Wochengespräch

«Geld und Stil sind unterschiedliche Dinge»

Die Geschwister und Geschäftspartner Michael und Katja Hahnloser erzählen, wie eine Modeboutique in Zeiten von Onlineshopping überleben kann und worauf es bei der Kleiderwahl ankommt.

Katja und Michael Hahnloser leiten das Modehaus Gassmann in fünfter Familiengeneration.

Katja und Michael Hahnloser leiten das Modehaus Gassmann in fünfter Familiengeneration. Bild: Michael Trost

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Maison Gassmann steht für ­exklusive und teure Marken. Hängen in Ihrem privaten Kleiderschrank nur Designerkleider, oder tragen Sie manchmal auch Massenmode?
Katja Hahnloser: Als Teenager habe ich viel bei H & M und Zara gekauft. Da ich schon als Kind bei uns im Geschäft eingekleidet wurde, wollte ich mich von meinen Eltern lösen und meinen eigenen Geschmack entdecken. Mittlerweile stehe ich der Billigmode kritischer gegenüber. Ich habe über die Jahre viel zu viel ­gekauft und hatte einen Kleiderschrank voll mit Sachen, die ich sehr wenig getragen habe. Auch die Produktionsbedingungen und die Verschwendung von Materialien geben mir zu denken. Heute kaufe ich viel bewusster ein und wähle hochwertigere und teurere Stücke. Beruflich kleide ich mich praktisch exklusiv aus unserem Laden.

Michael Hahnloser: Seit ich ins Familiengeschäft eingestiegen bin, gebe ich deutlich mehr für Kleidung aus. Das sind aber wie bei meiner Schwester bewusste Käufe. Die Qualität ist für mich sehr ausschlaggebend.

Wann lohnt es sich, in ein ­Kleidungsstück zu investieren, wenn das Budget begrenzt ist?
K. H.: Man muss nicht gleich mit den teuersten Trends beginnen. Hochwertiger Kaschmir ist für mich eines der tollsten Materialien, weil man ihn gut selber zu Hause waschen kann. Ein Kaschmirpullover geht nie aus der Mode und wenn man ihn richtig wäscht, bleibt er auch zehn Jahre in Form.

Und was darf im Kleiderschrank eines Mannes nicht fehlen?
M. H.: Ein paar sportliche Blazer. Die kann man zu Businessevents anziehen oder zu einem entspannten Nachtessen, wenn man sie mit einem Pullover und Jeans kombiniert.

Wer bei Maison Gassmann ­einkauft, muss das grosse ­Portemonnaie mitbringen. Ist Stil käuflich?
K. H.: Geld und Stil sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Dinge. Was man bei uns aber bekommt, ist Beratung. Dabei geht es nicht darum, dass wir jemandem unbedingt etwas verkaufen wollen, was er vielleicht gar nicht will. Das ist nicht sinnvoll, weil er dann wahrscheinlich nie mehr zurückkommt. Es geht viel mehr darum, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten.

M. H.: Mode und Stil sind immer auch ein Weg, die eigene Persönlichkeit auszudrücken. Wenn wir die Kundin persönlich kennen, können wir ihr am besten helfen.

K. H.: Wichtig ist, das man sich wohlfühlt. Man kann ein noch so stilvolles Outfit anziehen, das einem jemand zusammen gestellt hat – wenn man sich darin nicht wohlfühlt, ist die Wirkung verfehlt. Deswegen muss man den eigenen Stil erst mal finden. Es geht darum, zu entdecken, was zur eigenen Figur passt, statt sich über körperliche Makel aufzu­regen. Wer das lernt, wirkt selbstbewusster, stilvoller und macht einen besseren Eindruck.

In Zeiten von Onlineshopping, Einkaufstourismus und Billig­modeketten müssen exklusive Boutiquen also einen Mehrwert – etwa Beratung – bieten?
K. H.: Wir glauben an die Zukunft des stationären Handels parallel zum digitalen. Die Stärke von Boutiquen ist der persönliche Austausch und dass der Einkauf eben nicht anonym erfolgt. Zu unseren Dienstleistungen gehört auch, für unsere Kundinnen ganze Outfits zusammenzustellen. Statt tagelang Onlineshops zu durchforsten, können sie einmal pro Saison bei uns vorbeikommen.

M. H.: Wir haben uns ganz bewusst gegen einen Onlineshop entschieden. Unsere Kunden suchen auch das Soziale des Einkaufserlebnisses. Es geht um mehr als nur einkaufen ­– das kann man auch online. Ich habe Kommunikation studiert und war in der Gastronomie tätig. Daher kann ich Dinge einfliessen lassen, die heute neben dem Fashion Part im Verkauf wichtig sind. Zum Kundenerlebnis gehört zum Beispiel auch das Gastronomische.

Neben der Designermode gibt es also Häppchen?
M. H.: Wir nehmen unsere Rolle als Gastgeber vollumfänglich wahr – wie wir das bei uns zu Hause auch machen würden. Je nach Wunsch kann dies auch bedeuten, dass wir zur Fashion-Beratung auch Häppchen servieren.

Wie wählen Sie die Marken und Kleider aus?
K. H.: Wichtig ist, dass das Ma­terial, die Verarbeitung und der Aufwand den Preis rechtfertigen und dass dieser nicht nur von der Marke an sich bestimmt wird. Vorsichtig sind wir auch bei den Produktionsländern. Es ist nicht so, dass wir gar keine Produkte, die in Asien hergestellt wurden, verkaufen. Wir können die Marken leider nicht im Detail kon­trollieren, aber hochwertige Qualität und aufwendige Stickereien können nicht unter schlechten Arbeitsbedingungen entstehen.

Kann man als Kunde also davon ausgehen, dass teurere Kleider unter besseren Bedingungen hergestellt wurden?
K. H.: Der Preis ist nicht der richtige Indikator, man sollte eher auf die Qualität achten. Wenn Schneiderinnen dazu angehalten werden, möglichst schnell zu arbeiten, werden die Nähte kaum gerade ausfallen. Wer unter Zeitdruck steht, kann sich nicht die Zeit nehmen, die Arbeit möglichst perfekt zu machen. Deshalb würde ich behaupten, dass eine hohe Qualität und Detailverliebtheit bessere Arbeitskonditionen bedingen.

Sie haben die Geschäftsführung von Maison Gassmann in fünfter Generation übernommen. Wie gross war der Druck, das ­Familienunternehmen weiterführen zu müssen?
M. H.: Für mich war die Modebranche nie das Ziel. Eigentlich war ich erleichtert, als ich wusste, dass meine Schwester in den ­Familienbetrieb einsteigen wird. Dadurch war für mich klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann. Als wir wussten, dass wir den Standort wechseln und hier ein neues Geschäft aufbauen würden, lag auf der Hand, dass ein Generationenwechsel bevorsteht. Nach einer Unterhaltung mit meiner Schwester waren wir beide der Ansicht, dass es spannend wäre, das zusammen anzugehen.

K. H.: Wir haben ganz unterschiedliche Geschichten, gedrängt wurde aber niemand. Ich habe bereits in der Schule und während meines Studiums viel im Geschäft gearbeitet und wusste schon früh, dass ich gerne ins Unternehmen einsteigen möchte.

Und wie ist es, als Geschwister zusammenzuarbeiten?
M. H.: Ich sehe das nur positiv. Natürlich sind die Auseinandersetzungen manchmal emotionaler, als wenn man auf rein geschäftlicher Basis miteinander zu tun hätte. Zugleich hält man sich aber nicht zurück, Probleme anzusprechen. Wir sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Geschwister, und es ist so einfacher, Fehler zuzugeben und über den eigenen Schatten zu springen. Wir profitieren davon, dass wir sehr unterschiedlich sind und einander ergänzen. Vom Stil und Geschmack her gibt es aber viele Parallelen. Es erstaunt uns selbst immer wieder, wie schnell wir uns einig werden.

K. H.: Weil wir uns so gut kennen, müssen wir nicht lange erklären, sondern verstehen sehr schnell, was der andere meint. Das erleichtert die Zusammenarbeit sehr.

Sie stehen erst am Anfang Ihrer Karriere als Unternehmer. Wie gehen Sie mit der grossen Verantwortung um?
K. H.: Wir wurden nie so erzogen, dass man Angst haben muss vor Fehlern. Wer mit der Philosophie durchs Leben geht, dass man auch mal Misserfolge habendarf, traut sich auch mehr. Das Schlimmste wäre es, nichts zu tun, denn dann bleibt man statisch und verpasst den Anschluss.

Zurück zu Ihrem eigenen Modegeschmack: Sieht man Sie in der Freizeit auch mal in Trainerhosen oder sind Sie immer top gestylt?
K. H.: Im Wald beim Spaziergang mit dem Hund bin ich auch mal in Jeans und T-Shirt unterwegs. Da geht es mehr um Funktiona­lität als um Mode. Ich liebe aber Kleider, und das gilt an der Pariser Fashion Week genauso wie in den Ferien am Strand.

M. H.: Ich kleide mich immer bewusst. Auch im Fitness muss das, was ich anziehe, farblich irgendwie Sinn machen und mir gefallen. Sonst fühle ich mich komisch.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.02.2018, 17:07 Uhr

Küsnacht

Zu den Personen

Die Küsnachter Geschwister Katja (28) und Michael Hahnloser (30) haben 2016 die Leitung des Zürcher Modehauses Maison Gassmann in fünfter Familien­generation übernommen. Katja Hahnloser studierte an der HSG Betriebswissenschaften und machte ein Praktikum beim ­Luxusmodelabel Akris. Michael Hahnloser hat Kommunikationswissenschaften an der Uni Zürich studiert und war danach in der Gastronomie – unter anderem als Geschäftsführer der Milchbar – sowie in der Medienbranche bei Goldbach Media tätig.

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