Abstimmung

Hundekurspflicht abschaffen?

Der Kantonsrat will das Hundekursobligatorium aufheben. Die Linken sind dagegen. Der Regierungsrat will die Kurspflicht vereinfachen.

Halter von grossen oder massigen Hunden müssen mindestens zehn Lektionen mit ihrem Tier in einen Kurs. Der Kantonsrat will das ändern.

Halter von grossen oder massigen Hunden müssen mindestens zehn Lektionen mit ihrem Tier in einen Kurs. Der Kantonsrat will das ändern. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer sich heute einen Golden Retriever als Familienhund kauft, muss mit ihm in die Welpenschule und dann noch in den Junghundekurs. Das sieht das kantonale Hundegesetz bei Hunden vor, die mindestens 45 cm hoch oder 16 Kilogramm schwer sind. Das Gesetz ist seit Januar 2010 in Kraft und beinhaltet auch ein Verbot bestimmter Hunderassen wie des Pitbull-Terriers oder des American Staffordshire Terriers. Das Zürcher Hundegesetz wie auch ein Kursobligatorium auf Bundesebene und Gesetze in anderen Kantonen sind politische Folgen eines tragischen Vorfalls von 2005. Damals war in Oberglatt ein Sechsjähriger auf dem Weg zum Kindergarten von drei Pitbull-Terriern so schwer verletzt worden, dass er starb.

Kurse bringen nichts

Das nationale Kursobligatorium wurde unterdessen wieder abgeschafft. Dasselbe wollte der Kantonsrat 2018 mit der Hundekurspflicht im Kanton Zürich tun. Mit 92 Ja- zu 77 Nein-Stimmen setzten sich SVP, FDP und CVP im Rat durch. Die Bürgerlichen sind der Meinung, dass die Kurse nichts bringen. Die Zahl der Beissvorfälle hat trotz der obligatorischen Hundekurse nicht abgenommen (siehe Kasten). Der Aufwand der Gemeinden, die für die Einhaltung des Kursobligatoriums zuständig sind, sei beträchtlich und die Kurskosten hoch, sagen die Bürgerlichen.

Zudem zeigte eine Studie von 2016, die im Auftrag des kantonalen Veterinäramtes die Wirksamkeit der Hundekurse untersuchte, dass ein Drittel der Halter von grossen oder massigen Hunden sich vor dem Hundekursbesuch drückt. Das seien wohl gerade diejenigen, die es nötig hätten, argumentieren die Bürgerlichen. Der Zwang bringe nichts, man müsse an die Eigenverantwortung der Hundehalter appellieren.

Die unterlegene linke Ratsseite ergriff darauf das Referendum, deshalb kommt die Änderung des Hundegesetzes nun am 10. Februar vors Volk.

Bevölkerung fühlt sich sicher

Auch die Gegner der Abstimmungsvorlage argumentieren mit der Studie von 2016 und den Zahlen des Veterinäramtes. Dass die Zahl der Beissvorfälle noch nicht gesunken sei, liege daran, dass das Hundegesetz noch nicht einmal eine ganze Hundegeneration lang bestehe, argumentierte das Nein-Komitee. 60 000 Hunde im Kanton Zürich seien zu viele, dass sich die Halter ihrer Verantwortung entziehen könnten. Zudem zeigten die Studienresultate, dass 90 Prozent der Hundekursabsolventen die Kurse für sinnvoll halten, und sich die Einwohner dank der Ausbildungspflicht sicherer fühlten, wenn sie einem Hund begegneten.

Neben SP, EVP, GLP und den Grünen setzen sich auch der Zürcher Hundeverband, die Sektion Zürich der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, der Zürcher Tierschutz und die Stiftung für das Tier im Recht gegen die Abschaffung der Hundekurse ein. Die Kurse dienten auch dem Wohlergehen der Hunde, schreibt der Zürcher Tierschutz in einer Mitteilung. In den Kursen lernten die Halter einen verantwortungsbewussten, konsequenten und liebevollen Umgang mit ihrem Hund. Die Tierschutzverbände und auch die Hundekursleiter plädieren sogar dafür, dass die Kurspflicht auf die Halter aller Hunde, also auch kleiner, ausgedehnt wird.

Kurse für alle

Genau das hat der Regierungsrat im Sinn und empfiehlt deshalb ein Nein. Er will, dass alle Hundebesitzer einen Kurs besuchen müssen von sechs statt heute zehn Lektionen. Hinzu kommt ein Theoriekurs von zwei Lektionen für Ersthundehalter. Damit das Gesetz aber entsprechend vereinfacht werden kann, muss das Volk am 10. Februar Nein sagen zur Abschaffung des Hundkursobligatoriums. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 22.01.2019, 16:50 Uhr

Beissstatistik

Schwankungen lassen sich nicht erklären

Die Anzahl Vorfälle bei denen Menschen von Hunden gebissen wurden, schwankte im Kanton Zürich in den letzten Jahren stark. 2009 wurden dem kantonalen Veterinäramt 660 Vorfälle gemeldet. 2013 waren es 554, 2017 aber wieder 679. Es kann also von keinem Rückgang der Hundebisse gesprochen werden, vielmehr stiegen die Zahlen in den letzten drei Jahren eher an. «Die Schwankungen lassen sich aber nicht erklären», schreibt Monika Neidhart vom Veterinäramt auf Anfrage. Zum einen könne ein Anstieg darauf zurückgeführt werden, dass die Bevölkerung sensibler auf solche Vorfälle reagiert und mehr meldet. Zum anderen steige seit 2014 die Anzahl Hunde im Kanton. Auch die Wohnbevölkerung habe zugenommen, wodurch sich Hunde und Menschen öfters über den Weg laufen.
Grundsätzlich unterscheidet die Beissstatistik nicht zwischen den Hunderassen – was für die Abstimmung entscheidend wäre, da nur Halter von grossen oder massigen Hunden Kurse besuchen müssen. Für die Abstimmungszeitung hat das Veterinäramt aber die Jahre 2013 und 2017 nach Rassentyp ausgewertet. Die Zahl grosser Hunde ist in diesem Zeitraum um 1869 Tiere gesunken. Kleine Hunde gab es 2017 im Vergleich zu 2013 4744 mehr. Die Beissquote, also die Anzahl schwerer Beissvorfälle pro 1000 Hunde, ist bei den grossen Hunden in diesem Zeitraum von 41 auf 31 gesunken ist. Bei den kleinen Hunden stieg die Beissquote von 14 auf 23. kme

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare