Zürich

Es soll bei einer Ehrenrunde bleiben

Der FCZ will auf direktem Weg zurück in die Super League. Ob sie diesem Anspruch über die Rhetorik hinaus auch wirklich gewachsen sind, müssen die Zürcher aber erst noch nachweisen.

Die Fans der Südkurve freuen sich offensichtlich auf die neuen Gegner in der Zweitklassigkeit – der FCZ hat bislang rund 5000 Saisonkarten abgesetzt.

Die Fans der Südkurve freuen sich offensichtlich auf die neuen Gegner in der Zweitklassigkeit – der FCZ hat bislang rund 5000 Saisonkarten abgesetzt. Bild: Keystone

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An diesem Montagabend beginnt für den FCZ also mit dem Derby gegen den FC Winterthur diese furchtbare Zeit, in der er, der grosse Grossklub, durch die Niederungen der Fussballprovinz namens Challenge League tingeln muss. Der Verein, der von sich selbst sagt und dem es auch viele bestätigen, er gehöre doch in die Super League. Allein, er ist zu Recht abgestiegen. Er spielt jetzt dort, wo er es verdient. Im – aus seiner Sicht – besten Fall dauert diese Ehrenrunde nur ein Jahr, wie für einen Schüler, der sitzengeblieben ist, ein Schuljahr wiederholen muss – und dann doch ins Leben findet.

Wenn man die FCZler nun reden hört, den Trainer Uli Forte beispielsweise oder den (neuen) «Leiter Sport» Thomas Bickel, dann erkennt man leicht eines: Sie wollen keinesfalls den Eindruck erwecken, die Aufgabe zu unterschätzen. Also sagt Forte, der einst schon den FC St. Gallen direkt in die Elite zurückführte: «Der Aufstieg ist sicher schwieriger als oben zu bleiben.» Und Bickel: «Einen Aufstieg kann man nicht planen. Aber unternehmen wir alles, unser Ziel zu erreichen – und aufzusteigen.» Womit er sagen will: Der Fussball ist zu einem Teil unwägbar, der eigene Erfolg hängt eben auch immer von der Qualität der Gegnerschaft ab.

«Lohnsumme nicht höher»

Nun, diese Gegnerschaft, zuerst mal der FC Winterthur, dann gleich der womöglich ernsthafteste Herausforderer aus Wil, sieht sich einem FCZ gegenüber, den er als Riesen wahrnimmt, mit einem Budget von gewiss 20 Millionen Franken, mit einer Mannschaft, die nicht billiger ist als jene der vergangenen Saison. Das überrascht insofern nicht, als Präsident Ancillo Canepa unmittelbar nach dem Abstieg gesagt hatte, die Vereinsführung – also die Canepas – werde ein «Budget für den Aufstieg» zur Verfügung stellen. Das darf man auch so sehen: Es kann notfalls gar höher sein als das bisherige.

Bickel sagt dazu: «Im Moment haben wir einen Transferüberschuss.» Dafür sorgten die einzigen Abgänge prominenter und – vor allem – talentierter Spieler, die der FCZ gerne gehalten hätte: Von Kevin Bua und Anto Grgic, für die der FC Basel und der VfB Stuttgart eine Ablöse leisteten. Bickel sagt aber auch: «Im Moment ist die Lohnsumme nicht höher als in der vergangenen Saison – obwohl die Spieler mit laufenden Verträgen keine Abstriche machen mussten.»

27 Mann, inklusive vier Torhüter und einen noch geraume Zeit verletzten Feldspieler wie Mike Kleiber, umfasst das aktuelle Kader. Wer jetzt dabei ist, also auch welche wie Oliver Buff und Armando Sadiku, hätten «ihr Bekenntnis zum FCZ abgelegt. Sonst stünden sie jetzt nicht im Kader,» stellt Bickel klar. Aber er sagt auch: «Es kann oder wird noch den einen oder andern Abgang und Zuzug geben.» Wenn beispielsweise «EM-Held» Sadiku doch noch geht, muss ein Ersatz verpflichtet werden. Es könnte sich aber auch als notwendig herausstellen, die Abwehr noch um einen erfahrenen Mann zu ergänzen. In einem Fall allerdings ist nicht mehr mit einem Einsatz zu rechnen: «Für Cabral suchen wir eine Lösung,» bestätigt Bickel. Der Mittelfeldspieler kam vor einem Jahr, unterschrieb bis 2019 und half wenig – eine teure Investition.

Dann ist vorbei mit dem «netten Bickel»

Dass Bickel jetzt als Leiter Sport neben dem Trainer Forte sitzt, liegt ja auch im Abstieg begründet. Ein bisschen haben sie danach schon umstrukturiert beim FCZ, und Präsident Canepa ist in den zwei Wochen vor dem Saisonstart in den Ferien. Natürlich, sagt Bickel, stehe er laufend im Kontakt mit Canepa. Aber die Verhandlungen führe er – und an ihn gingen die «bis zu 50 Telefonate» pro Tag etwa von interessierten Spielervermittlern. Auch Bickels Arbeit wird dann daran gemessen, ob das Kader «definitiv nicht schwächer ist als in der vergangenen Saison», wie er sagt. «Notfalls», lässt er schon mal wissen, werde es «auch vorbei sei mit dem netten Bickel.»

Sein Partner Forte spricht, mit wie üblich markigen Worten, vom «Startschuss in eine neue Aera.» Er hat Spieler bekommen, die für diese Liga grössere Nummern sind wie Andris Vanins, den Torhüter, Adrian Winter oder Dzengis Cavusevic. Gleichsam ein «Neuer» ist auch Marco Schönbächler, der nach anderthalb Jahren Verletzungspause «das ganze Trainingsprogramm mitmachte», wie sich der Coach freut.

«Wir müssen das Thema Challenge League annehmen», sagt Forte nochmals. Das habe er seinen Spielern nochmals klargemacht nach dem 0:1 vor gut zwei Wochen in Schaffhausen, also gegen einen direkten Konkurrenten. Deshalb sei er geradezu «froh gewesen um jene Niederlage.» Nur, auch das sind erst Worte. Wie sie es waren im Frühjahr, als trotz aller rhetorischen Bekundungen eben doch die Fähigkeit fehlte, den Abstiegskampf – um beim Wort zu bleiben – «anzunehmen».

Mehr Saisonkarten abgesetzt

Es braucht, wie die «Ehrenrunde» eines sitzengebliebenen Schülers, fürs spätere Leben ja kein Nachteil zu sein, wenn man mal ein Jahr die Gegenden der Challenge League kennenlernt, die ja gar nicht so exotisch sind wie sie aus der Perspektive des Letzigrunds aussehen mögen. Man kann das Ganze ja auch als interessante Abwechslung sehen. Ein positives Signal ist für den FCZ ja auch, dass sie schon 5500 Saisonkarten absetzten, ein paar hundert mehr als in der vergangenen Saison. Die Südkurve wird wieder voll sein. Die Mannschaft muss jedenfalls nicht alleine durch die Challenge League ziehen. Aber Punkteprämien, so stellt Bickel schon mal in Aussicht, wird es nur geben, wenn das Saisonziel erreicht wird. Das kann, dabei bleibts, nur eines sein: Platz 1, der Aufstieg.

Erstellt: 22.07.2016, 11:12 Uhr

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