Vereine

Die Gemeinden lassen sich ihr Vereinsleben etwas kosten

Nachdem Hombrechtikon seine Beiträge für die Jugendmusik Oberer rechter Zürichsee reduziert hat, springen Stäfa und Männedorf ein.

Die Jugendmusik Oberer rechter Zürichsee muss keine Einbussen bei den Gemeindebeiträgen in Kauf nehmen, da Stäfa und Männedorf einspringen.

Die Jugendmusik Oberer rechter Zürichsee muss keine Einbussen bei den Gemeindebeiträgen in Kauf nehmen, da Stäfa und Männedorf einspringen. Bild: Archivfoto: David Baer

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Wie zentral die Förderung der Gemeinden für Vereine sein kann, zeigt sich bei der Jugendmusik Oberer rechter Zürichsee (JMOZ). Das Orchester finanziert sich durch die Beiträge der Gemeinden Stäfa, Männedorf und Hombrechtikon sowie Gönner- und Mitgliederbeiträge. Nun hat Hombrechtikon die Art der Unterstützung geändert: Statt einer pauschalen Summe erhält das Orchester mit fast 60 Musikern neu einen Pro-Kopf-Beitrag für jedes Hombrechtiker Mitglied der Jugendmusik. Dies hätte eigentlich einen Ausfall für den Verein zur Folge, der aber dadurch kompensiert wird, dass die Gemeinden Stäfa und Männedorf die Summe hälftig für vier Jahre übernehmen.

«Die Gemeindebeiträge sind für uns substanziell. Ich bezweifle, dass wir nur durch die Zah­lungen von Gönnern überleben könnten», sagt Roger Stupf, Präsident der JMOZ. Er betont aber auch, dass der Erhalt des Vereins derzeit nicht gefährdet ist. Für die Haltung Hombrechtikons zeigt er trotz der niedrigeren Zuwendungen Verständnis. «Wir sind froh, dass wir von der Gemeinde weiterhin unterstützt werden, schliesslich hat sie eine angespannte finanzielle Lage.» Stupf betont aber auch, dass der Verein Fixkosten habe. «Die Kosten für den Saal und die beiden Dirigenten sind immer gleich hoch und hängen nicht von der Zahl der Jugendlichen ab.»

Für ihn ist klar, dass die Jugendmusik nicht nur kostet, sondern den Gemeinden auch viel zurückgibt. «Wir sind das Bindeglied zwischen den Musikschulen und den Musikvereinen in den drei Trägergemeinden», sagt Stupf. «Zudem ist die JMOZ der Ort, wo Kinder und Jugendliche die Freude am gemeinsamen Musizieren erleben können.» Man habe sich modernisiert und verfüge inzwischen über ein breites Spektrum an Instrumenten – nicht mehr nur Blasinstrumente. «Wir sind sehr froh, dass Männedorf und Stäfa den finanziellen Ausfall kompensieren», fügt der Vereinspräsident abschliessend hinzu.

«Wichtig und würdig»

25 000 Franken jährlich beträgt die Summe, welche der Stäfner Gemeinderat für die JMOZ für die Phase von 2017 bis 2020 bewilligt hat. Den Ausfall der Hombrechtiker Gelder wollen die Stäfner für den gleichen Zeitraum zusätzlich mit bis zu 2500 Franken jährlich – also bis zu 10 000 Franken gesamt – kompensieren. «Grundsätzlich hat die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Stäfa nichts mit ­Hombrechtikon zu tun», sagt der Stäfner Finanzvorsteher Simon Hämmerli (FDP). «Wenn es aber Probleme bereitet, dass nun ein Beitrag fehlt, sind wir bereit, diesen zu übernehmen.»

Auch wenn der Erhalt des Vereins nicht gefährdet ist, ist für Hämmerli offensichtlich: «Wenn wir nicht einspringen würden, wäre der Betrieb erschwert.» Die Unterstützung für die JMOZ habe auch damit zu tun, dass der Gemeinderat die Jugendmusik als wichtig und würdig erachte, in dem Sinne, dass es sich um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für Jugendliche handle.

Angespannte Finanzlage

Der Hombrechtiker Gemeindeschreiber Jürgen Sulger betont, dass die JMOZ weiter vom Gemeinderat unterstützt werde. Anstatt des vorherigen Betrags von pauschal 5000 Franken zahlt die Gemeinde nun einen Betrag von 250 Franken pro Hombrechtiker Musiker – dieses Jahr sind es fünf.

«Im Rahmen der Überprüfung der Beiträge im letzten Jahr stellte der Gemeinderat fest, dass nur wenige Hombrechtiker Einwohner und Einwohnerinnen die Dienste der JMOZ in Anspruch nahmen», sagt Sulger. «Da dieser Beitrag pro Person als zu hoch ­angesehen wurde und auch nicht im Verhältnis zum Jugendförderungsbeitrag stand (gut 40 Franken pro Person), änderte der Rat seine Unterstützungsart von der Objektfinanzierung in eine Subjektfinanzierung.» Im Jahr 2018 erzielt die Gemeinde damit voraussichtlich eine Einsparung von 3750 Franken.

Die Zurückhaltung bei der ­Vereinsförderung hängt auch mit der aktuellen Finanzsituation Hombrechtikons zusammen. «Ab und zu bewilligt der Gemeinderat auf Antrag Beiträge für spezielle Events wie zum Beispiel ein Schülerturnier des Handball-Clubs Stäfa oder eine internationale Vorausscheidung der ATB-Kunstradfahrer», sagt Sulger. «Aufgrund der angespannten finanziellen Situation sind diese Beiträge aber sehr bescheiden und überschreiten in den wenigsten Fällen gesamthaft einen jährlichen Betrag von 2500 Franken.» Dass die Jugendmusik auch weiterhin Hombrechtikon die Treue hält, zeigte sich übrigens beim letzten Jahreskonzert, das kürzlich im dortigen Gemeindesaal über die Bühne ging. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.02.2018, 10:22 Uhr

Küsnacht und Meilen

Auf dem schmalen Grat zwischen Fördern und Sparen

Vereinsförderung ist auch in Küsnacht ein Thema. Die Gemeinde hat deswegen 2013 ein Vereinsförderungskonzept erlassen. Letztes Jahr hat die Politische Gemeinde Küsnachter Vereine mit 136 000 Franken unterstützt. «Neben finanziellen Mitteln werden die Vereine insbesondere durch die Gratisnutzung diverser Räumlichkeiten und Sportanlagen unterstützt», sagt Rita Nie­deröst, Abteilungsleiterin Gesellschaft. «Dieses Zusammenspiel hat sich gut bewährt, ebenso bewährt haben sich die Kriterien, nach denen die Vereine unterstützt werden.» Diese stellten einen guten Grad an Verteilungsgerechtigkeit sicher. So müssen Vereine, die unterstützt werden, einen Bezug zu Küsnacht haben, etwa indem die Haupttätigkeit zu zwei Dritteln in Küsnacht statt­findet. Ob eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde ­erfolgt, hängt auch mit Punkten wie der Gemeinnützigkeit, der Jugendförderung und der finanziellen Situation des Vereins ­zusammen.

Und nicht zuletzt werden Mittel vor allem für grössere Anlässe, besondere Anschaffungen und Jubiläen gewährt. «Jährlich wiederkehrende Beiträge werden nur an Vereine ausgerichtet, welche besondere Dienstleistungen für Küsnacht erbringen», sagt Niederöst. Es bestehe kein Rechtsanspruch auf eine finanzielle Unterstützung. Vereine, die diese jährliche Unterstützung erhalten, sind etwa der Freihof, welcher Trägerverein einer sozialtherapeutischen Einrichtung ist, oder die Frauenvereine. Ganz ist der Kelch des Sparens aber auch an den Küsnachter Vereinen nicht vorbeigegangen. «Im Zusammenhang mit der Kürzung der Chilbiausgaben um rund 20 000 Franken sind die Vereine mitbetroffen», sagt Niederöst. Ansonsten seien bislang keine Kürzungen im Vereinsbudget erfolgt.

Aufs Geld schauen muss auch Meilen, wo eine Steuererhöhung an den letzten beiden Budget-gemeindeversammlungen scheiterte. «Wir haben keine ­generellen Kürzungen bei der Vereinsförderung, aber jedes ­Gesuch für Unterstützung wird
im Einzelfall angeschaut», erklärt Marc Bamert, stellvertretender Gemeindeschreiber. Die Gemeinde unterstütze die lokalen Vereine aber nicht nur mit finanziellen Beiträgen, sondern unter anderem auch, indem sie Räume zur Verfügung stelle, so etwa den Saal im Löwen Meilen. «Zudem können Vereine Sporthallen für ihre Meisterschaften gratis nutzen und für andere Veranstaltungen zu einem eher symbolischen Betrag.» Bamert betont ebenfalls, dass es Kriterien für die Vergabe von finanziellen Leistungen an Vereine gebe und die Gemeinde solche Leistungen freiwillig ­erbringe.

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