Meilen

Das Sturmtief «Werner» fordert die Rettungskräfte

Blaulichtorganisationen und Zivilschutz waren am Freitag bei einer gross angelegten Übung im Einsatz. Dabei zeigte sich, dass aus einer Übung schnell Ernst werden kann.

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Um Punkt 10.30 Uhr schrillt ein durchdringender Alarm durch das Meilemer Schulhaus Allmend. Die Türen öffnen sich, daraus strömen die Schüler, die erstaunlich langsam und geordnet auf den Pausenplatz laufen. Sie halten sich die Ohren zu, der Alarm schraubt sich in die Höhe. Schliesslich ist er dermassen laut, dass er sogar die Ansprache des Schulleiters, der in ein Megaphon spricht, übertönt. Erst als der Alarm abbricht, kann der Schulleiter das Wort ergreifen: «Ihr müsst ruhig bleiben, alles ist unter Kontrolle.» Die Schüler klatschen, wohl im Wissen, dass sie Teil einer Übung sind - Schliesslich sind die Fotografen der Presse vor der Polizei vor Ort.

Mit dieser Übung wurden am Freitag die Auswirkungen des Sturmtiefs «Werner» simuliert, das in der Nacht Meilen heimgesucht hätte. Angesichts der Schäden wurde der Katastrophenstab der Gemeinden Meilen, Herrliberg, Uetikon und Männedorf wurde einberufen: Ihm standen 180 Einsatzkräfte zur Verfügung. «Wir haben das Worst-Case-Szenario simuliert», sagt Thomas Steiger (parteilos), Sicherheitsvorsteher von Meilen. «Für den Stab ist es eine Herausforderung, weil er sich mit drei Vorfällen innert kürzester Zeit auseinandersetzen muss.» Die einzelnen Szenarien würden oft geübt, fügt er an.

Gasleck in der Schule

Gut zehn Minuten nachdem der Alarm in der Schule ausgelöst wurde, treffen Polzei und Feuerwehr ein. Eine Gasleitung soll geborsten sein, die Schüler wären in einem solchen Fall in Gefahr. Um dieser Gefahr Nachdruck zu verleihen, hat der Übungsleiter ein Mittel am Ort des fiktiven Lecks freigesetzt, das einen beissenden Gestank verbreitet. Die Schüler werden von der Kantonspolizei auf den Sportplatz geführt. Schnell wird es laut, schliesslich fällt der Unterricht aus. Für die Schüler aber ist die Übung wahrscheinlich zu früh zu Ende: Am Nachmittag geht der Unterricht nämlich weiter.

Doch dann heult während einer Besprechung der Feuerwehrleute plötzlich eine Sirene auf und ein Wagen der Feuerwehr rauscht mit Sirene und Blaulicht davon. Dies obwohl während der Übung nicht mit Blaulicht gefahren werden darf – es ging aber ein Notruf aus Oetwil ein. Ein Geschäftshaus musste wegen eines seltsamen Geruchs evakuiert werden Grund dafür war ein Kurzschluss einer 50-Kilo-Batterie. Es kam niemand zu Schaden(ZSZ vom 13. April). «In diesem Fall hat die Übung, egal wie gross angelegt sie ist, natürlich das Nachsehen», sagt Thomas Steiger am Rand der Übung.

Öltankwagen läuft aus

Ortswechsel: Auf einer Brücke über den Beugenbach ist ein Auto frontal mit einem Öltankwagen kollidiert. Aus dem Tank rinnt Öl, eine Kontaminierung des Baches droht. Als die Polizei eintrifft, eilt der Beamte zuerst zum Personenwagen: «Verletzte haben immer Priorität», sagt der Polizist im Vorbeigehen. Die Feuerwehr, die kurz danach vorfährt, schlägt kurzerhand die Scheibe ein und zerrt die Schwerverletzten auf den Asphalt. Dort übernimmt die Sanität die Betreuung der von Kunstblut gezeichneten vermeintlichen Unfallopfer.

Nun kümmert sich die Feuerwehr um das Ölleck. Durch die Schutzmasken ruft der Kommandant den Feuerwehrleuten seine Anweisungen zu. Sie streuen Sand vor die Abrinnröhre und hämmern ein Holzbrett in die Öffnung des Tankwagens.

Von Ölpest verschont

Doch das Sturmtief «Werner» hat auch auf dem Zürichsee für ein Ölleck gesorgt. Im Hafen beim Ländeli ist ein Boot vollgeregnet worden und liegt mit Schlagseite im Wasser. Das gesamte Öl aus dem Tank schwimmt an der Oberfläche und droht den See zu verunreinigen. Verschärfend kommt hinzu, dass umgeknickte Bäume den Zugang zum Wasser versperren. Zuerst zwängt sich ein Fahrzeug der Feuerwehr in den Park, um mit dem Kran den Weg zum Wasser freizuräumen. Die Seeretter aus den teilnehmenden Gemeinden versperren die Hafeneinfahrt: Das Öl, das durch Sägespäne simuliert wird, darf den Hafen auf keinen Fall verlassen. Ein Einsatz, der erfolgreich abgeschlossen wird: Der Zürichsee wäre im Ernstfall von einer Ölpest verschont geblieben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.04.2019, 15:58 Uhr

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