Gutachten

Die Trottoirs den Fussgängern

Die Stadt Zürich will künftig den Veloverkehr nur noch im Ausnahmefall über das Trottoir führen. Wo eine gemischte Nutzung von Velos und Fussgängern signalisiert ist, soll dies rückgängig gemacht werden – jedoch nicht von heute auf morgen. Zuerst wird eine Auslegeordnung erstellt.

Freiestrasse mit Veloweg auf dem Troittoir. So etwas soll es künftig nicht mehr geben in Zürich.

Freiestrasse mit Veloweg auf dem Troittoir. So etwas soll es künftig nicht mehr geben in Zürich. Bild: PD

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Darf der Veloverkehr über das Trottoir geführt werden? In der Stadt Zürich hat die Dienstabteilung Verkehr ein Rechtsgutachten dazu in Auftrag gegeben. Es kommt zu einem eindeutigen Schluss: Nein, das Trottoir ist grundsätzlich den Fussgängern vorbehalten. Gemäss Gutachten verläuft ein Trottoir direkt neben der Fahrbahn, es ist gegenüber dieser um mindestens fünf Zentimeter erhöht, circa zwei Meter breit und mit einem Hartbelag versehen. Es ist zu unterscheiden von Fuss- und Radwegen. Diese verlaufen abseits der Strasse und können – mit oder ohne Trennlinie in der Wegmitte – eine gemeinsame Nutzung von Fussgängern und Velos vorsehen.

Rekurse waren ohne Erfolg

Man habe schon dagegen rekurriert, dass auch Trottoirs so ausgeschildert und markiert werden, sagte gestern Christian Thomas vom Fussgängerverein Zürich. Man sei damit nicht durchgedrungen. Es habe geheissen, mit einer solchen Signalisierung werde das Trottoir eben zum Rad- und Fussweg. Umso erfreuter zeigte er sich über das Resultat des Gutachtens. Ein letztinstanzliches Gerichtsurteil, das die Frage geklärt hätte, liege seines Wissens nicht vor.

Das Gutachten war noch unter Departementsvorsteher Richard Wolff (AL) aufgegleist worden, im Einvernehmen mit dem Fussgängerverein. Es sei vereinbart worden, die Schlussfolgerungen des Gutachtens als bindend zu akzeptieren, sagte Vereinspräsident Klaus Zweibrücken. Verfasser sind die Juristen Alain Griffel und Mathias Kaufmann, beide tätig an der Universität Zürich.

Präsentiert wurde das Gutachten gestern von Wolffs Amtsnachfolgerin Karin Rykart (Grüne). Man werde nun den Anpassungsbedarf abklären und pragmatisch vorgehen, sagte sie. Dass sich die Sicherheit für die Velofahrer im Einzelfall verschlechtere, komme nicht in Frage. Man habe es mit einem Gutachten zu tun und nicht einem verpflichtenden Urteil, betonte Martin Guggi, Leiter Recht und Bewilligungen der Dienstabteilung Verkehr.

Ausnahme bleibt möglich

Abteilungsvorsteherin Esther Arnet führte aus, dass als Ausnahme weiterhin Velos auf einem Trottoirabschnitt zugelassen werden können. Dazu wird eine blaue Fussgängertafel aufgestellt, die durch ein weisses Schild «Velos gestattet» ergänzt ist. Drei Voraussetzung müssen gemäss Gutachten dafür erfüllt sein: Das Trottoir ist relativ schwach begangen, die Strasse relativ stark befahren, die Massnahme dient der Sicherheit. Das kann etwa auf einem Schulweg der Fall sein.

Die Tafeln mit sowohl Velo- und Fussgängersymbol im blauen Rund signalisieren eine Benutzungspflicht für Velos, auch die schnellen E-Bikes (Maximalgeschwindigkeit 45 Stundenkilometer, Nummernpflicht). Die Fussgängertafel mit dem Zusatz «Velos gestattet» signalisiert demgegenüber nur ein Benutzungsrecht für Velos, schnelle E-Bikes müssen auf der Strasse bleiben. Sichere Velofahrer benützten die Strasse, unsichere das Trottoir, das könne je nach Ort Sinn machen, sagte dazu Arnet. Jedoch solle diese Signalisation, die heute zum Beispiel auf der Europabrücke angebracht ist, eine Ausnahme bleiben.

Forderung nach Velorouten

Wie ist die verkündete Neuausrichtung politisch einzuordnen? Bei den Wahlen im Frühling ist die Stadt noch links-grüner geworden. Es wird ein Schub in Richtung Ausbau der Velo-Infrastruktur erwartet. Die Reaktionen gestern deuten darauf hin, dass das Gutachten dem durchaus zupasskommt. Man habe es immer schon gesagt: Velos gehören auf die Fahrbahn, erklärte Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo. Denn bei den Verkehrknoten müssten sie ja wieder zurück auf die Strasse, was oft gefährlich sei. «Nun müssen durchgängige Velorouten her», folgerte die SP in ihrer Medienmitteilung zum Gutachten. VCS-Co-Geschäftsführer Markus Knauss (Grüne), der die Medienkonferenz mitverfolgte, nannte zudem Tempo-30 als probates Mittel, um Strassen für die vom Trottoir verdrängten Velofahrer sicherer zu machen.

Abteilungsdirektorin Arnet hatte die Freiestrasse als Beispiel genannt, wo ein Rückbau des Trottoir-Velowegs bereits auf gute Art in die Wege geleitet sei. Der nötige zusätzliche Strassenraum wird durch die Aufhebung von fünf Parkplätzen erzielt, wovon drei in Nebenstrassen kompensiert werden. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 13.09.2018, 20:25 Uhr

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