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Finanzplatz kann Position halten

Für die Finanzbranche zeichnet sich nach mehreren schwierigen Jahren ein Silberstreifen am Horizont ab. Für die Angestellten gilt das allerdings nur mit Einschränkungen: Der Stellenabbau ist bislang zwar weniger ausgeprägt als befürchtet ausgefallen, dürfte sich aber fortsetzen.

Der Finanzplatz Zürich kann sich trotz Gegenwind behaupten.
Der Finanzplatz Zürich kann sich trotz Gegenwind behaupten.
Keystone

Die Zürcher Finanzbranche konnte sich in den vergangenen Jahren sowohl im internationalen Umfeld wie auch innerhalb der Schweiz behaupten. «Der Finanzplatz Zürich bleibt das Rückgrat der Zürcher Wirtschaft», sagte Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) bei der gestrigen Präsentation des Monitorings Finanzplatz Zürich. Die im Auftrag von Kanton und Stadt Zürich erstellte Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes BAK Basel untersucht alle zwei Jahre die Entwicklung der Finanzbranche und stellt Prognosen für die kommenden Jahre auf. Zum Finanzplatz Zürich werden auch die in den Kantonen Zug und Schwyz ansässigen Unternehmen der Branche hinzugezählt.Die Eckdaten des Finanzplatzes haben sich im Vergleich zur letzten Ausgabe der Studie nicht dramatisch verändert: Die Wertschöpfung des Finanzplatzes Zürich trug 2015 rund 44 Prozent zur Wertschöpfung des gesamten Schweizer Finanzsektors bei. In der Region Zürich beträgt der Anteil des Finanzsektors 17 Prozent des regionalen Bruttoinlandprodukts. Knapp jeder zehnte Beschäftigte der Region ist im Finanzsektor tätig. Im Global Financial Centres Index, eine Rangliste der wettbewerbsfähigsten Finanzplätze weltweit, liegt Zürich auf Platz 9. Innerhalb Europas belegt Zürich damit nach London den 2. Platz.

«Gründe für Optimismus»

Gemäss der Studie kann der Finanzsektor in der Region Zürich in den kommenden Jahren seine Wertschöpfung etwas stärker steigern als in den vergangenen Jahren. Thomas Ulrich, Präsident des Zürcher Bankenverbandes und Regionaldirektor der UBS Zürich, teilt diese Einschätzung. «Es gibt gute Gründe für Optimismus», sagt er. Als Beispiele nennt er die Digitalisierung und das möglicherweise nahende Ende der Tiefzinsphase.

Überbewerten sollte man die Hoffnungen auf eine etwas höhere Wachstumsdynamik aber nicht: «Die frühere Lokomotivfunktion der Finanzbranche sehen wir in den kommenden Jahren noch nicht wieder», sagt Martin Eichler, Chefökonom von BAK Basel.

Die Digitalisierung ist für die Angestellten der Banken ein zweischneidiges Schwert: Die damit einhergehende Steigerung der Produktivität des Unternehmens ist mit Stellenabbau verbunden (siehe Text unten).

Weniger schlimm als erwartet

Betrachtet man die Entwicklung der Stellen im Zürcher Finanzsektor, fand in den vergangenen Jahren ein Abbau statt: Wurden 2011 noch 93 500 Beschäftigte (Vollzeitäquivalente) verzeichnet, waren es 2015 nur noch 90 400. Die Erwartungen waren zwischenzeitlich aber noch schlechter. «Per Saldo ist der befürchtete Stellenabbau nicht eingetreten», sagt Eichler.

Von 2011 bis 2015 fand zudem eine Verschiebung statt: Während die Banken Stellen abbauten, stieg die Zahl der Beschäftigten bei den Versicherungen. Auch innerhalb der Banken gab es Verschiebungen, welche aus der Beschäftigtenstatistik nicht ersichtlich sind: Es wurden beispielsweise Stellen im Frontbereich abgebaut, während die Zahl der Beschäftigten im Bereich Compliance wuchs. Das dämpft zwar den ausgewiesenen Netto-Stellenabbau, ist für die individuell Betroffenen aber ein schwacher Trost: Der entlassene Bankangestellte, der am Schalter sass oder anderweitig Kunden betreute, hat nicht die notwendige Ausbildung, um sich künftig in der Rechtsabteilung um die Einhaltung der immer komplexer werdenden Regulierungen für die Banken zu kümmern.

Diese Entwicklung dürfte in den nächsten Jahren anhalten. Die Arbeitswelt im Finanzsektor ist im Umbruch, die Anforderungen an die Mitarbeitenden steigen tendenziell. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Beschäftigten leicht sinken: Die Prognose bis 2017 geht von einem Abbau auf 89 000 Stellen aus.

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