Stäfa

Fünf Bläser und ihre Rohrblättchen

Das Calefax Reed Quintett aus Holland gilt als Erfinder eines neuen Genres: des Rohrblatt-Quintetts. Vor Beginn des Konzertes im Gemeindesaal mussten sie vor den Augen des Publikums aber zuerst ihre Instrumente zusammenfügen.

Wozu braucht man ganze Instrumente? Die Musiker des Calefax Reed Quintetts bauen die Instrumente spielend vor dem Publikum zusammen.

Wozu braucht man ganze Instrumente? Die Musiker des Calefax Reed Quintetts bauen die Instrumente spielend vor dem Publikum zusammen. Bild: Michael Trost

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Die fünf Musiker spielen alle auf Instrumenten, die durch Rohrblättchen am Mundstück, dem sogenannten Reed, geblasen werden. Und darum nennt sich dieses 1985 in Holland gegründete Rohrblatt-Quintett denn auch Calefax Reed Quintett. Der Saxofonist Raaf Hekkema war 17, verrät er in der Konzertpause, und der Fagottist Alban Wesly 18, als sich die beiden Gymnasiasten vor 34 Jahren mit drei weiteren Jungmusikern zu dem unüblichen Quintett zusammentaten, um Neues auszuprobieren.

Euphorisch hätten sie angefangen, Noten zu erwerben, nur um festzustellen, dass es für ihre Zusammensetzung gar keine Kompositionen gab. Denn das klassische Holzbläserquintett, zu dem mit Horn und Flöte auch zwei Instrumente ohne Rohrblatt gehören, gab es bereits, auch die entsprechende Literatur existierte. Nicht aber ein Rohrblatt-Quintett, ebenso wenig Noten dafür. So sah sich Calefax gezwungen, Werke vom frühen Mittelalter an neu zu arrangieren. Inzwischen haben Auftragskompositionen von zeitgenössischer Musik das Repertoire des Quintetts erweitert.

Mit Einzelteilen lässt sich auch Musik machen

Seit 1997 treten die beiden Gründer des Ensembles zusammen mit Oliver Boekhoorn (Oboe), Ivar Berix (Klarinette) und Jelte Althuis (Bassklariniette) auf. In dieser Formation stehen die fünf Holländer am Freitagabend auf Einladung der Lesegesellschaft Stäfa auf der Bühne des Gemeindesaals. Nicht etwa mit ihren Instrumenten, nein, die liegen noch in Einzelteilen ausgebreitet vor ihnen auf einem niedrigen Tisch.

Die Musiker spielen mit einer beneidenswerten Leichtigkeit und unangestrengten Seriosität.

Einer nach dem andern – und das ist gerade der Gag dieses Intro - bedient sich nun an der Auslegeordnung. Und während die Musiker ihre Blassinstrumente vor den Augen des Publikums spielerisch und mit neckischen Einlagen zusammenfügen, stimmen sie mit deren Mundstücken eine Melodie an, noch bevor sie die Instrumente in voller Grösse in den Händen halten. Die Überraschung gelingt, das Quintett hat mit dieser Darbietung die Sympathie des Publikums auf seiner Seite.

Danach erklingen Robert Schumanns «Waldszenen», gefolgt von Edvard Griegs «Holberg Suite», beides vom Saxofonisten Raaf Hekkema für das Rohrblatt-Quintett arrangiert. Klar und hell ertönen Oboe und Klarinette, während Saxofon, Fagott und Bassklarinette mit ihrem weichen sonoren Ton die Klangkulisse einrahmen. Gewaltig ist die Fingerfertigkeit des Saxofonspielers, dessen Instrument man eher dem Jazz zuordnen würde. Dennoch, es fügt sich harmonisch in die klassische Musik ein. Die Musiker spielen mit einer beneidenswerten Leichtigkeit und unangestrengten Seriosität.

Kreischende Möwen und gurrende Tauben

Nach der Pause überrascht das Ensemble mit dem zeitgenössischen Werk «Zugvögel», das die 1959 geborenen Carola Bauckholt dem Ensemble sozusagen auf dessen Instrumente geschrieben hat. Man hört von weitem einen näher kommenden Vogelschwarm, meint gar, ein rauschendes Flügelschwingen auszumachen.

Am Schluss sind die Vögel weggeflogen, nur das Rauschen des Windes hallt nach.

Da und dort «mimen» die Bläser unterschiedliches Vogelgeschrei: Fagott, Oboe und Saxofon mutieren zu kreischenden Möwen und gurrenden Tauben, Klarinette und Bassklarinette übernehmen die Laute von Gänsen. Am Schluss sind die Vögel weggeflogen, nur das Rauschen des Windes hallt nach.

Mit Jean-Philippe Rameaus «Le Rappel des Oiseaux», das in seinen zehn Sätzen unterschiedliche Tempi und Tonalitäten vereint sowie der Zugabe aus der Feder von Franz Liszt endet der Auftritt des Calefax Reed Quintetts. Da die Musiker gerne betonen, sie liessen sich von Einflüssen der Weltmusik, des Jazz und der Improvisation inspirieren, bedauert manch ein Zuhörer, dass die Bläser kein einziges Werk aus diesen Sparten intoniert haben. Es hätte dem Publikum eine weitere Dimension des Hörens von Rohrblatt-Instrumenten beschert.

Erstellt: 13.01.2019, 17:23 Uhr

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