Zumikon / Neuchâtel

«Ich will das Team mit meiner Leistung pushen»

Mit Michelle Wiki und Alexandra Frick stehen gleich zwei Zumikerinnen im Halbfinal der Unihockey-WM. Wiki spricht im Interview über die Chancen auf den WM-Titel.

Michelle Wiki im Gruppenspiel gegen Finnland. Beim 7:4-Sieg konnte sie je ein Tor und einen Assist beisteuern.

Michelle Wiki im Gruppenspiel gegen Finnland. Beim 7:4-Sieg konnte sie je ein Tor und einen Assist beisteuern. Bild: Fabrice Duc

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Nach einer makellosen Vorrunde und einem 10:4-Sieg im Viertelfinal gegen Lettland steht das Schweizer Unihockey-Nationalteam der Frauen an der Heim-WM im Halbfinal. Dort traf es am Freitagabend auf das Team aus Tschechien. Das Ziel ist der Final, wo entweder Seriensieger Schweden oder Finnland wartet (deren Halbfinal findet am Samstag um 14.30 Uhr statt).

Für die beiden Zumiker Nationalspielerinnen Michelle Wiki (30) und Alexandra Frick (29) wäre es das erste Endspiel an einer Weltmeisterschaft – und für die Schweiz die Chance auf den zweiten WM-Titel seit 2005.

Michelle Wiki, Ihr Team steht ohne Punktverlust im Halbfinal. Trotzdem betonen Spielerinnen und Staff, dass man sich noch steigern könnte. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisher Gezeigten?
Aus dem Spiel gegen Finnland können wir sehr viel Positives herausnehmen. In den anderen bisherigen Spielen sehen wir punkto Balltempo und Passgenauigkeit noch Verbesserungspotenzial. Da müssen wir uns dieses Wochenende sicherlich steigern.

Auch für den Halbfinal? Oder haben Sie da schon den Final im Blick?
Nein, wir wissen, dass auch der Halbfinal gegen Tschechien happig wird. Gegen diesen Gegner sind es immer körperbetonte und intensive Spiele. Die Tschechinnen werden uns weniger Platz und somit weniger Zeit am Ball lassen als die letzten Gegner.

Im Final würde wohl Schweden warten, das sechs WM-Titel in Serie gewonnen hat. Sie waren selbst in Schweden engagiert. Wie schätzen Sie die aktuelle Form des Titelverteidigers ein?
Bei den Schwedinnen ist technisch jede einzelne Spielerin sehr stark. Das heisst, man kann sich nicht auf einzelne Spielerinnen fokussieren. Dies war zum Beispiel gegen Finnland eher möglich. Dennoch glaube ich, sie könnten dieses Jahr schlagbar sein. Sie machen nicht einen ganz so dominanten Eindruck wie in anderen Jahren. Wir sind uns aber bewusst, dass wir dafür Bestleistung abrufen müssten und sie in einem Moment erwischen, in dem sie vielleicht nicht ganz bereit sind.

Die Vorbereitung des Schweizer Teams auf diese Heim-WM war besonders intensiv. Worauf wurde der Fokus gelegt?
Wir haben uns mit dem Nationalteam fast jeden Freitagabend zum Training getroffen. Es ging vor allem darum, dass wir unseren Vorteil als kleine Nation ausnützen; wir können uns so regelmässig treffen, andere Nationalteams nicht. Wir haben dabei intensiv an der Zusammenstellung der Blöcke gearbeitet und konnten uns auf und neben dem Feld besser kennen lernen.

Es ist bereits Ihre fünfte WM-Teilnahme, und mit den zweitmeisten Skorerpunkten in der Geschichte der Schweizer Nati gehören Sie zu den Leaderinnen. Wie bringen Sie diese Erfahrung im Team ein?
Zum einen im Captain-Club, der aus vier erfahrenen Spielerinnen besteht. Da können wir viele Entscheidungen gemeinsam treffen, zum Beispiel was wir vor oder nach dem Spiel brauchen und wie viel Zeit man für sich benötigt. Im Spiel will ich – auch ohne Captainband – mit der Leistung eine Leaderfunktion einnehmen und dadurch das Team pushen.

Mit Alexandra Frick ist eine weitere Zumikerin im Nationalkader, Sie kennen sich aus Kindertagen. Wurden Sie damals speziell gefördert?
Ja, man hat uns in Zumikon schon früh unterstützt, und wir haben beide lange bei den Jungs gespielt. Dadurch waren wir anderen Mädchen vielleicht einen Schritt voraus.

Das ist voraussichtlich meine letzte SaisonMichelle Wiki

Sie arbeiten Vollzeit als Anwältin. Wie lässt sich das mit dem Sport vereinbaren?
Wir arbeiten alle, einige mit leicht reduziertem Pensum, oder sind in der Ausbildung. Als Studentin war es sicherlich noch einfacher als jetzt, aber ich habe einen Arbeitgeber, der das goutiert. An Trainingstagen renne ich spätestens um 18.30 Uhr aus dem Büro, und für die Turniere nehme ich Ferien. Während der Saison leidet darunter etwas die Freizeit und der Austausch mit Freunden, aber mit der Arbeit funktioniert es eigentlich gut.

Und wie lange machen Sie das noch?
(lacht) Es ist jetzt die dritte Saison, in der ich arbeite, und ich habe eigentlich nicht gedacht, dass es überhaupt so viele werden. Voraussichtlich ist es nun die letzte. Aber man weiss ja nie, was die Emotionen schliesslich zulassen.

Erstellt: 14.12.2019, 09:05 Uhr

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