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Fasziniert von den Gegensätzen eines Landes

Aufgewachsen in Adliswil, ist sie seit Jahren wohnhaft in Männedorf. Nicht immer aber verlief das Leben von Jetty Meier in hiesigen Gefilden: Vier Jahre hat sie in El Salvador gelebt.

Jetty Meier schrieb ein Buch über El Salvador, wo sie vier Jahre gelebt hat.
Jetty Meier schrieb ein Buch über El Salvador, wo sie vier Jahre gelebt hat.
Michael Trost

«Diese Menschen . . .», Jetty Meier hält inne. Blick nach oben, kopfschüttelnd, sucht sie nach Worten. Kein Adjektiv, keine Umschreibung, kein Vergleich scheinen recht zu passen. «So fröhlich. So ehrlich. So gastfreundlich», zählt sie schliesslich auf, jedes einzelne Wort mit Bedacht abwägend. Um aus dem Fundus der Sprache zu schöpfen, was möglichst nahe an die Gefühle kommt, die so präsent sind, als hätte sie sie eben erst durchlebt. Dabei liegen zwei und mehr Jahre zurück seit den Erfahrungen, die ihr die prägenden Eindrücke hinterlassen haben.

Es sind die Menschen von El Salvador, die die Männedörflerin zu umreissen versucht. Von 2011 bis 2015 hat die heute 62-Jährige in dem zentralamerikanischen Land gelebt. Und weil Land und Leute sie so faszinierten, habe sie bald damit begonnen, sich laufend ihre Erlebnisse zu notieren – «frisch von der Leber weg». Nun sind diese als Buch erschienen.

Paradiesische Strände

«El Salvador – Lebensfreude trotz Armut und Gewalt» heisst das Buch. «Ich hätte den Titel nicht besser wählen können», resümiert Meier. Denn er mache auf das Spektrum eines Landes aufmerksam, von dem die meisten Menschen hierzulande nur die eine Seite kennen würden: die des Bürgerkrieges, der zwischen 1980 und 1992 rund 70 000 Menschen das Leben gekostet hat. Und die seiner Nachwehen – Armut, Drogenkriege, hohe Mordrate.

«Dabei ist es ein wunderbares Reiseland», sagt Meier. Um von paradiesischen Stränden zu schwärmen, von Wanderungen in Nationalparks. Von farbenfrohen Festen und Menschen, die sich über Touristen freuen würden. «Touristen willkommen», habe sie einmal auf einem Transparent gelesen. Freilich müsse man einige Regeln beachten. «Den öffentlichen Verkehr zu benutzen und auf eigene Faust zu reisen, ist nicht ratsam.»

Kontakt zu Einheimischen

Meier, die in Adliswil aufgewachsen ist, ist sich bewusst, dass sie die Sicht einer Privilegierten hat. Nach El Salvador hatte es sie der Arbeit ihres Mannes wegen verschlagen. Als Expats gehörte das Ehepaar der oberen Gesellschaftsschicht an; es lebte in einem 23-stöckigen Wohnturm «in einem besseren Quartier» von Antiguo Cuscatlán. Bewaffnetes Sicherheitspersonal bewachte das Haus. Von den Drogenbanden, die die Bevölkerung mit dem Eintreiben von Schutzgeldern drangsalieren und regelmässig auch Busse überfallen, blieben Meier und ihr Mann unbehelligt. Dies nicht zuletzt, weil sie sich einen Chauffeur geleistet hatten.

Dennoch habe sie Einblicke in den Alltag der Bevölkerung gewonnen. «Ich habe mich bald einmal einsam gefühlt», sagt sie. Sie büffelte intensiv Spanisch und fand so Zugang zu verschiedenen Leuten. Dadurch wiederum ergab sich, dass sie bei der gemeinnützigen Organisation «Con Textos» als Verantwortliche für Personal und Administration mithelfen konnte. Die Organisation richtet in öffentlichen Schulen Bibliotheken ein – ein Bereich, der ihr nicht unbekannt war: Vor dem Umzug nach El Salvador hatte sie lange als Personalverantwortliche an der Schule Wallisellen gearbeitet.

Schwierige Abreise

Durch die Kontakte mit den Einheimischen habe sie deren schwierige Lebensbedingungen mitbekommen. Erfuhr etwa, dass ohne grosses Federlesen erschossen wurde, wer bei einem Überfall nicht hergab, was die Bandenmitglieder wollten. Dass Busfahrer nicht selten unter Drogeneinfluss das Fahrzeug steuerten. Und dass sie zu den Menschen mit den auffälligen Tätowierungen auf Distanz gehen musste: Es seien dies die Maras, Mitglieder der berüchtigten Drogenbanden.

Sie selber habe nur zwei schwierige Momente erlebt: das Ankommen und – noch mehr – ihre Abreise nach den vier Jahren, in denen sie die vielen Facetten des Landes hatte sehen können.

Zwei Jahre lebte sie mit ihrem Mann anschliessend in Kolumbien; seit Juli ist das Paar nun wieder zurück in Männedorf. Um sich scheinbar alltäglicher Dinge wieder bewusst zu sein: «um 23 Uhr gefahrlos alleine unterwegs sein zu können» etwa.

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