Klauszeit

Die Samichlaus-Laufbahn beginnt als Schmutzli

Im Interview erzählt Richard Rogers, Präsident des Vereins Samichlaus Männedorf-Uetikon, was es braucht um ein guter Samichlaus und Schmutzli zu sein.

Das weihnachtliche Duo Samichlaus und Schmutzli besucht auch in diesem Jahr Familien und Heime in Männedorf und Uetikon.

Das weihnachtliche Duo Samichlaus und Schmutzli besucht auch in diesem Jahr Familien und Heime in Männedorf und Uetikon. Bild: Madeleine Schoder/Symbolbild

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Als die ZSZ an einem Donnerstagnachmittag den Präsidenten des Samichlaus-Vereins Männedorf-Uetikon erreicht, ist gerade seine Enkelin zu Besuch. Um ihr den Glauben an den Samichlaus nicht zu nehmen, begibt sich Richard Rogers in einen anderen Raum, bevor er auf die Fragen der Redaktorin antwortet.

Was für eine Ausbildung benötigen Samichlaus und Schmutzli?
Richard Rogers: Um ein Klaus oder Schmutzli zu sein, braucht es keine Ausbildung, sondern die richtigen Eigenschaften. Wir fragen kinderfreundliche Leute an, die dann mindestens einmal die Rolle des Schmutzli spielen, bevor sie zum Samichlaus werden. Dabei herrscht aber keine Hierarchie — beide müssen dazu bereit sein, den anderen zu unterstützen und im Notfall einzuspringen. Ausserdem muss man sich in Männedorf und Uetikon auskennen.

Inwiefern ist der Samichlaus auf den Schmutzli angewiesen?
Der Schmutzli ist heute nicht mehr der Bösewicht, sondern der Helfer vom Samichlaus. Er fährt das Auto, weshalb er sich im Voraus über den genauen Wohnort informieren muss. Während des Ein- und Aussteigens muss er dem Klaus helfen, damit das Kostüm nicht verrutscht. Dann muss er die Geschenke, die von den Eltern meist draussen hingelegt werden, ins Innere schleppen.

Was ist besonders schwer für das weihnachtliche Duo?
Beide dürfen nie aus ihrer Rolle fallen. Besonders der Samichlaus muss eine sattelfeste Diskussion mit den Kindern und den Eltern führen können. Wenn ihm ein Wort fehlt, hilft der Schmutzli.

Sie übernehmen jeweils die Rolle des Schmutzlis — gibt es ein Ereignis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Als ich einmal Schmutzli war, blieb das Samichlauskostüm an einem Rosenstrauch hängen. Das war eine brenzlige Situation. Wir sind also froh, wenn Hindernisse wie Pflanzen, Skateboards und Spielzeug weggeräumt sind. Die Herausforderung, die richtige Haustüre und vor allem die versteckten Geschenke zu finden, stellt sich jedes Jahr aufs Neue.

Wie reagieren die Kinder auf den Besuch von Samichlaus und Schmutzli?
Die Freude ist eigentlich immer gross. Manche sind zu Beginn etwas schüchtern, tauen aber spätestens dann auf, wenn sie ihr Geschenk bekommen. Nur ganz kleine Kinder haben manchmal Angst. Um die intime, ruhige Atmosphäre für die Geschwister aufrechtzuerhalten, ist es besser, schreiende Babys in einem anderen Raum zu behüten.

Was ist die meist gestellte Frage der Kinder?
Häufig fragen Kinder, wo unser Esel sei. Da kommt man nicht nur wegen des Kostüms ins Schwitzen. Wir erzählen dann, dass wir den Esel am Waldrand angebunden haben. Läuft uns die Zeit davon, können wir mit dem Grund aufbrechen, dass wir vergessen hätten, den Esel anzubinden und wir ihn nun suchen müssten.

Wie stehen die Eltern mit dem Samichlaus-Verein in Kontakt?
Die Eltern müssen ihre Kinder anmelden, denn es soll kein Kind vergessen gehen. Falls der Samichlaus Geschenke übergeben soll, müssen diese platziert und der Ort mitgeteilt werden. Viele Eltern schreiben einen halben Roman über das Kind, doch am besten sind Stichwörter wie zum Beispiel das Lieblingsessen oder das Hobby des Kindes. So ergibt sich ein echtes Gespräch zwischen Samichlaus und Kind.

Was schätzen Sie am meisten an den Besuchen?
Es ist wunderschön zu sehen, wie viel Freude man den Kindern, aber auch den Erwachsenen, bringt. In Alter- oder Behindertenheimen freuen sich die Leute genauso, auch wenn nicht mehr alle an den Samichlaus glauben. Die Momente in der Familie sind oft sehr intim — man erfährt sehr viel über die Familiendynamik. Das bleibt aber alles beim Samichlaus. Er hat den Auftrag, eine gute Atmosphäre zu schaffen.

Wie tadeln Sie die Kinder, ohne dass diese Angst oder Hass entwickeln?
Oft dient der Schmutzli als Blitzableiter. So muss der Klaus die Vorwürfe nicht direkt ans Kind richten, sondern sagt dem Schmutzli vor dem Kind, er solle in Zukunft mehr aufräumen. Wenn die Eltern uns auftragen, ihrem Kind den Nuggi zu entwöhnen, erzählen wir, dass eine Krankenschwester gesagt habe, das Spital brauche dringend einen Nuggi für ein Frischgeborenes.

Was machen Samichlaus und Schmutzli das restliche Jahr über?
Im Sommer liegen wir, wie alle anderen, in der Badi. Kinder und Eltern erkennen uns zum Glück nicht — wir sind ja auch in Badehose. Im Herbst beginnt dann schon die Planung für die fünf bis sieben Dezembertage, in denen wir unterwegs sind. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2018, 16:11 Uhr

Samichlaus-Verein

Äthiopien mit Eseln helfen

Der Verein Samichlaus Männedorf-Uetikon wurde 2012 gegründet. Immer in den ersten Dezembertagen sind die 36 bis 75 Jahre alten Samichläuse und Schmutzli unterwegs. Die fünf verschiedenen Duos besuchen Familien sowie Behinderten- und Altersheime in Uetikon und Männedorf. Dieses Jahr statten sie zwischen dem 1. und 9. Dezember mehr als 400 Leuten einen Besuch ab. Die Samichläuse und Schmutzli haben alle selber Kinder.
Die Kollekte aus den Hausbesuchen steckt der Verein Samichlaus aber nicht in die eigene Tasche. Der Erlös, der im letzten Jahr rund 10 000 Franken betrug, geht über den Männedörfler Partnerverein Sunray nach Äthiopien. Damit werden den armen Bergbewohnern Esel gekauft, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Im vergangenen Sommer konnten so mit dem beim Chlausen gesammelten Geld 113 Tiere verschenkt werden.

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