Triathlon

Herzschmerz am Heartbreak Hill

Der Heartbreak Hill, die Steigung entlang der Dorfstrasse in Kilchberg, hat den Triathleten am Ironman Switzerland ein letztes Mal alles abverlangt.

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Alain Helfenstein braucht ein geschliffenes Mundwerk. Der Zürcher kommentiert gestern Sonntag als Speaker das sportliche Geschehen am Heartbreak Hill, einem der Hotspots, was die Stimmung am Ironman Switzerland anbelangt. Sein Job gleicht jenem eines Animateurs, der Hotelgäste zu Sport und Fun anregt. «Am Nachmittag, wenn die Nachzügler zum zweiten Mal die Steigung erklimmen, wird es schwierig, die Leute bei Laune zu halten und zum Bleiben zu ermuntern». Hätte er rechtzeitig gewusst, dass die 23. Austragung die letzte sein würde, wäre er nochmals als Aktiver gestartet. «So bleibt es bei fünf Teilnahmen.»

Der durchtrainierte junge Mann findet es schade, dass ab 2020 bis 2024 die Stadt Thun die Marke «Ironman Switzerland» übernehmen wird. «Ich hoffe, 2025 kriegt wieder Zürich den Zuschlag.» Auch für Konrad Von Allmen, einem ehemaligen Spitzen-Triathleten, ist es als Betreuer der VIP-Gäste der letzte Arbeitstag in Kilchberg. «Wir waren früh am Morgen mit geladenen Gästen auf dem Motorschiff MS Pfannenstiel und haben den Athleten auf der Schwimmstrecke aus nächster Nähe zugeschaut.» Auch Vertreter des Thuner Organisationskomitees seien mit an Bord gewesen.

Wurst für Feinschmecker

Seit 1997 erstmals das Label «Ironman Switzerland» für Zürich verwendet worden ist, führt der TV Kilchberg beim Meierhüsli sein Heartbreak-Hill-Beizli. Die Bratwurst geniesst unter Feinschmeckern genauso einen guten Ruf wie die hausgemachten Kuchen und Fruchtbecher. OK-Chef Rico Kradolfer muss einige Klagen über das Verschwinden eines weiteren grossen Zürcher Sportanlasses anhören.

Der letzte Ironman am Zürichsee im Video. Video: CA-Media

Die Rede ist in diesem Zusammenhang vom Weltcup-Radrennen Züri-Metzgete und vom Trendsport-Event «freestyle.ch». Für Kilchberg selbst war der Ironman der bedeutendste, alljährliche Sportanlass, wenn nicht der Kilchberger Schwinget im Turnus von sechs Jahren anstand. «Mir macht es nicht so viel aus», sagt Kradolfer lachend. Er habe seit einiger Zeit vergeblich einen Nachfolger gesucht. «Dann sagte ich immer, okay, noch ein letztes Mal.» Soweit sei es jetzt von selbst gekommen.

Noch untröstlicher tönt es ein paar Meter weiter am Verpflegungsstand vor dem Condrad-Ferdinand-Meyer-Haus. Rund 30 Helferinnen und Helfer aus den Reihen des Turnvereins Adliswil und dem TV angeschlossenen Adliswil-Track-Teams stehen seit früh am Morgen im Einsatz. Eine zweite Gruppe ist für den Nachmittag vorgesehen. «Wir sind traurig, dass wir aufhören müssen», sagt Leichtathletiktrainerin Lilly Spitz. «Als OK-Mitglied war ich zwölf Jahre dabei.»

Trotzdem Partystimmung

Um Herzschmerz kommen ebenso die Fahrerinnen und Fahrer nicht herum, wenn sie auf ihren Hightech-Velos die Heartbreak-Rampe hochwuchten. Die Anstrengungen sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Für sie tut sich in der Strassenmitte eine Gasse auf. Die Schlachtenbummler stehen Spalier. Heisse Musik ertönt aus den Boxen, Speaker Helfenstein steht nun mitten im Geschehen.

Oft feuert er die Fahrer und die Fans auf Englisch an, hat sich doch ein internationales Teilnehmerfeld und Publikum eingefunden. Fangruppen aus Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien und England sind in der Überzahl. Zusammen mit den Schweizer Anhängern feiern sie Party – vielleicht im Wissen, das es das letzte Mal ist. Helfenstein redet jedenfalls auf Englisch, so wie nie zuvor: «For the last time, it’s the last time, clap your hands!»

In Partylaune ist ebenso der Fan-Club von Jan van Berkel. Die Mitglieder tragen grüne T-Shirts mit der Aufschrift «Berkelized», analog dem Logo auf der Website des Bülachers. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Der Vorjahressieger erreicht das Ziel auf der Landiwiese auch beim letzten Mal als Erster.

Erstellt: 21.07.2019, 18:27 Uhr

Iron Man Switzerland

Schnaufen, schwitzen und Autos überholen auf Stäfner Umleitung

«Die Schweizer und ihre Berge!», sagt ein deutscher Triathlet und kämpft sich den Hexentanz hinauf. Wegen einer Baustelle auf der Seestrasse wurde in Stäfa die Strecke des Ironmans über den steilen Anstieg geführt. Vor dem Kulminationspunkt schnaufen die Athleten wie Rennpferde beim Zieleinlauf, dann geht es sanft hinunter in Richtung Stäfa. Die Athleten sehen den See vor sich, atmen auf und wechseln den Gang für die Schussfahrt.

Weiter unten im Dorf passieren sie eine Stelle, die zum Nadelöhr werden könnte. Auf der Bahnhofwiese teilen sich die Teilnehmer auf einer Länge von 250 Metern die Strecke mit dem zwischen Hombrechtikon und Stäfa umgeleiteten Verkehr. Dieser hätte eigentlich über die Stäfner Grundstrasse geführt werden sollen. Weil diese wegen einer Baustelle aber ebenfalls gesperrt ist, war im Vorfeld des Anlasses klar: Triathleten und Autofahrer werden 250 Meter auf der gleichen Strasse fahren (diese Zeitung berichtete).

In den Kreiseln am Anfang und am Ende der Bahnhofwiese stehen Verkehrskadetten. Sieht der erste von unten her Sportler nahen, stoppt er die Autos. Sind die Athleten vorbei, können die Autofahrer zufahren. Manche tun dies nicht schnell genug, weshalb die folgenden Sportler wie Fahrradkuriere rechts und links überholen. Trotz Nadelöhr: Grössere Zwischenfälle gab es laut Ironman-Mediensprecher Fabian Riedmann keine.

Mehr zu schaffen macht einigen Athleten der Hexentanz. 12.30 Uhr, die Mittagssonne drückt, es ist heiss und feucht. Zuschauer feuern die Sportler und Sportlerinnen lautstark an. Ein Fahrer steigt im Anstieg kopfschüttelnd vom Velo. Er braucht eine Minute zum Verschnaufen. Dann schwingt er sich wieder in den Sattel – wohlwissend, dass er nachher noch einen Marathon wird rennen müssen. (fsp)

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