eine erdrückende Leere», sagte jemand. Grundsätzliche Kritik am Projekt gab es aber nur vereinzelt. So nahmen schliesslich die 402 Stimmberechtigten die Vorlage mit klarer Mehrheit an.

Vereine atmen auf

Emotional wurde die Diskussion dann, als es um die Zukunft des Erlibacherhofs ging. Der Bau aus den 60er-Jahren ist in einem dermassen schlechten Zustand, dass Handeln angesagt ist. Der Gemeinderat legte der Versammlung deshalb zwei Varianten zur Abstimmung vor: die Sanierung für 2,6 Millionen Franken oder der komplette Abriss mit Aussicht auf einen Neubau in ferner Zukunft. Für die Vereine, die auf den Dorfsaal angewiesen sind, wäre letzteres ein Debakel gewesen.

Die Wortmeldungen dazu waren zahlreich, und die Diskussion zog sich in die Länge. Zu später Stunde stimmten die Anwesenden schliesslich klar für die Sanierung des Erlibacherhofs, damit er wenigstens für zehn weitere Jahre weiter betrieben werden kann. Er erhält somit eine Gnadenfrist. In der Zwischenzeit wird sich die Behörde aber erneut mit der Liegenschaft auseinandersetzen müssen.

Budgets genehmigt

Schnell erledigt waren die übrigen Geschäfte zu Beginn der Versammlung. Das Budget 2019 hiessen die Erlenbacher einstimmig gut. Es sieht ein Minus von 550 000 Franken vor. Der Steuerfuss beträgt wie bisher 79 Prozent. Auch der Voranschlag der Gemeinsamen Sekundarschule Erlenbach-Herrliberg für das nächste Jahr passierte die Abstimmung problemlos, ebenso die Bauabrechnung für das Alterszentrum Gehren.

Erstellt: 26.11.2018, 23:04 Uhr

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