Fussball

Flug auf Wolke sieben geht weiter

Adliswil startet heute Samstag um 18 Uhr zu Hause gegen Pajde in seine zweite Saison in der 2. Liga interregional.

Joel Vegezzi (l.) und seine Adliswiler Teamkollegen nehmen nun in ihrer zweiten Saison in der 2. Liga interregional Mass. Heute Samstag um 18 Uhr geht es im Heimspiel gegen Pajde aus Möhlin los.

Joel Vegezzi (l.) und seine Adliswiler Teamkollegen nehmen nun in ihrer zweiten Saison in der 2. Liga interregional Mass. Heute Samstag um 18 Uhr geht es im Heimspiel gegen Pajde aus Möhlin los. Bild: Moritz Hager

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Es war am Samstag, 15. Juni dieses Jahres. Zwischen 19.50 Uhr und 20.20 Uhr waren die Nerven der Adliswiler interregionalen Zweitligafussballer besonders angespannt. Sie hatten zwar ihr letztes Meisterschaftsspiel in Möhlin bei Pajde eben 3:0 gewonnen, aber um 20 Uhr stand es in Aarau zwischen den Eagles und Wangen bei Olten 0:1. Wenn die Solothurner siegen, dann muss Adliswil nach einer Saison wieder in die 2. Liga absteigen.

Die letzte Runde ist so anberaumt, dass alle Partien gleichzeitig beginnen und zu Ende sind. Am 15. Juni war es anders. Weil es in Aarau stark regnete, musste der Schiedsrichter den Match eine halbe Stunde lang unterbrechen. Deshalb wartete die Adliswiler Delegation in Möhlin im Ungewissen. Natürlich waren sie in Kontakt zur Partie in Aarau. Um 20.20 Uhr, in der 90. Spielminute, führte Wangen bei Olten noch immer. Die Gemütslage bei den Sihltalern war mies wie das Wetter. Weil es für die Eagles Aarau in diesem Match um nichts mehr ging, waren sie überzeugt, dass Wangen bei Olten, das den Sieg brauchte, die drei Punkte in der Nachspielzeit würde verteidigen können.

Flexibler Trainer

Doch dann kam die wundersame Nachricht aus Aarau. Die Gastgeber hatten in der 93. Minute ausgeglichen! Und retteten dieses Resultat bis zum Schlusspfiff. Verständlich, dass dann im Adliswiler Lager Jubel ausbrach. «Es war eine eigenartige Stimmung, kurz bevor wir vom Ausgleich in Kenntnis gesetzt wurden», berichtete damals Adliswils Vereinspräsident Bruno Stäubli.

«Mittlerweile regnete es auch in Möhlin sehr stark, das Wetter und unsere Stimmung waren düster und wir mussten immer mehr damit rechnen, dass wir absteigen», fuhr er fort. «Und plötzlich kam die Nachricht vom Ausgleich. Natürlich fiel uns ein Stein vom Herzen. Besonders nach dem Schlusspfiff», hielt Stäubli zusätzlich fest. Als Dank für den Ligaerhalt lief tags darauf Adliswils Trainer Gianmario Pischedda zu Fuss von Adliswil nach Einsiedeln!

Coach Pischedda, der das Team bereits vom Januar 2017 an von der 3. in die 2. Liga und von dort in die 2. Liga interregional geführt hatte, hatte grossen Anteil am Klassenerhalt des Aufsteigers in der 2. Liga interregional. Der 38-Jährige zeigte sich flexibel. Nachdem sein Team in der 3. Liga und in der 2. Liga die Gegner meist dominiert hatte, war es in der 2. Liga interregional natürlich anders. In einem Punkt wich Pischedda aber nicht von seinen Vorstellungen ab. «Ich will jedes Spiel gewinnen», sagt er noch immer unmissverständlich.

«Wir haben in der 2. Liga interregional noch mehr
gemerkt, dass es nur über das Kollektiv geht. Das liess uns näher zusammenrücken.»
Joel Vegezzi,  
Adliswils Mittelfeldspieler, über die vergangene Saison.

Bezüglich Spielsystemen aber hat er versucht, über verschiedene Wege den Gegner zu schlagen. «Ich bin in verschiedenen Matchs von einem 4-3-3 auf ein 4-2-4 auf ein 3-2-5 übergegangen», hält er fest. Den Ligaerhalt, den sich seine Spieler mit vielen tollen und reifen Leistungen erkämpft haben, schreibt der Trainer jedoch nicht nur seinen Ideen zu. «Das Team hat bei allem, was wir gemacht haben, voll mitgezogen und war immer offen für Neues. Und unser Winter-Neuzuzug Adriano Sodano hat auch eingeschlagen.»

Die Adliswiler Akteure, von denen die meisten bereits in der 3. Liga dabei waren, haben in den vergangenen Monaten ungewohnte Situationen erlebt. Zuvor hatten sie über eine lange Zeitspanne die meisten ihrer Meisterschaftsspiele gewonnen. Plötzlich war es in der 2. Liga interregional, als die Equipe als Aufsteiger gegen den Abstieg gekämpft hat, anders. «Wir waren mental natürlich auf die neue Situation vorbereitet», berichtet Mittelfeldspieler Joel Vegezzi. Der 26-Jährige nennt einen weiteren Faktor des Adliswiler Erfolges: «Wir haben in der 2. Liga interregional noch mehr gemerkt, dass es nur über das Kollektiv geht. Das liess uns näher zusammenrücken.»

Gesunde Vereinsfinanzen

Das Adliswiler Team profitiert auch vom intakten Verein. Der extrem fleissige Clubpräsident Bruno Stäubli hilft an allen Ecken und Enden, und Sportchef Hans Laseroms hält, obwohl er ein lockerer Niederländer ist, die Zügel fest in der Hand. «Natürlich ging bei uns in den vergangenen Monaten alles sehr schnell. In der 2. Liga interregional häuften sich zum Teil höhere Kosten an. An die weiten Auswärtsspiele braucht es einen Car, die Schiedsrichter sind teurer, und die Spieler erhalten einen Zustupf für das Trainingslager oder sonst einen Beitrag für ihr Material. Aber weil wir unseren Spielern kein Geld geben, haben wir finanziell alles im Griff», berichtet er.

Das Saisonziel der Adliswiler lautet natürlich wieder Klassenerhalt. Auch darin sind sich Hans Laseroms, Gianmario Pischedda und Joel Vegezzi einig: Sie wären froh, wenn sie nicht noch in der letzten Meisterschaftsrunde deswegen zittern müssen. So wie am 15. Juni dieses Jahres um 20.20 Uhr bei stürmischem Regen in Möhlin.

FC Adliswil

Trainer: Gianmario Pischedda (geboren 1980). – Torhüter: Fabien Burkhalter (98), Salvatore Giangreco (88), Marc Haberstroh (92/Blue Stars). – Verteidigung: Tobias Bosbach (92), Yannick Gross (93), Alex Partner (95), Mauro Bindi (91), Philipp Hoheneck (94), Marco Caracuta (98), Joel Grand (00), Dave Burkhardt (99). – Mittelfeld: Alex Dogan (99/Thalwil), Luca Schmid (91), Joel Vegezzi (93), Isaac Escobar (96), Simon Zangger (90), Enrico Cannazza (93), Benji Da Silva (97), Joel Zürni (00/Frauenfeld). – Angriff: Boussano Dieu (97/YF Juventus), Ahmad Abou (96), Kushtrim Bakolli (98), Gilles Steiger (91), Robin Oberholzer (00), Adriano Sodano (90). – Abgänge: Alessandro Esposito (Thalwil), Patrick Hug und Deniz Kurmann (beide Wollishofen), Luiz Muino, Cedric Robout und Lukikenga Coco (alle ?).

Erstellt: 10.08.2019, 11:57 Uhr

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