Uznach

Das Volksfest der Kunst startet fulminant

86 Meter lang ist der Maschinensaal derehemaligen Spinnerei Uznaberg. Doch den Besucherandrang vermochte er trotz seiner Grösse kaum zu fassen.Die Vernissage der «Kunstspinnerei 18» war ein Ereignis.

Verstörend intensiv: Das vierteilige Werk «Die Spinner-Oper» von Manuel Kessler.

Verstörend intensiv: Das vierteilige Werk «Die Spinner-Oper» von Manuel Kessler. Bild: Sabine Rock

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Star der Vernissage ist ein Raum. Als Uznerin habe sie den Maschinensaal der stillgelegten Spinnerei selber erst vor wenigen Monaten zum ersten Mal betreten, erzählt­ Evelyne Glaus. «Und ich habe gedacht: ‹Wow!›» Glaus, Vorstandsmitglied des Kunstvereins Oberer Zürichsee, ist nicht die Einzige, die findet, der Raum mache die Ausstellung zu etwas Be­son­derem. Philipp von Schult­hess, der als Vertreter der Besitzerfamilie extra zur Eröffnung an­ge­reist ist, wird mit Komplimenten und Dankesworten geradezu überschüttet.Auch einige Künstler haben den Faden aufgenommen. So hat Barbara Schneider Gegenschatz das Motiv von Spindel und Spule in zwei Werken verarbeitet, während ­Gian Ga­dient Fotos von Kindern zeigt, die vielleicht früher in dieser Halle arbeiten mussten. Und wer das Gebäude betritt, tut dies unter Peter Brunners Baldachin aus roten Fäden, an denen wie­der­um bunte Spindeln befestigt sind, welche die Uzner Drittklässler von Lehrerin Sabine Schwarzenbach aus Abfallmaterialien gestaltet haben.

Das kreative Grundrauschen

Mit der Ausstellung «Kunstspinnerei 18» feiert der Kunst­ver­ein Oberer Zürichsee sein zehnjäh­riges Bestehen. Von anfänglich 50 Mitgliedern ist der Verein auf 200 angewachsen, rund ein Viertel ist selber künstlerisch tätig. Ihnen wollte man im Jubiläumsjahr Gelegenheit geben, ihre Werke in einer von Hedi K. Ernst kuratierten Ausstellung zu zeigen. «Wer nicht bei Chris­tie’s oder Sothe­by’s gehandelt wird und dazu noch in der Provinz lebt, hats schwer», sagt Vereinspräsident Bruno Glaus.

Eine Gruppenausstellung biete den Künstlern die Chance, neue Entwicklungen zu zeigen, und dem Publikum, Nachwuchstalente zu entdecken. Mit einer so grossen regionalen Ausstellung werde das künstlerische Grundrauschen abseits der urbanen Hype-Räume wahrnehmbar, sagt Künstlerin Doris Fedrizzi. Und der Ausstellungsverantwortliche Alois­ Artho­ fasst das Ergebnis der zweijährigen Vorbereitungsarbeit so zusammen: «Zu sehen ist viel Gesponnenes, Verwobenes, aber auch Politisches.»

Politisch wird es dann mit den zwei Hauptrednern des Abends. Zunächst ist die Reihe am St. Galler Regierungsrat und Kultur­minister Martin Klöti (FDP). In Jeans und Karohemd unterm modischen Jackett tritt er ans improvi­sierte Rednerpult und schafft es in Sekunden, seinen Begeisterungsfunken überspringen zu lassen. Er lobt den Kunstverein mit herzlichen Worten dafür, das kreative Grundrauschen nun schon während zehn Jahren anzutreiben. «Ich verneige mich vor Ihrem grossen Engagement», sagt der Regierungsrat, und der zustimmende Applaus ist ihm gewiss­.

Einer der aktivsten Vereine

Zweiter prominenter Redner ist Jean-Pierre Hoby, Präsident des Schweizer Kunstvereins und ehemaliger Kulturchef der Stadt Zürich­. Der Kunstverein Oberer Zürich­see sei einer der aktivsten von allen 36 Vereinen in der Schweiz, sagt Hoby. Der Vereinszweck, die Vermittlung des regionalen Kunstschaffens, werde von der Truppe um Bruno Glaus geradezu beispielhaft erfüllt. «Kunst wird ja erst Kunst, wenn die Bevölkerung ihr begegnet», sagt Hoby­ und zollt den Organisatoren ausdrücklich Anerkennung und Respekt.

Nach so viel lobenden Worten ist es Zeit für neue, nicht minder schöne Töne. Das Klarinettenquintett Benken stellt mit Pater Anselm Schubigers «Cäcilienmarsch» den musikalischen Lokal­bezug her und spielt passend zum Anlass das wieder­keh­rende Thema aus Modest Mussorgskis Zyklus «Bilder einer Ausstellung».

Was kann einer Ausstellung Besseres passieren, als dass das Publikum sich den Platz vor den Bildern regelrecht erkämpfen muss? Vorstandsmitglied Peter Brunner sagt es so: «Wir haben auf ein Kunstvolksfest gehofft und haben eines bekommen.»

Die Ausstellung in der Spinnerei Uzna­berg dauert noch bis am 2. September. Begleitprogramm unter www.kunstspinnerei18.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.08.2018, 18:30 Uhr

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