Uetikon

Die brachliegenden Flächen der Chemiefabrik sind begehrt

Konzertraum, Yogastudio, Nähatelier: Das Areal der ehemaligen Fabrik wird von Unternehmen temporär genutzt. Einige Gebäude stehen jedoch immer noch leer – auch aufgrund der Mietzinse.

Rundgang im Chemieareal Uetikon: Liegenschaftsvorsteherin Heidi Muehlemann und Projektleiter Chance Uetikon Thomas Stutz zeigen den aktuellen Stand der Zwischennutzung auf.

Rundgang im Chemieareal Uetikon: Liegenschaftsvorsteherin Heidi Muehlemann und Projektleiter Chance Uetikon Thomas Stutz zeigen den aktuellen Stand der Zwischennutzung auf. Bild: Manuela Matt

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Grosses ist geplant auf dem Areal der ehemaligen Chemie Uetikon. Eine Kantonsschule für rund 1500 Schüler, ein grüner Park entlang des Seeufers sowie ein Wohnquartier: So lautet die Vision der Chance Uetikon. Deren Realisierung liegt jedoch noch in ferner Zukunft, die Bauarbeiten zur Kantonsschule beginnen 2025. Was geschieht in der Zwischenzeit mit den teils brachliegenden Gebäuden auf der über 65000 Quadratmeter grossen Fläche?

Bereits im vergangenen Jahr haben sich die Gemeinde und der Kanton, die beiden Eigentümer des Chemie-Geländes, mit dieser Frage auseinandergesetzt. Die Absicht war, dass das Areal in den nächsten Jahren nicht in einen Dornröschenschlaf fällt. Folglich sollten die Flächen und Gebäude der Anlage in Form einer Zwischennutzung besetzt werden. Seit Anfang Jahr wirbt die Gemeinde auf der Immobilienplattform Homegate mitGewerbe-, Büro- und Lagerflächen. Die bisherige Resonanz? «Die ist gross», sagt Thomas Stutz, Verwaltungsperson der Gemeinde und Leiter der Zwischennutzung für das Projekt Chance Uetikon.

Viele Anfragen

Die Stimmung auf dem Gelände scheint zwar eher trostlos, doch Stutz relativiert: «Das Areal lebt.» Aktuell habe man weit über 30 temporäre Mieter auf dem Gelände untergebracht. Diese stammen aus unterschiedlichen Branchen. Unter anderem hat es ein Nähatelier, ein Yogastudio, ein Kleidergeschäft, ein Musikatelier, das Konzerte organisiert, und die am vergangenen Wochenende eingeweihte Bikehalle (diese Zeitung berichtete). Hinter jeder zweiten Ecke stehen zudem Wohnwagen, Bootsanhänger oder Autos auf einer Abstellfläche, am Seeufer reihen sich über ein Dutzend aneinander.

Pro Woche gehen laut Stutz immer noch bis zu 20 Anfragen ein, besonders beliebt seien Lager und Werkstätten. Eine Erklärung für die grosse Nachfrage hat er schnell gefunden: «Für das Gewerbe ist es schwieriger geworden, in der Region geeignete Flächen zu finden. Fast alles wird in Wohnraum umgewandelt.» Das Chemie-Areal wiederum sei optimal. Es biete einiges an Platz, sei gut erschlossen, und allfällige Lärmemissionen der Gewerbebetriebe stören auf dem Industriegelände nicht. «Zudem hat das Areal auch einen gewissen, fast schon idyllischen Charme.»

Auch eine Preisfrage

Doch nicht alle Anfragen enden gleich in vertraglichen Vereinbarungen. Im Gegenteil: «Viele Interessenten sind einfach neugierig, schauen sich das Areal mal an. Danach hört man jedoch kaum noch etwas von ihnen.» Bei zehn Anfragen finde sich am Ende nur ein Interessent, mit welchem man weiter verhandeln könne.

Unter anderem sei der Preis ein Thema, das zu Rückziehern führe: «Viele assoziieren mit einer Zwischennutzung eine billige Nutzung. Das ist eine Illusion», erklärt Stutz. Insbesondere kulturelle Gruppen und Vereine verlangten teils einen tieferen Mietzins. «Wir sind dann auch mal bereit, mit den preislichen Konditionen entgegenzukommen. Doch ab einem gewissen Punkt können wir den Forderungen nicht mehr entsprechen.» Schliesslich generiere das Areal für die Gemeinde Leerstandskosten im sechsstelligen Bereich, die gedeckt werden müssen. Liegenschaftsvorsteherin Heidi Mühlemann (parteilos) betont: «Das Ziel ist es, mit der Zwischennutzung eine schwarze Null zu schreiben. Das ist jedoch schwierig.»

Verträge bis 2022

Ein weiterer Faktor, der Bewerber teils abschreckt, ist die begrenzte Mietdauer. Die Zwischennutzung für die Gebäude ist mehrheitlich bis Mitte Juni 2022 terminiert, danach beginnen die Arbeiten für die Sanierung des Seegrunds. Es ist eine Krux für die Gemeinde: Je länger kein Mieter für ein Gebäude gefunden wird, desto schwieriger wird es, noch einen passenden zu finden. Einige Gebäude stehen immer noch leer, insbesondere die Büroflächen im östlichen Teil. Diese seien nicht nur teurer als die restlichen Flächen, sondern aufgrund des kurzen Zeitfensters auch unattraktiv. «Kaum ein Unternehmen will in ein Gebäude einziehen, das es in absehbarer Zeit wieder verlassen muss», sagt Stutz.

Immerhin bleibt das Gros der aktuellen Mieter laut Stutz mindestens bis Mitte 2022 oder gar länger auf der Anlage. «Je nach Gebäude müssen wir mit den Mietern flexibel planen.» Zurzeit sei man aber zufrieden mit der Zwischennutzung. «Es ist uns gut gelungen, das Areal zu beleben, nachdem im Sommer hier noch nicht viel lief.»





Erstellt: 08.12.2019, 18:58 Uhr

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