Richterswil

Stiftung für chronisch Kranke muss sich neu orientieren

Beim Pflägifonds, der sich chronisch Kranken widmet, gab es einen Führungswechsel. Die neue Präsidentin ist herausgefordert: Änderungen im Gesetz stellen den Aufgabenbereich der Stiftung infrage.

Als neue Präsidentin setzt Kathrin Weidenmann-Wengle vermehrt auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Als neue Präsidentin setzt Kathrin Weidenmann-Wengle vermehrt auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Bild: Moritz Hager

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Sich um die chronisch kranken Richterswiler kümmern, damit diese so lange wie möglich im eigenen Dorf wohnen können: Das ist der Stiftungszweck des Pflägifonds. Gegründet 1986 vom Richterswiler Arzt Arnold Silberschmidt, wird er heute von der katholischen und der reformierten Kirche sowie einem Delegierten der Politischen Gemeinde geführt. Dreizehn Jahre lang präsidierte Marlies Zaugg, ehemalige Kantons- und Gemeinderätin (FDP), die Stiftung. Jetzt hat sie das Amt niedergelegt. «In den vergangenen Jahren konnten wir viele Projekte finanziell unterstützen, sei dies von der Gemeinde, der Kirche oder Privaten», erzählt die 73-jährige Zaugg.

Die grösste Investition waren die 1,5 Millionen, die der Pflägifonds 2006 an den Umbau des Alterszentrums Wisli bezahlte. Doch auch kleinere Projekte, wie geländefähige Rollstühle oder ein Moped für eine Spitex-Lernende, finanzierte der Fonds.

Suche nach neuen Aufgaben

Beim Finden von derartigen Projekten muss der Stiftungsrat seit einigen Jahren kreativ werden, denn der Fonds steht vor einem Problem. «Als Arnold Silberschmidt den Pflägifonds vor 30 Jahren gründete, bestand eine grosse Lücke, was die Versorgung von chronisch Kranken anging», erzählt Zaugg. In der Zürichseegemeinde gab es damals nur sehr wenige Pflegeplätze und ein kleines Angebot an ambulanter Versorgung, weswegen die Betroffenen oftmals wegziehen mussten. Der Pflägifonds konnte mit seinem Vermögen, das aus Spenden von Einzelpersonen, Geschäften oder Erbschaften besteht, den Bau und die Führung von Pflegeheimen unterstützen.

Doch durch die Reformen rund um das neue Pflegegesetz, welches 2011 in Kraft getreten ist, fiel das ursprüngliche Betätigungsfeld der Stiftung weg. Denn heute sind die Gemeinden selber damit beauftragt, ein ausreichendes Angebot an stationärer und ambulanter Behandlung zu gewährleisten. Eine Neuorientierung der Stiftung ist also angesagt. Was die letzten Jahre unter Marlies Zaugg schon begonnen hat, will die neue Präsidentin Kathrin Weidenmann-Wengle weiterziehen.

Hilfe beim Papierkram

Dass der Pflägifonds sich komplett neu erfindet, ist allerdings nicht möglich. «Wir sind rechtlich daran gebunden, das Geld gemäss dem Stiftungszweck auszugeben», sagt die 43-jährige Juristin, die wie auch schon ihre Vorgängerin Mitglied der örtlichen FDP ist. Sie ist seit diesem Winter Stiftungsratspräsidentin, es ist ihr erstes Mandat im Pflägifonds.

Der restliche Stiftungsrat bleibt aus den bisherigen Mitgliedern Hedy Kuch, Max Wohlwend, Roger Harris und Dane Medic bestehen. Rund 300000 Franken beträgt das Stiftungsvermögen derzeit. Um Projekte zu finden, hat der Stiftungsrat die Zusammenarbeit mit der Altersbeauftragten der Gemeinde verstärkt. «Auf diese Weise haben wir von einem Treuhanddienst erfahren, den die Pro Senectute anbietet», sagt Weidenmann-Wengle. Für einige ältere Menschen werde die Erledigung von Rechnungen, Steuererklärung und amtlichen Schreiben immer mehr zur Belastung. Seien diese zusätzlich von einer Krankheit betroffen, führe dies oft zu Überforderung, was einen Heimeintritt beschleunigen könne, sagt sie. «Wir wollen künftig chronisch kranke Personen unterstützen, die in den eigenen vier Wänden auf diesen Treuhandservice angewiesen sind, ihn sich aber nicht leisten können.» Die Stiftung hat sich ausserdem als Genossenschafter in das Projekt Wohnen plus eingekauft. Daneben prüft der Fonds wie gehabt auch Einzelanfragen von Betroffenen.

Denn auch in einem Staat wie der Schweiz gebe es immer wieder Personen, bei denen die existierenden Gesetze zu träge reagierten und der generelle Blick dem Einzelfall nicht gerecht werde. Hier sieht Weidenmann-Wengle den Bedarf an Stiftungen wie der ihrigen: «Der Pflägifonds wirkt als Nischenplayer für chronisch kranke Menschen in Richterswil und kann rasch und unkompliziert helfen.»

Erstellt: 28.04.2019, 20:37 Uhr

13 Jahre lang leitete Marlies Zaugg den Pflägifonds. (Bild: PD)

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