Schlieren

Eine Drohne macht den Maler

Die Farbe für die Fassade des Rettungsdienst-Stützpunktes am Spital Limmattal kam über die Luft.

Die Drohne des ETH-Start-ups Voliro kann die Rotoren bewegen, ohne die Plattform zu neigen.

Die Drohne des ETH-Start-ups Voliro kann die Rotoren bewegen, ohne die Plattform zu neigen. Bild: Chris Iseli

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Anfänglich deutet das Surren auf nichts Spezielles hin; beim Spital Limmattal in Schlieren schwebt eine Drohne in der Luft. Doch diese macht nicht bloss Fotos vom Abbruch des alten Spitalgebäudes oder vom Neubau, wie sich kurz darauf zeigt. Denn plötzlich verstärkt sich das Summen, es zischt und spritzt. Die Drohne macht den Maler. Sie sprüht Farbe auf die Fassade des neuen Rettungsdienst-Stützpunktes.

Die Drohne des aus der ETH hervorgegangenen Start-ups Voliro fliegt computergesteuert exakt entlang der Fassade. Am Ende angekommen, verringert sie leicht die Höhe und bewegt sich wieder zurück. Unablässig schwebt sie hin und her. Während ihres Flugwegs sprüht sie Farbe an die Fassade. Erreicht sie die mit Blachen abgedeckten Fenster wird der Farbstrahl jeweils unterbrochen.

Zwei Dutzend Personen wuseln herum

Das Surren und Zischen lockt Zuschauer an. Früher, meint einer lachend, hätten für so ein kleines Gebäude vier Maler ausgereicht. «Jetzt schau Dir das an, heute braucht es dafür zehn Techniker.» In der Tat halten sich viele Personen im Baustellenbereich auf. Rund zwei Dutzend sind es, die mit Bauhelmen, Stiefeln und Warnwesten um die Drohne herumwuseln. Das ist nicht erstaunlich: Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen, eingespielten Vorgang – sondern um einen ersten Versuch unter realen Bedingungen. Deshalb sind nicht nur die benötigten Techniker vor Ort, sondern viele weitere Voliro-Teammitglieder sowie Vertreter von Spital und Bauleitung.

«Wir testen innovative Lösungen», sagt Sasha Edelmann von der Generalunternehmung Losinger Marazzi, die den Spitalbau verantwortet. Anders als in anderen Bereichen stecke die Robotik im Bau noch in den Kinderschuhen. «Wir wollen Erfahrungen sammeln, was alles möglich ist.» Dass professionell ein Gebäude mit einer Drohne angestrichen wird, sei eine Premiere, sagt Edelmann. Mit dem Spital Limmattal habe man einen innovativen Partner, mit dem man derartige Versuche wagen könne.

Zum Einsatz gelangt am Spital die von Voliro entwickelte omni-direktionale Drohne. Mit ihren beweglichen Rotoren lässt sie sich exakt steuern, ohne dass sich dabei die Plattform neigt. Das Fluggerät kann deshalb beispielsweise auch einen Sensor mehrere Sekunden an ein Rohr drücken, was Untersuchungen in luftiger Höhe erleichtert.

«Hand am Himmel»

Die Drohne sei wie «eine Hand im Himmel», lautet denn auch ein Werbeslogan des Zürcher Start-ups, das mit seinen Entwicklungen bereits international für Schlagzeilen gesorgt hat. Für den Anstrich des Rettungsdienst-Stützpunktes ist die Drohne mit einem Sprühaufsatz ausgerüstet. Die Farbe wird dabei kontinuierlich vom Boden aus über einen dünnen Schlauch zur Drohne gepumpt.

Der Test am Spital verläuft weitgehend erfolgreich. Hin und wieder wird, wie dies bei einer Premiere üblich ist, etwas gebastelt und gepröbelt. So muss einmal die Kamera an der Drohne, die alles mitfilmt, geputzt werden – beim Sprühen waren zuvor ein paar Farbtropfen zurückgespritzt. Und einmal verlieren die Voliro-Systeme plötzlich ihre Energie, die Drohne muss notgelandet werden. Der Fehler ist rasch gefunden. Es ist einer, der unter Laborbedingungen zuvor nie vorgekommen war: An einem anderen Ort auf der Spitalbaustelle hatte ein Bauarbeiter den Voliro-Stecker herausgezogen und sein eigenes Gerät an den Strom angeschlossen.

Für Arbeiten am Hochhaus

Mit der Drohne geht der Anstrich des neuen Stützpunktes des Rettungsdienstes am Spital Limmattal relativ zügig voran. Es sei durchaus Potenzial vorhanden, um derartige Fluggeräte im Baubereich einzusetzen, sagt Edelmann. Beim Start-up Voliro denkt man beispielsweise darüber nach, die Drohne für Unterhaltsarbeiten an Hochhäusern einzusetzen. So liessen sich Fassaden oder auch Fenster abspritzen.

Der Versuch am Spital Limmattal lockt auch Bauarbeiter an, die nebenan das alte Bettenhochhaus abreissen. Dass die Drohne sie dereinst ersetzen könnte, glauben sie nicht. «Eine Drohne kann eine gute Ergänzung sein», sagt einer. Für eine punktuelle Ausbesserung eigne sich beispielsweise eine Drohne durchaus, so müsse nicht extra für eine kleine Arbeit ein Gerüst errichtet werden. Doch bei heftigem Regen fliege die Drohne nicht und die Techniker blieben sicher auch in ihren Büros, wirft ein anderer lachend ein. «Wir bleiben aber immer draussen und chrampfen einfach weiter.»

Erstellt: 11.09.2019, 18:27 Uhr

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