Stäfa

Dieses Mal muss Stäfa den Ausbau der Sportanlage allein stemmen

Bei der letzten Erweiterung der Sportanlage Frohberg in Stäfa beteiligte sich Hombrechtikon an den Kosten. Beim nun anstehenden Ausbau macht die Nachbargemeinde nicht mehr mit.

Der geplante Neubau schliesst an das bestehende Garderobengebäude des FC Stäfa an.

Der geplante Neubau schliesst an das bestehende Garderobengebäude des FC Stäfa an. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Stäfner Sportanlage Frohberg soll für 1,85 Millionen Franken einen Neubau mit einer Frauengarderobe und einer Schwinghalle erhalten. Über das Projekt haben Vertreter von Stäfa und Hombrechtikon während – je nach Quelle – zweier oder dreier Jahre hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Die Zusammenarbeit der beiden Gemeinden geht auf einen gemeinsam realisierten Ausbau des Frohbergs von 1981 zurück – und auf einen seit damals existierenden Zusammenarbeitsvertrag. An sämtlichen grösseren Investitionen waren fortan beide Gemeinden beteiligt: Stäfa zu zwei Dritteln, Hombrechtikon zu einem Drittel.

Damit ist nun Schluss. Die gemeinsam verfasste Medienmitteilung enthält nicht nur Informationen zum Neubau. Sie enthält auch eine Überraschung: Hombrechtikon zieht sich aus finanziellen Gründen aus dem Projekt zurück. Die Voraussetzungen bei den ordentlichen Steuereinnahmen hätten sich in den vergangenen Jahren wesentlich verschlechtert.

Demnach ist das Steuersubstrat pro Kopf von 3469 im Jahr 2011 auf 1945 Franken im Jahr 2017 gesunken. In Stäfa belief es sich vor zwei Jahren auf 4671 Franken. Auch der aktuelle positive Rechnungsabschluss Hombrechtikons könne nicht darüber hinwegtäuschen.

Andere Prioritäten

Der Hombrechtiker Rückzug habe in Stäfa keine Begeisterung ausgelöst, heisst es in der Mitteilung weiter (siehe auch Interview). Der Stäfner Gemeinderat anerkennt aber, dass die Haltung der Nachbargemeinde einzig und allein finanzpolitischer Natur sei und Hombrechtikon über andere wirtschaftliche Voraussetzungen verfügt als Stäfa.

In «Würdigung der Umstände und um das Projekt auf die Realisierungsschiene zu bringen», hat der Stäfner Rat entschieden, an der Gemeindeversammlung vom 17. Juni die gesamte Kreditsumme von 1,85 Millionen, also inklusive des Anteils Hombrechtikons in Höhe von 600000 Franken, zu beantragen.

Für den Hombrechtiker Gemeinderat handelt es sich beim Frohberg-Ausbau um einen «Wunschbedarf». Seine Prioritäten liegen bei anderen, eigenen Projekten, die nicht mehr hinausgeschoben werden könnten. So stehen die Sanierungen der Schulhäuser Neues und Altes Dörfli an. Hier rechnet die Behörde mit Kosten von rund 15,4 Millionen Franken.

Hinzu kommen weitere notwendige Investitionen beim Hochwasserschutz und bei der Revitalisierung des Feldbachs, die Sanierungen der Eichtal-, der Schlatt- und der Etzelstrasse, des Gemeindehauses sowie die ICT-Beschaffung an der Schule Hombrechtikon. Dafür werden weitere 6,7 Millionen Franken benötigt.

Genaue Zahlen gibt es nicht

Als «grundsätzlich gross» bezeichnet Hombrechtikons Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) den Stellenwert der Sportanlage Frohberg für seine Gemeinde. Und relativiert zugleich, weil es beim neuen Projekt vor allem um den Fussballclub geht. Der Tennisclub und der Handballclub seien nicht Teil des Vertrags.

«Da sich Hombrechtikon nicht an den neuen Kosten beteiligen wird, sollte sich für uns an der aktuellen Kostensituation auch zukünftig nichts verändern.»Rainer Odermatt, Gemeindepräsident Hombrechtikon

Über die Anzahl Hombrechtiker Sporttreibender gibt es keine verbindlichen Zahlen. «Aufgrund der Auszahlung der Jugendförderungsbeiträge wissen wir, dass 2018 insgesamt 526 Jugendliche im Frohberg trainierten, davon 147 aus Hombrechtikon», sagt Odermatt.

Sein Stäfner Amtskollege Christian Haltner (FDP) geht davon aus, dass «vermutlich rund ein Drittel aus Hombrechtikon kommt». Von dieser Splittung gingen die Behörden auch 1981 aus, als sie in einem Zusammenarbeitsvertrag den gemeinsamen Ausbau und den künftigen Betrieb regelten.

Anstehende Diskussion

Der gebrochene Vertrag wird noch Gegenstand von Diskussionen werden. Rainer Odermatt rechnet trotz Neubau nicht mit höheren Folgekosten für seine Gemeinde. «Da sich Hombrechtikon nicht an den neuen Kosten und natürlich auch nicht an den dadurch entstehenden Betriebskosten beteiligen wird, sollte sich für uns an der aktuellen Kostensituation auch zukünftig nichts verändern», sagt er.

Für die Betriebskosten der Anlage Frohberg wendet Hombrechtikon jährlich 40000 bis 50000 Franken auf. Hinzu kommen Abschreibungsbeiträge in einem ähnlich hohen Bereich. Der FC wurde in den letzten acht Jahren zudem mit jährlich 100000 Franken unterstützt.

Erstellt: 11.05.2019, 10:58 Uhr

Christian Haltner
Gemeindepräsident Stäfa (FDP).

Nachgefragt

«Wir erachten den Bau der Garderoben als dringlich»

Christian Haltner, wie nötig ist der Neubau mit der Frauengarderobe und der Schwinghalle?

Es bestehen bis zum heutigen Zeitpunkt viel zu wenige Garderoben für die Frauen und Juniorinnen des FC. Wir erachten den Bau der Garderoben deshalb als dringlich. Beim geplanten Ausbau wird rund die Hälfte der Fläche für Garderoben und die andere Hälfte für die Schwinghalle verwendet. Der Schwingclub erbringt eine höhere Eigenleistung als der Fussballclub.

Was bedeutet es für Stäfa, dass sich Hombrechtikon nicht wie in der Vergangenheit an den Kosten des Ausbaus beteiligt?

Wir waren sehr überrascht, als sich Hombrechtikon am Ende des Prozesses plötzlich zurückzog. Für Stäfa bedeutet dies vorerst eine höhere finanzielle Belastung, weil wir das Projekt nach der längeren Planungsphase vors Volk bringen wollen. Die freundnachbarlichen guten Beziehungen zur Nachbargemeinde wollen wir im gegenseitigen Dialog weiterpflegen.

2021 findet in Stäfa das kantonale Schwingfest statt. Muss aus diesem Grund noch rasch die Infrastruktur dafür erstellt werden?

Die Planung und der Prozess mit Beginn der Standortabklärungen für die Schwinghalle haben vor rund fünf Jahren begonnen. Das geplante Schwingfest trat erst letzten Herbst auf den Plan.

Angenommen, die Vorlage passiert am 17. Juni die Gemeindeversammlung. Wie sieht dann der Zeitplan aus?

Stimmt die Gemeindeversammlung dem Antrag des Gemeinderats über die Sportanlage Frohberg zu, würde bis Ende Jahr die Baubewilligung eingeholt und voraussichtlich im Jahr 2020 mit dem Bau begonnen werden. Der Bau sollte im selben Jahr abgeschlossen werden können.

1,85 Millionen Franken für ein paar Garderoben und eine Schwinghalle sind viel Geld. Welche Vereine profitieren neben dem FC und den Schwingern von der Aufwertung?

Rund eine halbe Million Franken wird für die Sanierung des bestehenden Gebäudes, unter anderem mit den alten Garderoben, verwendet. Auch die Schwinghalle soll für andere Nutzer und Sportarten zur Verfügung stehen. ?

Regula Lienin

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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