Kilchberg

Breiter Widerstand gegen Überbauung in Kilchberg

Eine der letzten grossen Grünflächen Kilchbergs bei der reformierten Kirche soll bebaut werden. Eine Vereinigung wehrt sich dagegen, die politischen Parteien sind kritisch.

Wie das Areal Brunnenmoos überbaut werden darf, wird an der Gemeindeversammlung wohl heiss diskutiert werden.

Wie das Areal Brunnenmoos überbaut werden darf, wird an der Gemeindeversammlung wohl heiss diskutiert werden. Bild: Patrick Gutenberg

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Mehr als 100 Seiten stark sind die Unterlagen zur Gemeindeversammlung am 25. Juni – die Rechnung 2018 nicht inbegriffen. Mit dieser Informationsflut wappnet sich der Kilchberger Gemeinderat für Diskussionen zu einem wichtigen und umstrittenen Traktandum: der Abstimmung über den privaten Gestaltungsplan Brunnenmoos. «Ich rechne damit, dass es an der Gemeindeversammlung das eine oder andere Votum geben wird», sagt Hochbauvorstand Christian Benz (GLP).

Der Gestaltungsplan regelt, wie die Bauten und die Umgebung auf dem knapp 12000 Quadratmeter grossen Areal hinter der Dorfstrasse 100 aussehen könnten – einem denkmalgeschützten Ensemble im oberen Dorfzentrum. Geplant sind fünf Gebäude mit bis zu drei Vollgeschossen sowie einem Attikageschoss.

Nach der öffentlichen Auflage im April gingen zehn Einwendungen mit insgesamt 32 Anträgen ein. Zu hoch, zu voluminös und nicht schön gestaltet seien die Gebäude, lauten die Hauptkritikpunkte. Mehrere Antragsteller forderten, dass das Richtprojekt neu überdacht wird und das Projekt dem Ortsbild besser angepasst werden sollte.

Diese grundsätzlichen Anträge wurden nicht berücksichtigt. Diverse Anträge zu Höhenkoten, zur Baumasse, zur Erhaltung des Aussichtspunktes Kienast, zu Lärmemissionen und der Zufahrt zum Baumgartenweg nahm die Eigentümerin des Grundstücks jedoch auf.

Gegen die Vorschriften

Im erläuternden Bericht weist die Eigentümerin darauf hin, dass dem Gestaltungsplan ein Wettbewerb vorangegangen sei. Das Preisgericht habe befunden, dass die Überbauung klar den existierenden Siedlungen zugeordnet sei und damit die Abgrenzung zu den historischen Gebäuden deutlich werde. Damit sei die Bedingung erfüllt, «die Eigenart des Dorfkerns zu respektieren».

Ganz anders sieht dies die Vereinigung Kernzone Obere Dorfstrasse. Sie ist der Meinung, dass der Gestaltungsplan das Ortsbild Obere Dorfstrasse «zerstöre». Mit dem Gestaltungsplan würde «im historischen Dorfkern ein städtisches Quartier mit massigen, unstrukturierten Blockbauten» entstehen, befürchtet die 25-köpfige Gruppe. Sie kritisiert ausserdem, dass der Gestaltungsplan massiv abweiche von den Vorschriften für das Bauen in der Kernzone, dass der alte Baumbestand zerstört werde und Verkehrsprobleme entstünden.

«Es ist verständlich, dass die Überbauung eines solch zentralen Areals Emotionen weckt»Christian Benz (FDP), Hochbauvorstand

Zum Schutz des Ortsbildes müsse der vorliegende Gestaltungsplan abgelehnt werden, schreibt die GLP in ihren Parolen zur Abstimmung. Auch die CVP und die FDP stehen den Plänen nicht vorbehaltlos gegenüber: Beide Parteien haben Stimmfreigabe beschlossen. Bislang tendiert einzig die SVP zu einem Ja.

«Es ist verständlich, dass die Überbauung eines solch zentralen Areals Emotionen weckt», sagt Christian Benz. «Aber wenn wir anschauen, was an Wachstum auf uns zukommt, dann macht dieser Gestaltungsplan auf privatem Gelände Sinn und er definiert hohe qualitative Anforderungen an die Gestaltung der Überbauung und des Freiraums.» Ausserdem – und das ist Christian Benz wichtig – müsse sich die Bevölkerung bewusst sein, dass sie hier über bauliche Rahmenbedingungen befinde und nicht über konkrete Bauten.

«Es ist verständlich»

Neben dem Gestaltungsplan Brunnenmoos stehen weitere Geschäfte zur Abstimmung: die Rechnung 2018, die Abrechnung für die Neuausrichtung des Stockenguts sowie eine Parzelle an der Oberen Dorfstrasse. Diese grenzt östlich an die Parzelle Brunnenmoos an. Der Gemeinderat möchte die Gestaltungsplanpflicht für das Grundstück aufheben.

Christian Benz rechnet bei diesem Geschäft mit Zustimmung. Ein Gestaltungsplan würde bei der Bebauung dieser Parzelle nichts ändern, sagt er, denn die Lage in der Kernzone und die Schutzobjekte in der Umgebung verlangten ohnehin eine besonders gute Qualität für Neubauten.

Erstellt: 10.06.2019, 14:06 Uhr

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