Horgen

«Funken ist wie fischen»

Physik verstehen – nichts Geringeres will ein gleichlautender Verein bei jedermann erreichen. Und der Zusatz zum Vereinsnamen, HB9QQ, lässt erahnen: Die Verbindung zum Amateurfunk ist nicht weit. Mitglied in diesem Verein ist Guido Fröhli aus Horgen.

Funker Guido Fröhli schwebt beim Morsen in einer anderen Welt.

Funker Guido Fröhli schwebt beim Morsen in einer anderen Welt. Bild: André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Physik – dieses eine Wort lässt manchen zusammenzucken. Weckt es doch verdrängte Erinnerungen an Schulstunden mit Wandtafeln voller hieroglyphischer Formeln. «Physik ist für viele Leute ein Buch mit sieben Siegeln», stellt auch der 52-Jährige Guido Fröhli fest. Der Horgner hat indes eine gänzlich gegenteilige Beziehung zur Wissenschaft der unbelebten Materie. Es ist die pure Begeisterung, die ihn dazu antreibt, sich mit der Physik in all ihren Teilgebieten zu befassen. Und mit ihm teilen eine Menge weiterer Menschen diese Passion. Vier von ihnen haben im vergangenen Juni den Verein «HB9QQ, Physik verstehen» gegründet, zu dessen aktiven Mitgliedern seit Beginn dieses Jahres auch Fröhli zählt. Bedeutungsvoll ist für ihn vor allem der zweite Teil des Vereinnamens: «Physik verstehen». Denn sein Ziel ist: Physikalische Vorgänge, die «uns überall im Alltag umgeben», jedermann zu erklären.

Hommage an Funkerlegende

Bewerkstelligt werden soll dies durch allgemein verständliche Texte zu diversen Phänomenen. Etwa, warum der Schnee weiss ist. Wie ein Saiteninstrument funktioniert und wie ein Verbrennungsmotor. Nachzulesen sind die Erklärungen auf der Internetseite des Vereins. Gesucht seien nebst wissbegierigen Lesern auch Mitglieder, die Beiträge schreiben. «Wir organisieren aber auch Ausflüge, so im Juni ins Paul-Scherrer-Institut nach Villigen», sagt Fröhli. Interessierte seien willkommen, wie auch zu Anlässen, die mit dem ersten Teil des Vereinnamens zu tun haben.

Dieser, die zungenbrecherische Kombination von Buchstaben und Ziffer, ist für Eingeweihte ebenfalls voller Bedeutung. Es handelt sich dabei um ein Rufzeichen des internationalen Radio-Amateurfunks. Und nicht um irgendeines: «Es war dasjenige des 2012 verstorbenen Pierre Pasteur», erklärt der Horgner, «er war ein legendärer Schweizer Amateurfunker, eine Koryphäe». Zudem Autor des Buches «Funkverfahren und Betriebstechnik» – der Bibel der Radioamateure schlechthin. Fröhli greift zu dem Band mit Erscheinungsjahr 1982. Ehrfurchtsvoll durchblättert er die Seiten, die voll sind von technischen Beschreibungen und Anleitungen. «Für einen Laien ist das alles natürlich unverständlich.» Da die die meisten Mitglieder Funker seien und dieses Hobby viel mit Physik zu tun habe, sei es naheliegend gewesen, den Verein im Gedenken an Pasteur zu benennen. Als HB9QQ versteht sich ein echter Funker, der sich mit seinem Rufzeichen und erst in zweiter Linie mit seinem Taufnamen identifiziert. Der Aufbau der Buchstaben- und Zahlenfolge funktioniert nach festen Regeln (siehe Kasten).

Aus Fröhli, der als Motorradmechaniker arbeitet, ist eher zufällig ein Funker geworden. 1999 erwarb er einen Weltbandempfänger. Ein Jahr später funkte es buchstäblich bei ihm. «Ich wollte selber senden können und habe mir deshalb einen CB-Funk gekauft.» Diese Geräte können konzessions- und prüfungsfrei betrieben werden und erlauben das Funken kurzer Mitteilungen – vergleichbar als Urform des Twitterns. Bald ging Fröhli weiter und begann als lizenzierter Radioamateur. Das allein genügte ihm nicht, und so brachte er sich ab 2007 das Morsen bei. Denn «der reine Sprechfunk ist keine Herausforderung.» Lange habe es gedauert, bis er zum ersten Mal ein Morsezeichen verstanden habe.

Ungeahnt emotionale Seiten

Heute schwärmt er über die meditativen Klangrhythmen des Morsens und darüber, dass es alle Sorgen vergessen lasse. Ob das Signal empfangen und beantwortet wird, das wisse man indes nicht. Man könne sich den Gesprächspartner auch nicht aussuchen. «So betrachtet, ist Funken vergleichbar mit Fischen», sagt er. Entsprechend sei das Zustandekommen einer Verbindung umso schöner. Da zeigen sich plötzlich ungeahnt emotionale Seiten der Physik – und, wie facettenreich das Fach tatsächlich ist.


www.hb9qq.ch

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.03.2017, 16:15 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Tierisch nützliche Daten
Der Krimiautor und sein Engel

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!