Rapperswil-Jona

«Ich bin sicher, dass die Stimmbürger dem Jona-Center zustimmen werden»

Es ist eines der umstrittensten Projekte der letzten Jahre in Rapperswil-Jona: Der Neubau des Jona-Centers. Ende September entscheidet das Stimmvolk über die Änderung des Teilzonenplans. Jetzt spricht der Investor.

Investor Hans Nef ist zuversichtlich, dass die Rapperswil-Joner dem Projekt Jona-Center in sechs Wochen grünes Licht geben werden. (Archiv)

Investor Hans Nef ist zuversichtlich, dass die Rapperswil-Joner dem Projekt Jona-Center in sechs Wochen grünes Licht geben werden. (Archiv) Bild: Manuela Matt

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Der 23. September wird zum Schicksalstag für die Stadtentwicklung von Rapperswil-Jona. Am Abstimmungssonntag entscheiden die Stimmbürger über den Teilzonenplan Jona-Center.

Die Planung der Grossüber­bauung an der St. Gallerstrasse läuft bereits seit über zehn Jahren, 2012 wurde das Siegerprojekt «Yona» vorgestellt. Seither blockieren Anwohner mit allen Mitteln das Bauprojekt, das drei Neu­bauten mit bis zu acht Geschossen, 180 Wohnungen und 8500 Quadratmeter Gewerbe­flä­che umfasst.

Wird der Teilzonenplan Jona-Center am 23. September angenommen, muss über die Rekurse der Anwohner entschieden werden. Wird der Teilzonenplan abgelehnt, muss in Sachen Jona-Center ein neues Projekt ­er­arbeitet werden.

Anfang der kommenden Woche beginnt die heisse Phase des Abstimmungskampfs. Am Montag informiert der Stadtrat, am Mittwoch das Pro-Komitee. Auch die Gegner dürften bald schon über ihre Argumente informieren. Im Gespräch mit der ZSZ nimmt Jona-Center-Investor Hans Nef schon jetzt Stellung zur wegweisenden Abstimmung.


Haben Sie jemals gegen ein Bauprojekt in Ihrer Nachbarschaft gekämpft?
Hans Nef: Natürlich wahre ich meine Interessen, wenn in meiner Nachbarschaft etwas gebaut wird. Ich suche den Kontakt zur Bauherrschaft, um eine für beide Parteien sinnvolle Lösung zu finden.

Sie können also nachvollziehen, weshalb sich gewisse Anwohner gegen das Jona-Center wehren?
Die Initianten sind offenbar überzeugt, ihre Argumente hätten über ihre persönlichen Inter­essen hin­aus auch für die Bevölkerung von Rapperswil-Jona Bedeu­tung. Sie schöpfen daher ihre demokratischen Mittel aus, und dieses Recht respektiere ich. Es liegt jetzt an den Stimmbür­gerinnen und Stimmbürgern von Rapperswil-Jona, eine Entscheidung zu fällen.

Mit welchen Gefühlen warten Sie den Abstimmungssonntag ab: Sind Sie nach all dem Hin und Her überhaupt noch zuversichtlich?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Stimmbevölkerung von Rap­per­­s­wil-Jona der Teilzonenplanänderung Jona-Center zustimmt. Wir haben das Projekt aufgrund der früheren Einwände überarbeitet und stellen mit Freude fest, dass sich jetzt in der Bevölkerung eine breite Unterstützung abzeichnet.

Man hört, eigentlich hätten Sie sich hinter den Kulissen vor der Auflage des Teilzonenplans mit Handschlag auf einen Kompromiss mit dem Anwohnervertreter geeinigt. Der Deal sei aber später an der Anwohnerversammlung plötzlich geplatzt. Was war passiert?
Ja, das stimmt. Wir haben uns mit zwei Anwohnervertretern und einem Behördenmitglied getrof­fen und einen Kompromiss gefunden. Wir waren natürlich sehr enttäuscht, dass die Einigung nicht zustande kam. War­um die Anwohnervertreter sich nicht durchsetzen konnten oder wollten, ist mir nicht bekannt.

Was ist aus Ihrer Sicht die Erklärung für den Widerstand: der Mehrverkehr oder die 25 Meter hohen Gebäude?
Bei näherer Betrachtung sind beide Einwände nicht stichhaltig. Effektiv handelt es sich nur um eine marginale Verkehrs­zunahme. Die Gebäudehöhe von 25 Metern entspricht gerade mal acht Stockwerken. Das ist für eine Stadt wie Rapperswil-Jona keine übertriebene Höhe – ins­besondere an einem ortsbild­prä­genden Standort wie diesem.

Die Verkehrsgutachten sind wider­sprüchlich: Manche sprachen von 30 Prozent Mehr­verkehr, dann waren es noch16 und jetzt 2 Prozent. Wie viel Verkehr generiert das neue Jona-Cen­ter tatsächlich?
Die Verkehrsgutachten sind verständlich, wenn man sie in ihrem jeweiligen Kontext betrachtet. Wichtig dabei ist die Gesamt­betrachtung: Die künftige Nutzung bringt zwar eine Anzahl ­Zu- und Wegfahrten, aber dafür entfällt der Verkehr, den heute zum Beispiel die Autowaschstrasse ver­ursacht. Daraus resultiert eine effektive Verkehrszunahme von nur zwei Prozent.

Die Gebäudehöhe polarisiert: Warum sind in Rapperswil-Jona 25 Meter hohe Gebäude überhaupt nötig?
Zum einen sind höhere Gebäude natürlich ganz im Sinne der schweizweit gewünschten Verdichtung zu sehen, welche der Zersiedelung unserer Landschaft entgegenwirkt. Bei der Über­bauung Jona-Center werden vereinzelte Gebäude leicht höher gebaut, als die vorhandene Zonenordnung zulässt, um dafür im Ausgleich attraktive Grünflächen und möglichst gross­zügige Aus­sen­räume zu ermöglichen. Gesamthaft resultiert aus der dafür­ erforderlichen Teilzonenplanänderung übrigens keine Mehr­ausnützung.

Sie wirken im Abstimmungskampf zurückhaltend: Für ein Streitgespräch oder eine Podiums­diskussion stehen Sie nicht zur Verfügung. Weshalb tun Sie sich schwer, öffentlich für Ihr Projekt zu kämpfen?
Als Bauherrschaft sehen die Moy­real Immobilien AG (verantwortlich für die Amag-Liegenschaften) und ich unsere Aufgabe darin­, gemeinsam mit den Behörden und der Stadt ein gutes Projekt auszuarbeiten, das die Inter­essen der Bevölkerung widerspiegelt. Es ist nun an den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, dar­über zu urteilen, ob uns das ge­lungen ist. In der Zwischenzeit hat sich ein breit abgestütztes Komitee gebildet, welches die Teilzonenplanänderung aus der Sicht der Bevölkerung vertreten wird.

Geben Sie das Projekt Jona-Center auf, wenn es am 23. September abgelehnt wird, oder haben Sie einen Plan B?
Darüber haben wir uns noch keine­ Gedanken gemacht. Wir sind sicher, dass die Stimmbür­gerinnen und Stimmbürger dem Teilzonenplan Jona-Center zustimmen werden.

Das Jona-Center ist nicht Ihr einziges Projekt in der Stadt. Sie planen auch einen Techpark und ein Hotel. Was verbindet Siemit Rapperswil-Jona?
Rapperswil-Jona ist ein sehr schö­ner Lebensraum mit gutem Entwicklungspotenzial. Das birgt für mich aber auch eine Verpflichtung: Dieser Ort hat eine sorg­fältige Planung verdient, um das Wachstum angemessen und qualitätsvoll zu gestalten.

Widerstand gibt es auchbei Ihren anderen Projekten. Warum ist Bauen in der Rosenstadt so schwierig?
Ich verstehe sehr gut, dass man im schönen Rapperswil-Jona – wie übrigens an vielen anderen Orten der Schweiz – den Themen Wachstum und Bauen mit gesunder Vorsicht begegnet. Aber gerade darum ist sicher besser, den vorhandenen Raum sorgfältig zu beplanen und sinnvoll zu nutzen, als die Entwicklung dem Zufall zu überlassen.

Welche Rolle spielt der Stadtrat dabei?
Der Stadtrat und die Behörden haben meiner Meinung nach ihre Aufgaben gut gelöst und wichtige Anliegen aus Sicht der Öffentlichkeit in den Planungsprozess eingebracht.

Was würden Sie in der Stadt ändern, wenn Sie denn könnten?
Rapperswil-Jona soll seine vorzüglichen Qualitäten wahren. Dazu gehört es, jede Entwicklung sorgfältig zu prüfen, aber auch einmal zu einem guten Schritt Ja zu sagen.


Das Interview wurde schriftlich geführt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.08.2018, 12:05 Uhr

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