Oetwil

Der Borkenkäfer vernichtet in Oetwil ein ganzes Waldstück

Oberhalb der ehemaligen Storchensiedlung in Oetwil mussten wegen Borkenkäfern über 200 Fichten gefällt werden. Der Revierförster will nun ein Experiment mit Birkensamen starten.

Meterhoch türmen sich die gerodeten Baumstämme im Wald von Oetwil.

Meterhoch türmen sich die gerodeten Baumstämme im Wald von Oetwil. Bild: Michael Trost

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Meterhoch türmen sich die Baumstämme neben dem Weg unterhalb der Schwarzbächlistrasse in Oetwil. Daneben klafft eine riesige Lücke im Wald. Vor kurzem standen hier Rottannen dicht gedrängt, nun sind nur noch deren Stümpfe übrig. Zwei Waldhütten stehen verloren auf der Lichtung.

«Wir mussten notfallmässig praktisch jede Fichte hier umtun», sagt Alexander Singeisen, Revierförster des Forstreviers Süd, zu welchem nebst Oetwil die Gemeinden Meilen, Uetikon, Männedorf und Stäfa gehören.Grund für die sogenannte Zwangsnutzung war ein starker Borkenkäferbefall der Rottannen. «Es sind bestimmt 200 Bäume auf einer Fläche von einer Hektare, die wir fällen mussten», sagt Singeisen. «Das ist ein brutaler Eingriff, der wehtut.»

15 Lastwagenladungen

Die Misere habe sich bereits im Sommer abgezeichnet, sagt Singeisen. Bohrmehl unterhalb der Baumstämme sowie braune, vertrocknete Tannennadeln verrieten eine Besiedlung durch die kleinen Übeltäter. Doch die Unternehmen, welche solch umfangreiche Holzernten vollmechanisiert ausführen, hatten damals alle Hände voll zu tun. Ein Holzschlag «von Hand» kam für Singeisen aufgrund der hohen Zahl der Bäume, die gefällt werden mussten, nicht infrage. «Die vollmechanisierte Variante ist um einiges rationeller und effizienter.»

Zwei Drittel der gefällten Bäume fielen in die Kategorie «Käferholz» und taugten nur noch als Energieholz.Diese Stämme sind vom Oetwiler Energieholz-Zentrum Regi Holz vor Ort zu Hackschnitzeln verarbeitet und ins 100 Meter entfernte Lager gebracht worden. «Es entstanden 625 Schüttkubikmeter Holzschnitzel, was rund 15 Lastwagenladungen entspricht», erklärt der Revierförster. Das übrige Drittel der Baumstämme ist noch als Stammholz brauchbar und soll nach und nach abgebaut werden. Für den Waldbesitzer stelle die Zwangsnutzung ein wirtschaftliches Fiasko dar, sagt Alexander Singeisen. «Ich hoffe, dass der Holzerlös wenigstens die Erntekosten deckt.»

Keine Rottannen mehr

Wie es mit der gerodeten Fläche weitergeht, ist noch nicht entschieden. Klar ist nur eines: Fichten werden nicht mehr gepflanzt. «Sie werden einerseits vom Buchdrucker heimgesucht und sind andererseits als Flachwurzler nicht genügend für die Klimaerwärmung gewappnet», erklärt Singeisen. In den nächsten Jahren werde der Anteil Rottannen in unseren Wäldern massiv abnehmen. Auf der neu entstandenen Lichtung in Oetwil soll aber auf jeden Fall wieder Wald entstehen, versichert der Revierförster. Zuerst begutachte man nun, was an Jungwuchs vorhanden sei. In einem zweiten Schritt erfolgt das Aufforsten von Bäumen, um den Waldboden zu beschatten.«Damit wird verhindert, dass in zehn Jahren nichts als Brombeerranken das Erdreich bedecken.» Infrage kommen laut Alexander Singeisen hauptsächlich Weisstannen oder Douglasien, im Hinblick auf wärmere Sommer auch Eichen, Ulmen und Föhren.

Birkensamen streuen

Ihm schwebt jedoch noch etwas anderes vor: «Ich würde gern einen Sack Birkensamen ausstreuen.» Birkenwälder seien hierzulande noch nicht verbreitet, hätten aber durchaus ihren Reiz. Ob eine solche Aktion von Erfolg gekrönt wäre, kann er nicht sagen. «Es wäre einfach ein kostengünstiger Versuch.» Noch ist also völlig offen, ob dereinst Weisstannen, Eichen, Ulmen oder Birken die kahlen Waldflächen im Oetwiler Wald neu besiedeln. In einem ist sich der Förster aber sicher: «In ein paar Jahren haben wir hier wieder einen schönen Wald.»






Erstellt: 10.11.2019, 17:32 Uhr

Preisentwicklung bei Holzschnitzeln

Obwohl Fichtenholz wegen des tiefen Brennwerts nicht ideal zum Heizen ist, wird das Käferholz grösstenteils zu Holzschnitzeln verarbeitet. Einerseits ist es aufgrund seiner Verfärbung durch den Pilz oftmals nicht als Stammholz brauchbar, anderseits sind die Sägereien stark ausgelastet. Trotz der Schwemme an Holzschnitzeln, die dieses Jahr auf den Markt kommt, ist deren Preis relativ stabil.«Der Preis für Energieholz reagiert nicht so schnell wie der Preis für das restliche Holz, weil es hierbei um eine langfristige Versorgung geht», erklärt Gregor Lutz von Holz Energie Schweiz. Der Verein, dem namhafte Vertreter aus allen Bereichen der Holzenergiebranche angehören, bestimmt monatlich einen Preisindex für Holzschnitzel. Und dieser ist in den letzten Monaten nur minim gesunken. Die nächste Aktualisierung erfolgt Ende November. (aj)

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