Kloster Kappel

Die Mauer wird kommen

Seit 2011 läuft die Planung zur Revitalisierung des Klosters Kappel. Eine Initiative hat versucht, eine 1,8 Meter hohe Mauer um die Anlage zu verhindern. Es sind aber nicht genügend Unterschriften zusammengekommen.

Der Stein des Anstosses ist die Mauer (Punkt 5 auf der Karte): Alle anderen Sanierungen oder Neubauten auf der Klosteranlage Kappel sind unbestritten.

Der Stein des Anstosses ist die Mauer (Punkt 5 auf der Karte): Alle anderen Sanierungen oder Neubauten auf der Klosteranlage Kappel sind unbestritten. Bild: PD

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Aufgeben gehört nicht in Hans Rudolf Haegis Repertoire. Der ehemalige SVP-Politiker, der für die EVP im Kantonsrat sass, und die kantonale BDP gründete – die aber erst nach einem Neustart mit neuem Präsidenten in Schwung kam – kämpft lieber weiter. Auch wenn die Zeichen gegen ihn stehen. Wie dies in den 1990er Jahren der Fall war, als er sich jahrelang gegen die Westumfahrung mit dem Uetlibergtunnel wehrte. So ist es auch in seinem Kampf gegen die Mauer, die seiner Ansicht nach die Klosteranlage in Kappel am Albis verschandeln wird.

«Wir lassen uns nicht aufhalten.»

Hans Rudolf Haegi, Mauergegner

Seit 2011 planen die Beteiligten, das ehemalige Zisterzienserkloster zu revitalisieren. Im vergangenen März hat Regierungspräsident Markus Kägi (SVP) im Namen des Kantons, dem die Klosterkirche gehört, die Reformierte Landeskirche, die als Mieterin ein Seminarhotel und ein Bildungszentrum betreibt, und der Verein Kloster Kappel, dem die meisten Liegenschaften und die 56 Hektaren Land gehören, einen Masterplan unterschrieben. Dieser sieht vor, dass die Klosteranlage besser strukturiert und als historisches Erbe erhalten wird. So werden etwa Parkplätze unter die Erde verlegt, ein altes Magazingebäude durch ein Wohnhaus ersetzt, anderes wird umgebaut und saniert.

Der Landwirtschaftsbetrieb auf dem Areal entsprach nicht mehr den neusten Tierschutzbestimmungen und das Flachdach über der Hotelküche musste dringend saniert werden. Deshalb wurden diese Projekte vorgezogen und bereits dieses Jahr realisiert.

Kosten von 20 Millionen

Über der Hotelküche entstand seither der Rohbau einer Terrasse mit 80 Sitzplätzen und der Garten wurde ins Innere der Klostermauern verlegt. Gerhard Gysel, Präsident des Vereins Kloster Kappel geht davon aus, dass die Arbeiten im Frühling fertig werden. Für das Teilprojekt «Gärten und Terrasse» hat die Reformierte Landeskirche 3 Millionen Franken gesprochen.

Auch der neue Jungviehstall und die umgebaute Unterkunft der knapp 70 Milchkühe werden voraussichtlich im Frühling komplett bezugsbereit sein. Die 1,2 Millionen Franken finanziert der Pächter des Bauernhofs im Baurecht. Der Verein Kloster Kappel trägt die denkmalpflegerischen Mehrkosten. Die gesamte Revitalisierung wird 20 Millionen Franken kosten. 12,3 Millionen sollen aus dem Lotteriefonds gedeckt werden.

Nur die Mauer ist umstritten

Über all diese Anpassungen herrscht Konsens. Nur die Mauer ist Hans Rudolf Haegi und seinen Mitstreitern ein Dorn im Auge. Diese ist aber ein zentraler Punkt des Projekts «Intra Muros – Extra Muros», das 2013 den Architekturwettbewerb gewann. Die Klostermauer, die im Süden noch existiert, soll im Norden neu erstellt werden: 1,8 Meter hoch und aus Stampfbeton, der sich begrünen lässt. Sie diene dazu, die Anlage zu strukturieren und sei eine «gestalterische und akustische Grenze, ohne abschottend zu wirken», heisst es im Masterplan.

Haegi und seine Mitstreiter sehen das anders. Die Mauer sei ein Zeichen der Abschottung, des Ausschliessens und stehe im Gegensatz zu einer offenen Klosteranlage – und zur reformierten Kirchen an sich. Deshalb versuchen sie dem Projekt Steine in den Weg zu legen. Zuerst mit einer Beschwerde vor Verwaltungsgericht, die Haegi wieder zurückzog. Zuletzt mit einer landeskirchlichen Volksinitiative.

Seit Mai sammelte das Initiativkomitee Unterschriften. Im Sommer kündigte Haegi an, die 2000 geforderten Unterschriften bald beisammen zu haben. Am vergangenen Montag ist nun die Frist abgelaufen – und es fehlen laut Haegi noch «ein paar Prozent».

Datenschutz oder Strategie?

Es sähe dem 80-Jährigen aber nicht ähnlich, wenn er die Initiative für gescheitert erklärte. Vielmehr habe der Kirchenrat das Komitee bei der Unterschriftensammlung behindert, sagt Haegi. Deshalb verlange er eine Fristerstreckung bis am 31. Dezember.

Dass diese vom Kirchenrat gewährt werde, könne er sich nicht vorstellen, sagt Stefan Grotefeld. Er ist bei der Landeskirche zuständig für das Kloster Kappel: «Wie bei politischen Initiativen müssen auch hier Regeln eingehalten werden.» Laut Grotefeld wollten Haegi und seine Mitstreiter für die Unterschriftensammlung die Adressen der Mitglieder der Kirchgemeinden im Bezirk Affoltern. Einige Gemeinden hatten sich beim Kirchenrat erkundigt, ob dies mit dem Datenschutz vereinbar sei. «Unser Rechtsdienst riet davon ab, die Adressen herauszugeben», sagt Grotefeld.

Baubeginn im besten Fall 2021

Haegi sieht darin eine Strategie des Kirchenrats, das Initiativkomitee zu stoppen. «Wir lassen uns aber nicht aufhalten», sagt er und stellt in Aussicht, eine neue Initiative aufzugleisen oder auf anderer Ebene, etwa per Einsprache gegen ein Baugesuch, zu reagieren.

Bis dahin dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Als nächstes steht für den Verein Kloster Kappel die Eingabe des Hauptgesuchs um die Finanzierung aus dem Lotteriefonds an, wie Gerhard Gysel sagt. Vermutlich sei das Projekt im Januar eingabereif. Schliesslich entscheidet der Kantonsrat. Gysel rechnet im besten Fall 2021 mit dem Baubeginn. Die bisherige Planung habe sich durch die Anstrengungen der Mauergegner um einige Monate verzögert. «Wir gehen nicht davon aus, dass die Opposition verstummt. Aber wir lassen uns nicht entmutigen», sagt Gysel. Das Kloster existiere seit 800 Jahren, da komme es auf ein Jahr mehr oder weniger nicht mehr an.

Erstellt: 28.11.2018, 16:11 Uhr

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