Stäfa

Eine Ode an die musikalische Vielfalt

Seit fast 50 Jahren ist Dodo Hug in der Musikszene aktiv. Im Rössli gastierte sie mit ihrer Band und dem neuen Liederprogramm Cosmopolitana – eine musikalische Stilvielfalt ohne Grenzen.

Dodo Hug trat am Freitag mit ihrer Band im Rössli in Stäfa auf.

Dodo Hug trat am Freitag mit ihrer Band im Rössli in Stäfa auf. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie gehört zu den originellsten Erscheinungen der Kleinkunstszene: nie anbiedernd an den Mainstream, nie eintönig, stets lustvoll fabulierend, virtuos zwischen einem halben Dutzend Sprachen hin und her hüpfend. Dodo Hug, im Februar 69 Jahre alt geworden, ist ein Phänomen, das sich in keine Schublade einordnen lässt. Die Sängerin, Musikerin, Komponistin, Komikerin und Autorin, deren Laufbahn 1972 als Strassen- und Beizenmusikantin in der Berner Altstadt ihren Anfang nahm, ist einst für die Karriere eigens nach Zürich gezogen.

Obwohl Dodo Hug akzentfrei Zürcher Dialekt spricht, begrüsst sie ihr rund 150-köpfiges Publikum im Stäfner Rösslisaal auf Berndeutsch. Und stimmt mit ihrer Band den Titelsong ihres neuen Liederprogramms an: «Cosmopo, Cosmopo, Cosmopolitana» singt sie mit ihrer warmen und wandlungsfähigen Stimme, und dies gleich mehrsprachig. Diese sprachliche Vielseitigkeit und Virtuosität ist ein Markenzeichen von Dodo Hug. Und darum ist «Cosmopolitana» ein Song über sie selbst: Sie, die sich ebenso weiss wie schwarz und in allen Sprachen zu Hause fühlt, die sowohl das Lied wie auch den Tanz verkörpert, die keine Grenzen kennt und von einer Welt mit gleichgesinnten Menschen träumt. So heisst es im Song.

Auch auf Italienisch

An der Seite der Sängerin, die an diesem Freitagabend eine schwarzrandige runde Brille und das blonde Haar hochgesteckt trägt, spielt der Gitarrist und Cantautore Efisio Contini. Seit 25 Jahren ist der gebürtige Sarde Hugs Bühnen- und Lebenspartner, wegen ihm ist die Wahlzürcherin seit 2004 schweizerisch-italienische Doppelbürgerin. Regelmässig sind die beiden im Duo oder wie derzeit mit Musikerkollegen unterwegs. Ihre Duette auf der Stäfner Bühne, vor allem diejenigen auf Italienisch und Spanisch, das Zusammenfliessen ihrer hellen klaren Stimme mit seinem sonoren Timbre, einzig durch sein Gitarrenspiel begleitet, sind akustisch etwas vom Feinsten.

Stimmlich unterstützt wird Dodo Hug von Yvonne Baumer «us em Bärnbiet», wie diese die Backing-Sängerin vorstellt. Der Vierte in der aktuellen Formation ist der Zürcher Bassist Stefano Neri, ebenfalls mit italienischen Wurzeln. Und nicht zuletzt sitzt Dodo Hug auch als Musikerin inmitten ihrer Gitarren, Mandoline, Ukulele und Perkussionsinstrumente, die sie mit einer Leichtigkeit bespielt, als wären sie ein Teil von ihr.

Die Grande Dame der Schweizer Musik- und Kleinkunstszene, die einst in einem Interview bekannte: «Rock und Hip-Hop sind nicht meine Sache», beherrscht dafür den ganzen Rest der Genres. Ob Blues, Folk, Chanson, Popsong oder Ballade – ihre Stimme hat eine Klangfarbe, die so vielseitig ist wie ihr Naturell. Intoniert sie etwa den Song «Cuba» des Amerikaners Irving Berlin, fühlt man sich in die Zeit des Broadways versetzt. Jazzig und lässig kommt «Cosmetic Emotion» daher, eine Parodie über die dem Alter entgegenwirkenden Crèmes und Lotionen. Wie auch in weiteren Titeln prägt feiner Humor ihre Aussagen, die stets gespickt sind mit befreiendem Witz und erfrischender Ironie. Schliesst man die Augen, würde man schwören, da vorne sitze eine schwarze Soul-Sängerin mit dieser gewaltigen Stimme. Nein, es ist Dodo Hug, die als Höhepunkt das nonverbale Finale in einen frechen Jodel verpackt.

Für mehr Gerechtigkeit

«Laki Penang» widmet die Band dem vor fast 20 Jahren auf Borneo verschollenen Bruno Manser, der gegen die Abholzung der Regenwälder gekämpft hat. Efisio Contini hat den Song aus der Sicht eines Einheimischen geschrieben und übernimmt die erste Stimme in dieser melancholischen Ballade.

Kritisch befasst sich die Band in «Global Village» und «Emigrant Eyes» mit politischen Themen und gibt auch den ausgenutzten Näherinnen in asiatischen Textilfabriken damit eine Stimme. Deren Ohnmacht wird in einen aufwühlenden Beat gebettet. «Bittibätti» ist eine knallharte Anklage gegen die herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftskreise, wo um gleiche Rechte, gerechten Lohn oder für mehr Kulturförderung gebettelt werden muss.  Und immer sind da die wunderschönen, melodiösen und mitreissenden Songs, mit denen Dodo Hug ihre Fans wieder einmal glücklich gemacht hat.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.04.2019, 17:04 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!