Zum Hauptinhalt springen

Ein Extra-Zustupf für Zürcher Lehrbetriebe

Die Volksabstimmung war kontrovers, seit 2012 gibt es den Berufsbildungsfonds. Heute ist er unbestritten. Momentan lagert zu viel Geld in ihm. Die Lehrbetriebe dürfen sich daher über einen Zustupf freuen.

Lehrlinge bei der Arbeit: Der Berufsbildungsfonds unterstützt Betriebe, die in den Nachwuchs investieren.
Lehrlinge bei der Arbeit: Der Berufsbildungsfonds unterstützt Betriebe, die in den Nachwuchs investieren.
Keystone

Einen Betrag in der Höhe von einem Promille der Lohnsumme zahlen Zürcher Firmen, die keine Lehrlinge ausbilden, jährlich in den kantonalen Berufsbildungsfonds (BBF) ein. Der Abstimmungskampf, als es um seine gesetzliche Verankerung ging, war heftig geführt worden. Die bürgerliche Seite hatte sich gegen zusätzliche Bürokratie und generell eine neue Steuer gewehrt. Heute sei der BBF querbeet anerkannt, sagt Lukas S. Furler. Er ist Präsident der neunköpfigen Berufsbildungskommission, welche über die Verwendung der Fondsmittel befindet. Als Direktor des Waidspitals ist Furler Arbeitgebervertreter und präsidiert die Kommission, seit es sie gibt.Thomas Hess bestätigt die Einschätzung Furlers. Er hat als Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbands Einsitz in dem Gremium. Er verweist darauf, dass vor allem die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) Lehrlinge ausbilden, und sagt: «Sie erhalten mit dem Fonds auch etwas zurück.» So flossen letztes Jahr 13,8 Millionen Franken an die überbetrieblichen Kurse, welche Lehrlinge besuchen müssen, und 2,8 Millionen Franken an die Durchführung der Lehrabschlussprüfungen. Dies ist dem gestern veröffentlichen Jahresbericht 2016 zu entnehmen. Zudem wurden projektbezogene Beiträge gewährt, etwa an die Berufsmesse Zürich oder den Lehrlingswettbewerb Züri-Oberland.

Schlank aufgestellt

Wichtig aus Gewerbesicht sei, sagt Hess, dass der Fonds in seiner heutigen Form wenig administrativen Aufwand verursache, und dass das auch so bleibe.

Per Ende 2016 wies der BBF einen Bestand von 23,7 Millionen Franken auf – was zu viel ist. Denn von Gesetzes wegen sind 20 Millionen das Maximum. Das Problem ist schon länger erkannt, weshalb für 2016 die Ausschüttung einer einmaligen Ausbildungszulage beschlossen worden ist. Die beitragsberechtigten Betriebe mussten dafür via Internet einen Antrag stellen. Was dann aber nicht alle taten. Rund ein Fünftel hat – warum auch immer – darauf verzichtet, sagt Furler.

Zweimal «einmalig»

Das ist einer der Gründe, warum der Fonds nach wie vor zu gut dotiert ist und im laufenden Jahr noch einmal eine «einmalige» Zulage ausgeschüttet wird. 2016 hatten davon 10 121 Betriebe profitiert, die je nach Anzahl Lernenden zwischen 500 und 40 000 Franken erhalten haben. Ab 2018 sollte der Saldo dann wieder im gesetzlichen Rahmen liegen und mittelfristig weiter sinken, sagt Furler. Der hohe Saldo rühre noch von einem Einnahmenstau her, der sich 2012 bei der Einrichtung des Fonds ergeben habe.

Als der BBF politisch auf den Weg gebracht wurde, war auch mit dem damaligen Lehrstellenmangel argumentiert worden. Die Beiträge sollten einen Anreiz bieten für Firmen, in den Nachwuchs zu investieren. Inzwischen präsentiert sich die Situation jedoch anders, viele Lehrstellen bleiben unbesetzt – im Kanton Zürich jeweils über 1000 in den letzten Jahren.

Lehrstellenüberfluss endet

Aber auch so hat der BBF seine Berechtigung, ist Furler überzeugt. In Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Situation mit dem teuren Franken leiste der Fonds seinen Beitrag, dass die Firmen weiterhin im grossen Stil ausbildeten. Das passe auch zu den Anstrengungen der Schweiz, den Fachkräftemangel nicht allein über mehr Einwanderung, sondern mit mehr und besserer Ausbildung zu bewältigen.

Hess wiederum verweist darauf, dass die Delle in der Nachfrage nach Lehrstellen wohl nur vorübergehend ist. Bis in fünf Jahren dürften geburtenstarke Jahrgänge dafür sorgen, dass sich Lehrstellen wieder leichter besetzen lassen oder je nach Konjunktur sogar knapp werden.

So jung der BBF noch ist – es ist bereits eine Revision geplant. Die Vernehmlassung dazu ist in der Auswertung. Heute sind die Regeln einfach: Wer keine Lehrlinge ausbildet, zahlt Beträge (ausser die Lohnsumme liegt tiefer als 250 000 Franken). Alle andern nicht – also zum Beispiel auch auch eine Firmen mit sehr viel Personal und nur einen einzigen Lehrling. Die neue Regelung zielt darauf ab, bei der Beitragshöhe zu gewichten, wie viele Lehrlinge ein Betrieb beschäftigt. Das wäre wohl gerechter, sagt Hess. Genau hinschauen müsse man aber, ob so nicht die Kosten in der Verwaltung und in den Betrieben überhand nähmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch