Weinbau

Der Aufbau der Rebstöcke ist wichtiger als eine diesjährige Ernte

Die meisten Reben der Region stehen in der Blütezeit. Das heisst aber noch nicht, dass sie Trauben tragen werden. Die Auswirkungen des Frosts machen sich bei den Reben bemerkbar.

Winzer Hodler vom Weingut Höcklistein ist am Einschlaufen. Obwohl keine gute Ernte zu erwarten ist, müssen die Arbeiten zur Rebenpflege durchgeführt werden.

Winzer Hodler vom Weingut Höcklistein ist am Einschlaufen. Obwohl keine gute Ernte zu erwarten ist, müssen die Arbeiten zur Rebenpflege durchgeführt werden. Bild: Sabine Rock

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In den Weinbergen um den Zürichsee tragen die Reben grüne Blätter. Bei diesem Anblick könnte ein Laie meinen, die Pflanzen hätten sich vom Frost im April erholt. Die Realität sieht hingegen anders aus.An einzelnen Standorten könne mit einem kleinen Ertrag gerechnet werden, sagt Klaus Schilling, Rebbauberater des Kantons Zürich. Er ist für die Reben am Zürichsee zuständig. «Die meisten Reben jedoch zeigen keinen Traubenansatz und werden dieses Jahr keine Früchte tragen.»

Der Frost hat die Region mit unerwarteter Härte getroffen. «Wir erleiden eine Einbusse, wie ich sie noch nie erlebt habe», sagt Markus Hunn von der Gattiker Sihlhalde, der seit über 25 Jahren mit Reben arbeitet.

Ernte für Reben opfern

Die Rebberge rund um den Zürichsee sahen nach den Frostnächten verheerend aus. Doch wenigstens das schlimmste Szenario blieb aus. An den meisten Orten wurden bloss die Triebe und nicht gleich die ganze Pflanze beschädigt. In den warmen Wochen im Mai und Juni haben Nebenaugen ausgetrieben. Nebenaugen sind Triebe, die im Innern der Pflanze schlummern und erst austreiben, wenn das Hauptauge ausfällt. Aber ein Grossteil der Triebe ist nun ohne Blüten, vermutlich geschädigt durch den Frost. Zudem sind die jungen Triebe wegen der Wärme zu schnell ausgeschossen und deshalb dünn und brüchig.

Nun steht bei den Weinbauern Schadensbegrenzung an. Die jungen Triebe müssen zurückgeschnitten werden, um das Wachstum der Pflanzen auf jene Triebe zu beschränken, bei denen noch etwas wachsen kann. Und seien es auch nur Blätter. Mit diesem Erlesen investieren die Winzer aber vor allem ins nächste Jahr. Denn der Fortbestand der Reben ist vielen Winzern wichtiger als ein Hoffen auf eine eventuelle Ernte. «Priorität hat bei mir jetzt der Stockaufbau und der Pflanzenschutz, damit die Reben auf nächstes Jahr vorbereitet sind. An die diesjährige Ernte denke ich momentan noch gar nicht», sagt Erich Meier, dessen Weingut in Uetikon steht.

Durchmischte Lage

Obschon fast kein Winzer rund um den Zürichsee vom Frost verschont blieb, sieht die Lage in den jeweiligen Betrieben unterschiedlich aus. Je nach Lage, je nach Alter der Stöcke und Sorte der Pflanzen hat der Frost unterschiedlich stark seine Spuren hinterlassen. «Beim Weisswein schätzen wir einen Verlust von 50 bis 70 Prozent der Ernte, bei Rotwein hingegen 20 bis 30», sagt Andreas Stössel. Der Önologe des Weinguts Höcklistein in Rapperswil-Jona erklärt diese Tatsache so, dass die Weissweinreben bereits ausgetrieben hatten, als der Frost kam. Die Blüten des Rotweins hingegen waren noch geschützt im Innern der Rebe.

«Wenn wir nächstes Jahr Wein haben wollen, müssen wir dieses Jahr mit unseren Mitarbeitern in die Reben», sagt Stössel. Die Fixkosten für die Betriebe bleiben somit bestehen, während die Einnahmen einen Bruchteil betragen. Mehr als durchbeissen und in der Situation ausharren bleibt den meisten Winzern nicht übrig. Denn kaum einer ist gegen Frostschäden versichert, da eine solche Versicherung bislang nicht nötig war. Der See, als Wärmespeicher, bot bisher natürlichen Schutz.

«Seit diesem April ist das Interesse an solchen Frostversicherungen schlagartig angestiegen. Wir bekommen jede Woche ein Telefon von betroffenen Winzern aus der Seeregion», sagt Pascal Forrer, Direktor der Schweizer Hagelversicherung.

Dies könnte sich in Zukunft auszahlen, meint Dominic Ma­thies, Präsident des Weinbau-Vereins am Zürichsee. Denn auch in den kommenden Jahren würden die Landwirte mit derartigen Naturgewalten rechnen müssen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.06.2017, 18:05 Uhr

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